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Rock die Firma

Lehrer-Band bespielte die Pausa

Da müssen sie jetzt durch. Einmal in den sauren Stil-Apfel beißen. Alle sechs. Sonntagabend, Mössingen.

02.10.2012

Das Kulturherbst-Kaleidoskop stellt ein Konzert in Aussicht. Ausführende: die Lehrer des Fachbereichs Popularmusik der Jugendmusikschule Steinlach. Devise: „Pausa – All Styles“. Denn die Vielfalt der präferierten „Styles“ im Kollegium ist groß. Für den Auftritt vorgestern wurde ein Kompromiss ausgehandelt. Gitarrist Frank Wekenmann erklärt Demokratie: „Jeder muss was spielen, was er gar nicht mag.“

Für den Anfang: Poprock, Beatles, „Come together“. Martin Bieder (kann alles, außer: frühtibetanisches Krummhorn) singt in die fahl-graue Bogenhallenweite hinein. Im Publikum: vereinzelt erstes sachtes Kopfmitnicken im Takt. Nach Bluesigem aus den 70ern und Zwischenapplaus für Oliver Wendt’s Saxofon-Solo verziehen sich fünf Sechstel der Dozenten, lassen „T. L.“ mal alleine machen. Und der studierte Jazz-Pianist, Sohn Mannheims eigentlich, macht: was Modernes. Elektronisches. Und erfüllt sich seinen Traum, „einmal mit einer verstimmten Gitarre für Menschen zu spielen“, zupft und improvisiert an Pink Floyds „Wish you were here“ herum. Auf den Rängen: konzentriertes Zuhören. Im Anschluss darf der Rest wieder mitmischen.

Der Genre-Block „Weltmusik“ sieht Abstecher nach Brasilien und in die Türkei vor. Letzteren in Form eines Klagelieds einer Mutter, die den Sohn im Krieg verloren hat. Das Auditorium genießt reglos-schwermütig. Zur Änderung der Stimmungslage ein Boogaloo von Blues-Größe Freddie King: „San-Ho-Zay“. Wieder Mitnicken und dezentes Stuhlwippen.

Nach der Pause, der ausgefuchste Beobachter wird es am Outfit-Wechsel des Gitarristen vom seriösen Hemd zur Lederjacken-Bart-Simpson-Metal-Shirt-Kombi erahnen, liegt der Fokus auf derberen Tönen. Verrockte Klassik erst. Mit T. L. nochmals einen Trip in meditative Gefilde. „Stay“ singt er am Klavier, und meint damit die „Bitte an mich selbst, bei mir zu bleiben“.

Die Hörer lauschen still und kriegen, vermutlich, Gänsehaut. Wieder World Music: Welche aus Spanien, Flamenco-angehaucht, ohne Kastagnetten zwar, „dafür spielt der Jupp ganz spannende Trommeln“. Gemeint ist Schlagzeuger Joachim Gröschel. (Kontra-)Bassist Steffen Hollenweger hat sich vom „Oriental Bass“ inspirieren lassen und huldigt „Marokko“ in Eigenkomposition. Aber dann: laut, schnell, dreckig. Hardrock. Schöner Kontrast. Bekannte Melodie, Deep Purple’s „Black Night“ nämlich. Jene, die auf der Tribüne sitzen, lassen sich gar zum manuellen Taktklopfen auf den Knien mitreißen.

Steigern mit Schwoba-Rock

Wie lässt sich das noch steigern? Mit Schwoba-Rock. Von, na klar, Wolle Kriwanek. Das surfige „Misirlou“ wird im Gedächtnis aller, die je „Pulp Fiction“ gesehen haben, eingebrannt sein, fetzt aber, gerade inmitten von Industrieästhetik-Szenerie, immer noch. Als Zugabe kommt der 40 Jahre alte Klassiker: „Smoke on the water“. Vermehrtes Fußstampfen, Mitzucken, viel Beifall. Wekenmann schlägt vor: „Wenn’s Ihnen nicht gefallen hat, sagen Sie’s einfach jemandem, den Sie nicht mögen, und schicken Sie dessen Kinder zum Unterricht.“ Vermutlich wird er nach dieser Logik in nächster Zeit nicht allzu beschäftigt sein. Kathrin Löffler

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02.10.2012, 12:00 Uhr

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