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Mindestens acht tote Babys

Leichenfund in Oberfranken - Polizei nimmt mutmaßliche Mutter fest

Sie waren in Handtücher und Plastiktüten gewickelt: Die Polizei hat in einem Haus in Oberfranken die Leichen von mindestens acht Babys gefunden. Eine 45-jährige Frau, offenbar die Mutter, wurde festgenommen.

14.11.2015
  • KATHRIN ZEILMANN, DPA (MIT AFP/EMA)

Wallenfels Die Vorhänge und Rollläden im Erdgeschoss und ersten Stock sind geschlossen. An den Fenstern der Dachgauben hängen Kinderbilder - selbst gebastelt. Aber was ein Notarzt und die Polizei hinter der Fassade des schmucklosen, aber gepflegten Hauses in der oberfränkischen Kleinstadt Wallenfels entdeckt haben, nimmt einem den Atem: Mindestens acht Babyleichen lagen in dem Haus, eingewickelt in Plastiktüten und Handtücher.

Es ist ein kühler und nebliger Herbstmorgen in dem 2800-Seelen-Ort mitten im Frankenwald. Das Städtchen ist ein Erholungsort, man kann im Sommer Floßfahrten auf der Rodach buchen. "Das bei uns - das hat niemand erwartet", sagt ein Mann, der seinen Hund ausführt. "Unfassbar" - das ist das Wort, das die meisten Passanten aussprechen.

Die Dimension des Verbrechens, das sich hier mutmaßlich abgespielt hat, kommt erst nach und nach ans Licht. In der Nacht spricht die Polizei von mehreren Babyleichen, verrät aber keine weiteren Details. Erst am Freitagmittag macht sie öffentlich: Es sind mindestens sieben Leichen von toten Säuglingen, die Polizisten und Rechtsmediziner in dem Haus gefunden haben. Am Nachmittag entdecken die Spurensicherung und die Kripo ein weiteres totes Baby im Haus.

Die sieben zuerst gefundenen Babyleichen hätten in einem Abstellraum im Keller gelegen, berichtet das Online-Portal "infranken.de". Der Raum sei früher eine Sauna gewesen. Der Coburger Oberstaatsanwalt Martin Dippold spricht von einem außergewöhnlichen Fall für die Ermittler. Trotz aller Betroffenheit müsse man professionell damit umgehen. Wie die Babys starben, ob sie nach der Geburt überhaupt gelebt haben, wann das jeweils geschah - alle diese Fragen bleiben zunächst ungeklärt. Die Polizei suchte nach einer 45 Jahre alten Frau, die vor wenigen Wochen aus dem Anwesen ausgezogen ist, sie könnte die Mutter sein. Die Frau sei wohl zu einem Mann gezogen, sagte ein Polizeisprecher. Am späten Abend gelang es den Ermittlern, die 45-Jährige festzunehmen. Die Frau sei tatverdächtig, hieß es.

Medien berichten über das familiäre Umfeld, etwa darüber, wie viele Kinder die Familie sonst noch gehabt habe. Eine Patchwork-Familie soll es gewesen sein - mit je zwei Kindern aus früheren Ehen und drei gemeinsamen. Im September jedoch soll es zur Trennung gekommen sein. Die Ermittler wollen nichts zu den persönlichen Verhältnissen der Hausbewohner sagen. Das spiele schließlich eine wichtige Rolle für die Ermittlungen, sagt Dippold. Viele Wallenfelser erzählen, die Familie sei unauffällig gewesen und gut ins Ortsleben integriert. Beide stammten aus dem Ort. Er habe in der Wasserwacht mitgemacht, sie habe im Sommer im Kiosk des Wallenfelser Schwimmbads gearbeitet.

"Mir fehlen die Worte", sagt ein Spaziergänger. "Man kann halt nicht hineinschauen, was sich in den Häusern abspielt." Die Familie sei nett und anständig gewesen, sagt eine ältere Frau, die ganz in der Nähe wohnt. "Wir sind so geschockt." Bürgermeister Jens Korn (CSU) ringt um Fassung. Eine heile Welt habe man doch eigentlich im Ort, sagt er. "Solche Themen kannten wir nur aus dem Fernseher." In Wallenfels sei die Ortsgemeinschaft intakt.

Viele Bürger beschäftige deshalb die Frage, ob man diese Tragödie hätte verhindern können, sagt Korn. Etwa mit Hilfsangeboten. "Es herrscht Trauer in unserer Stadt um die Kinder, die nicht leben durften."

Dass die Babyleichen gefunden wurden, ist einer Nachbarin zu verdanken. Sie hatte am Donnerstag eine Leiche in der Wohnung entdeckt und Polizei und Notarzt alarmiert. Die "Bild" zitiert Nachbarn mit der Aussage, die Frau sei häufig schwanger gewesen, habe das aber vertuscht und allenfalls erzählt, sie habe Fehlgeburten gehabt.

Die sterblichen Überreste der Babys sind zur Obduktion in die Rechtsmedizin nach Erlangen gebracht worden. Aufgrund des "teilweise schlechten Zustands" der Leichname werde die Obduktion einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte ein Polizeisprecher. Die Kripo bildete eine Ermittlungsgruppe, sie sicherte gestern den ganzen Tag Spuren in der Wohnung, befragte Nachbarschaft und die Verwandtschaft der Mutter.

Leichenfund in Oberfranken - Polizei nimmt mutmaßliche Mutter fest
Ein Beamter der Spurensicherung im Eingang des Hauses in Wallenfels, in dem die sterblichen Überreste mehrerer Säuglinge gefunden wurden. Foto: dpa

Leichenfund in Oberfranken - Polizei nimmt mutmaßliche Mutter fest

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14.11.2015, 12:00 Uhr

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