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„Keiner hat mich angegriffen“

Leichtathletik: Timo Benitz kommt aus dem Jubeln nach DM-Sieg gar nicht raus

Spannung war bei den deutschen Leichtathletikmeisterschaften, die am Wochenende in Ulm ausgetragen wurden, garantiert. Schnelle Zeiten bei den Sprintern und knappen Rennen über die Mittel- und Langstrecke waren im Donaustadion zu sehen.

29.07.2014
  • Saskia Drechsel

Ulm. Mittendrin: Gleich drei Athleten der LG farbtex Nordschwarzwald. Elena Burkard trat über die 5000-Meter-Strecke an, Benedikt Karus versuchte sich an den 3000-Metern-Hindernis und Timo Benitz war über die 1500-Meter-Strecke und holte Gold (wir berichteten) unterwegs.

Am späten Samstagvormittag hatte Timo Benitz seinen ersten Auftritt im Donaustadion. Bei kühlen Temperaturen und nasser Bahn boten sich nicht die besten Bedingungen. Der Nordschwarzwälder war über beide Distanzen der Mittelstrecke gemeldet, entschied sich aber für einen Start über die 1500 Meter, was auch für die nächsten Wettkämpfe eine wegweisende Entscheidung sein soll. Im Vorlauf ging es für Benitz zunächst darum, sich sicher für das Finale am nächsten Tag zu qualifizieren. Das gelang ihm problemlos.

In einem eher taktischen Rennen des zweiten Zeitvorlaufs blieb Benitz stets in der Mitte des Feldes und zog eine halbe Runde vor dem Ziel das Tempo an. Ihm blieb die Konkurrenz auf den Fersen, ein Schlussspurt war allerdings nicht nötig, Benitz sparte seine Kräfte für das Finale. Platz vier im Vorlauf reichten für den Final-Einzug, da der zweite Vorlauf der deutlich schnellere war. „Die Achillessehne zwickt ein bisschen, das ist nicht optimal, ich hoffe, das stört nicht im Finale“, sagt Benitz und erklärt, warum er sich für einen Start über die 1500 Meter entschieden hat: „Ich will eher auf die 1.500 Meter gehen. Über die 800 Meter ist die europäische Spitze zu stark und meine Spurtstärke kann ich über längere Strecken auch eher ausspielen.“

Am Sonntag ging es dann beim 1500-Meter-Finale um alles. Die komplette deutsche Spitze mit Florian Orth, Homiyu Tesfaye Carsten Schlangen und natürlich Timo Benitz war am Start. Das Rennen begann eher gemächlich, gut zwei Runden lang blieb das Tempo niedrig, die Athleten belauerten sich. Dann wurde es spannend. Vierhundert Meter vor dem Ziel zog Timo Benitz das Tempo an, ihm folgten Carsten Schlangen und Homiyu Tesfaye. Auf der Zielgeraden zündete Benitz den Turbo und sprintete seinen Gegnern davon. Auch WM-Fünfter Tesfaye hatte dem schnellen Nordschwarzwälder nichts entgegenzusetzen. Benitz stürmte in 3:57,53 Minuten zu seiner ersten Goldmedaille bei deutschen Meisterschaften der Aktiven und kam gar nicht mehr aus dem Jubeln heraus. „Ich hätte nicht erwartet, dass sie es mir so leicht machen. Keiner hat mich ernsthaft angegriffen“, sagt Benitz. „Ich habe quasi einen 400 Meter Steigerungslauf gemacht. Keiner kam an mir vorbei, die letzten hundert Meter bin ich voll gelaufen. Nie hätte ich gedacht, dass ich in der Lage bin, Carsten Schlangen zu schlagen.“

Für die Europameisterschaften in Zürich hat sich Benitz nun einen Finaleinzug vorgenommen. Über welche Distanz ist noch nicht ganz sicher. Zwar sieht er über die 1500 Meter größere Chancen. „Ich werde es mir aber noch einmal durch den Kopf gehen lassen“, sagt Timo Benitz, der die EM-Norm auch über die 800 Meter unterboten hat. Der Mann aus dem Nordschwarzwald ist vor dem Heimspiel in Zürich voller Vorfreude. „Zürich liegt für mich fast vor der Haustüre. Ich freue mich über zahlreiche Unterstützung. Viele werden im Stadion sein.“

Am Samstagnachmittag war Benedikt Karus an der Reihe. Er hatte sich in Ulm eine Medaille zum Ziel gesetzt, blieb aber deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Im 3000-Meter-Hindernis-Rennen begannen die Läufer verhalten. Karus blieb in der Spitzengruppe und auch auf zu den Führenden. Nach einigen Runden fiel es dem Athleten aber immer schwerer dem Tempo zu folgen. Er musste abreißen lassen und fiel immer zunehmend zurück. Die Konkurrenz zog an Karus vorbei, der sein Rennen dennoch beendete und das Ziel nach 9:03,62 Minuten erreichte.

Eine starke Leistung zeigte Elena Burkard über die 5000-Meter-Strecke. Die 22-Jährige Nordschwarzwälderin ist noch nicht lange zurück aus dem Vereinigten Staaten. Dort absolviert sie gerade ein Auslandsstudium und profitiert von den guten Trainingsbedingungen. Nach Ulm brachte sie ihre gute Form mit, die sie schon jenseits des großen Teichs mehrfach unter Beweis gestellt hatte. Mit der drittschnellsten Zeit der startenden Läuferinnen winkte Burkard eine Medaille, entsprechend ging sie ihr Rennen an.

Auf den ersten drei Kilometern belauerten sich die Konkurrentinnen. Sabrina Mockenhaupt, Isabell-Sophie Teegen und Elena Burkard. Abwechselnd wurde die Führungsarbeit übernommen, auch Burkard absolvierte zwei Runden in Führung. „Nach drei Kilometern, so haben wir das abgesprochen, gilt es Feuer frei“, erklärt Burkard. Mockenhaupt zog davon und absolvierte nun einsam ihre Runden, Burkard kämpfte mit Teegen um Silber, die weitere Konkurrenz lief weit abgeschlagen hinterher. Zwei Runden vor dem Ziel hatte Burkard einen Durchhänger, die Kräfte verließen sie. „Da wollte ich dann nur noch durchkommen“, erzählt die Nordschwarzwälderin. Das tat sie auch. Isabell-Sophie Teegen konnte Burkard zwar nicht mehr bezwingen, doch für den Bronzerang reichte es allemal. Nach 16:28,89 Minuten kam sie ins Ziel und war sogar zu erschöpft, ihren Erfolg zu bejubeln. Schließlich ist die Bronzemedaille von Ulm das erste Edelmetall, das sie in der Aktivenklasse gewinnen konnte. „Mit der Medaille hatte ich geliebäugelt, nun freue ich mich natürlich. An Isabell bin ich leider nicht mehr rangekommen, ich war am Limit und froh, den dritten Platz gerettet zu haben“, sagt Burkard.

Leichtathletik: Timo Benitz kommt aus dem Jubeln nach DM-Sieg gar nicht raus
Timo Benitz lässt seine Freude raus. Der Nordschwarzwälder hat gerade DM-Gold über die 1500-Meter-Distanz geholt. Bilder: sas

Leichtathletik: Timo Benitz kommt aus dem Jubeln nach DM-Sieg gar nicht raus
Lief auf Platz 3: Elena Burkard.

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29.07.2014, 12:00 Uhr

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