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Nachsitzen in den Ferien

Lebhafte Debatte über Ammerbuchs Schulzukunft

Das Thema Schule lässt Ammerbuch auch in den Ferien nicht los. Am Donnerstag befasste sich Altingens Ortschaftsrat mit der verfahrenen Situation der weiterführenden Schule am Ort. Und das recht lebhaft.

02.06.2012
  • Uschi Hahn

Wer Ammerbuchs Gemeinderat kennt, rieb sich am Donnerstagabend im Altinger Rathaus verwundert die Augen. Während es um den Ratstisch in der Entringer Kelter, wo Ammerbuchs oberstes kommunalpolitisches Gremium tagt, zumindest öffentlich nur selten zu Diskussionen kommt, trugen die Altinger Ortschaftsräte den Konflikt um die Zukunft der weiterführenden Schule ganz offen aus.

Ortsvorsteher Richard Teufel hatte das Thema auf die Tagesordnung gesetzt, nachdem in der vergangenen Ratssitzung Ammerbuchs Bürgermeister Friedrich von Ow berichtete, dass sein im März überraschend aufs Tapet gebrachter, vom Gemeinderat dann aber einstimmig abgesegnete Schulplan nicht aufgeht.

Wie berichtet, hatte in einem Gespräch am 8. Mai der im Kultusministerium für Gemeinschaftsschulen zuständige Norbert Zeller Klartext geredet: Die Ammerbucher Werkrealschule in Altingen zu einer einzügigen Gemeinschaftsschule umzubauen, ist für eine Gemeinde mit rund 11 500 Einwohnern nicht drin. Zumal aus den sechs Ammerbucher Dörfern rund 800 Schüler nach Tübingen in weiterführende Schulen pendeln.

Diese Zahlen reichen, davon ist man im Ministerium überzeugt, locker für eine mindestens zweizügige Schule. Zumal bei dem preisgekrönten Altinger Schulkonzept auch die Qualität stimme. Ungewöhnlich scharfe Worte richtete Zeller in dem Gespräch in Richtung von Ow. Er erlebe es sonst nur, dass Bürgermeister sich für ihre Schulen einsetzen, was eigentlich auch ihre Aufgabe sei. Auch habe von Ow wissen müssen, dass der Antrag so nicht genehmigungsfähig sei. Die Zweizügigkeit als Voraussetzung für die Gemeinschaftsschule stehe im Gesetz.

„Dass das so gelaufen ist, bedauere ich sehr“, sagte Teufel am Donnerstag im Ortschaftsrat. Weil die Anträge für Gemeinschaftsschulen spätestens am 1. Oktober vorliegen sollen, stehe man „jetzt wieder unter Zeitdruck“. Nun müsse man „den Mut haben“ und das Geld für eine zweizügige weiterführende Gemeinschaftsschule in die Hand nehmen. Und zwar in Altingen. Denn für Teufel ist es „fast strafbar, wenn man die preisgekrönte Konzeption sterben ließe“.

Beifall bekam der Ortsvorsteher von Dietmar Hammer (GAL) und seinem FWV-Listenkollegen Gottfried Niethammer. Hammer warnte davor, im Gemeinderat „jetzt wieder mit der Diskussion von vorne anzufangen“. Schließlich sei in der Schulsache „seit Jahren alles auf dem Tisch“. Niethammer sagte in Richtung Bürgermeister, er fände es „sehr schade, wenn die Schule nur an einem scheitern würde, der die Schule nicht haben will“.

Sind sich im Altinger Ortschaftsrat in der Schulfrage also alle einig? Mitnichten, wie Felix Wallochny mit großer Vehemenz klarmachte. Der CDU-Rat, der wie Teufel und Hammer auch im Gemeinderat sitzt, sieht im Gegensatz zu seinen Ratskollegen noch ganz grundsätzlichen Diskussionsbedarf. Man wisse ja gar nicht, was eine Gemeinschaftsschule mit ihrer Ganztagesbetreuung von „8 bis 17 Uhr“ bedeute, ganz zu schweigen von den „zusätzlichen Kosten“.

