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Per Klick in den Kühlschrank

Lebensmittel online kaufen: Die Großen liefern mit der Post

Der Online-Handel in Deutschland wächst und wächst – außer bei Lebensmitteln. Während Briten und Franzosen längst ihre Wocheneinkäufe vom Schreibtisch aus erledigen, schieben hierzulande die Leute lieber noch Einkaufswagen durch Supermärkte. In Tübingen sowieso – denn hierher liefern manche Anbieter erst gar nicht. Dafür gibt es einige kleine, regionale Lieferdienste.

21.08.2015
  • SABINE LOHR

Tübingen. Ach, wie praktisch: Statt nach Feierabend noch zum Supermarkt zu hetzen, um den Kühlschrank fürs Wochenende zu füllen, lässt sich auch das ganz einfach online erledigen. Also ab ins Netz. Die Auswahl ist beträchtlich: allyouneedfresh.de, bringmeister.de, mytime.de, food.de, rewe.de, edeka.de und so weiter und so fort.

Die Ernüchterung folgt allerdings auf dem Fuß. Rewe etwa – der im Frühjahr darüber jubelte, seinen Online-Umsatz auf einen „zweistelligen Millionenbetrag“ vervierfacht zu haben – liefert nicht nach Tübingen. Bringmeister und food.de auch nicht. Die anderen lassen die Boxen oder Pakete mit DHL ausfahren. Lieferzeit: ein bis zwei Werktage. Wer am selben oder spätestens am nächsten Tag seine Einkäufe haben möchte, hat Pech. Dazu muss man schon in einer Großstadt wie Berlin, Köln oder Hamburg leben, wo die Onlineshops ihre eigenen Lieferdienste haben. Im kleinen Tübingen lohnt sich dieses Geschäft offenbar nicht.

Obst und Gemüse als Abo in Kisten

„Doch, doch“, sagt Daniela Gehr. Sie arbeitet seit Anfang des Jahres beim noch jungen Reutlinger Lieferdienst „Marktboten“. Der stellte sich 2014 beim „Neigschmeckt“-Markt vor und kam so gut an, dass er inzwischen feste 180 Kunden hat, die sich ihre Einkaufstüten online zusammenstellen und bringen lassen. Die „Marktboten“ arbeiten mit regionalen Anbietern zusammen – die Brezeln kommen aus Reutlingen, die Forellen aus Honau, die Kartoffeln aus Tübingen, die Nudeln aus Andelfingen und das Öl aus Walddorfhäslach. Geliefert wird mit eigenen Kühlwagen am Tag nach der Bestellung in die Kreise Reutlingen und Tübingen. Und zwar, wie Gehr sagt, „vorwiegend an junge, berufstätige Leute, die keine Zeit zum Einkaufen haben“. Auf die hat sich das „Marktboten“-Team eingestellt: Geliefert wird in der Regel abends. Aber auch einige Ältere, die sich mit dem Einkaufen schwer täten, seien unter den Kunden.

In Tübingen längst ein alter Hut ist die Biokiste. Vor etwa zehn Jahren fing das Obstgut Bläsiberg damit an, seine Produkte als Wochenabo in Kisten vor die Haustüren ihrer Kunden zu stellen. „Inzwischen haben wir rund 600 Kunden“, sagt Ursula Grüter. Die meisten davon ordern saisonale Bläsiberg-Produkte. Was der Hof nicht selber produziert, wird von Kollegen aus der Region geordert oder beim Biogroßhandel eingekauft. Wer sein Abo einfach laufen lässt, ohne den Inhalt der Kiste zu bestimmen, lässt sich überraschen. Diese Woche etwa mit Kohlrabi, Mangold, Paprika, Lauch und Petersilie.

Die Hofläden in Kilchberg und Entringen haben das Konzept übernommen – letztere fahren ihr Obst und Gemüse, aber auch Mehl und Salami mit dem Lastenfahrrad in den Ammerbucher Gemeinden aus. Alle drei Läden bieten neben den Abokisten auch individuell zusammengestellte Einkäufe an – aus allem, was das Hofladen-Sortiment hergibt. Wer allerdings Seife, Shampoo, Sprudel oder Chips haben möchte, muss nach der Online-Bestellung zwei Tage lang auf die Post warten. Oder in den Supermarkt gehen.

Lebensmittel online kaufen: Die Großen liefern mit der Post
Brot, Wurst, Obst, Gemüse: Der einzige Online-Lieferdienst, der in den Kreisen Reutlingen und Tübingen die im Internet bestellte Ware mit einer Botin – hier ist es Moira Schmid – oder einem Boten an die Haustür bringt, ist „Marktboten“. Bei allen anderen Händlern kommt die Ware mit der Post. Bild: Marktboten

Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young gaben die Deutschen im Jahr 2013 rund 175 Milliarden Euro für Lebensmittel aus. Gerade einmal 0,5 Milliarden Euro davon entfielen auf den Vertriebsweg Internet. Der Marktanteil des Online-Lebensmittelhandels liegt damit bei 0,3 Prozent. Laut der Plattform. Handelsdaten.de werden vor allem haltbare Produkte wie etwa Nudeln bestellt. Auch Süßwaren und Snacks werden gerne im Netz geordert. Auf Getränke folgen Käse, Fleisch und Wurst, frische Backwaren sowie Obst und Gemüse. Frischer Fisch und Tiefkühlkost machen den geringsten Anteil aus.

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21.08.2015, 12:00 Uhr

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