Überhaupt sei es „bitter, was hier gespielt“ werde, sagte Wallochny in Richtung Publikum, wo mit der ehemaligen GAL-Gemeinderätin Elisabeth Schmengler sowie den beiden SPD-Mitgliedern Katja und Günther Klepser ausgewiesene Befürworter der Altinger Schule saßen. Alle drei hatten bei dem vom Unterstützerkreis der Schule angeregten Informationsgespräch mit dem Ministeriumsvertreter teilgenommen.

Nicht aber Vertreter des Altinger Ortschaftsrates. Genau das aber machte Wallochny nun den Vertretern des Schul-Aktionskreises zum Vorwurf: „Warum nimmt der Vorsitzende der SPD-Ammerbuch samt Frau teil und wir nicht?“, fragte Wallochny aufgebracht in die Runde? Was die derart angegangenen zu einer Erklärung veranlasste.

Der Aktionskreis habe sich, so Schmengler, nachdem der Ammerbucher Antrag nach Stuttgart ging, vom Ministerium informieren lassen wollen und habe zu dem Gespräch den Bürgermeister eingeladen. Der wiederum habe, ergänzte Katja Klepser, Ammerbuchs Hauptamtsleiterin Gretel Rauscher sowie seine drei ehrenamtlichen Stellvertreter dazu geholt. Man könne nun nicht sie dafür verantwortlich machen, dass von Ow keinen Altinger Ortschaftsvertreter informiert habe.

Wallochny ließ sich davon nicht bremsen. Stattdessen holte der CDU-Rat nun auch noch zu einer Generalschelte in Richtung des SPD-geführten Kultusministeriums aus. Die Ablehnung des Ammerbucher Antrags sei „subjektiv“ und „rein ideologische begründet“. Und überhaupt, in der ganzen Schulgeschichte lebe jemand „auf Kosten von Ammerbuch seine Antipathie gegen den Bürgermeister aus“, schloss Wallochny seine schriftlich vorbereitete und sehr emotional vorgetragene „Stellungnahme“.

Doch damit war immer noch nicht Schluss der Debatte. Jetzt nämlich ereiferte sich Dietmar Hammer darüber, dass der Ammerbucher Schulantrag auch noch erhebliche Formfehler hatte. Anders als vorgeschrieben, habe man weder die Schulkonferenz noch das Schulamt zuvor um eine Stellungahmee gebeten. „Ich erwarte von einer Verwaltung, dass sie das richtig macht“, so Hammer.

Nach einer Abstimmung darüber, ob sich an der Diskussion auch Sachverständige aus dem Publikum beteiligen dürfen, ergriff schließlich auch noch Walter Schlanderer das Wort. Auch er warb für die zweizügige Gemeinschaftsschule. Die Idee sei ja die gleiche: „Wenn man zu einer einzügigen ja sagt, kann man ja jetzt bei der zweizügigen nicht zurückziehen. Da geht es ja jetzt nur noch ums Geld“, so sein Argument. „Das ist ja keine Giftschule“, sagte Schlanderer dann noch. Im übrigen halte er es für die „reine Ignoranz“, dass der Bürgermeister zu solch einem Gespräch über die Schulzukunft „seine drei Stellvertreter mitbringt und den Ortsvorsteher nicht informiert“.

Damit waren dann so ziemlich alle Argumente ausgetauscht. Wie die verfahrene Schulgeschichte weitergeht, wird sich wohl am 25. Juni im Ammerbucher Gemeinderat entscheiden. Frühestens dann, könne man das Thema behandeln, hatte Bürgermeister von Ow in der vergangenen Gemeinderatssitzung erklärt.

Man darf auf zweierlei gespannt sein: Erstens, ob es dann zu einem ähnlich lebhaften Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern der zweizügigen Gemeinschaftsschule in Altingen kommt. Und zweitens, ob dieses Mal ein Vertreter des Ministeriums oder wenigstens des Schulamts dabei sein wird. Das könnte den Gemeinderat vor einem weiteren Beschluss bewahren, der zu nichts weiter führt als neuer Verwirrung.

Lebhafte Debatte über Ammerbuchs Schulzukunft

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02.06.2012, 12:00 Uhr

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