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Leichter zum Studium
Studenten nehmen in einem Hörsaal der Universität Heidelberg an einer Erstsemester-Veranstaltung teil. Die Universitäten fordern, dass bestehende Hürden gesenkt oder entfernt werden, wenn Flüchtlinge studieren möchten. Foto: dpa
Universitäten fordern einfacheren Hochschulzugang für Flüchtlinge

Leichter zum Studium

Bisher studieren nur wenige Flüchtlinge im Land. Bürokratie und die Kosten halten noch viele der Geflüchteten davon ab, sich an der Uni einzuschreiben. Die Hindernisse müssen weg, fordern die Hochschulen.

02.04.2016
  • DPA

Stuttgart. Universitäten in Baden-Württemberg wollen Flüchtlingen den Zugang zum Studium erleichtern. Wie das gehen soll, darüber beraten die Universitäten gerade Denn die Hürden für Flüchtlinge, ein Studium zu beginnen, liegen oftmals hoch: Der Bildungsabschluss aus der Heimat ist häufig nicht nachweisbar oder der Weg von der Flüchtlingsunterkunft zur Uni ist zu weit. Nur wenige Flüchtlinge haben es bisher an die Universitäten geschafft - um die Integration bemühen sich insbesondere Mitstudenten und Universitäten, zum Teil auf eigene Kosten. Die Universitäten fordern deshalb eine Absenkung der Hürden und eine Zusage zur Finanzierung der Hilfsangebote.

Oft sind es praktische Probleme, die ein Studium unmöglich machen: Fahrtkosten zu den Vorlesungen sind für viele geflüchtete Jugendliche zu hoch, wie die Pressesprecherin der Universität Tübingen, Antje Karbe, sagte. Sie schlug deshalb vor, den geflüchteten Studenten einen Umzug an den Ort der Universität zu ermöglichen.

Die Schwierigkeiten beginnen teils aber schon früher: Viele Geflüchtete haben im Trubel der Flucht keine Zeugnisse mitgenommen oder sie unterwegs verloren. Deshalb beraten die Universitäten derzeit in einem Arbeitskreis, welche Beweiserleichterungen man Asylbewerbern gewähren kann. Qualitäts- und Leistungsstandards dürften dabei aber nicht aufgeweicht werden, warnte der Pressesprecher der Universität Konstanz, Jürgen Graf.

Die Universitäten bieten bereits Gasthörerprogramme, Vorbereitungskurse und Beratung an. Das Wissenschaftsministerium lobt die Hochschulen zwar für ihr Engagement und teilt mit, pro Jahr fünf Millionen Euro für Integration auszugeben, aber nicht alle sind zufrieden: Die Universität Ulm fordert eine bessere Finanzierung von Sprachkursen und Beratungsangeboten durch Land und Bund. Die Universität Mannheim setzt auf ihr eigenes Netzwerk, um Alltagsprobleme zu lösen. Für die Finanzierung der Fahrkarten zur Uni wollen sie Verkehrsanbieter um Hilfe bitten. "Wir sind um unbürokratische Hilfen bemüht", sagt eine Sprecherin.

Das Bundesbildungsministerium hat den Bedarf erkannt und 27 Millionen Euro bereitgestellt - das Geld wird aber erst im Laufe des Jahres bei den Universitäten landen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) verteilt das Geld und hat auch Anträge von so gut wie allen Universitäten in Baden-Württemberg erhalten. "Wir bekommen die Rückmeldung von den Hochschulen, dass es genau richtig ist, so ein Angebot anzulegen", sagt die Leiterin des neu eingerichteten DAAD-Referats Hochschulprogramme für Flüchtlinge, Katharina Riehle. Der DAAD geht davon aus, dass 30 000 bis 50 000 studierfähige Flüchtlinge bis Ende 2015 nach Deutschland gekommen sind.

Auch wenn bislang nur wenige Studenten eingeschrieben sind - einer in Hohenheim, vier in Konstanz, schätzungsweise 30 in Tübingen - rechnen die Unis mit einem Ansturm in der Zukunft. Es gibt schon jetzt viele Interessenten. Gasthörerprogramme in Tübingen und Konstanz sind mit jeweils ein paar Dutzend Geflüchteten belegt. "Wir gehen proaktiv auf studieninteressierte Flüchtlinge zu und bieten Informationsveranstaltungen und Beratungsaktivitäten an", erklärt der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz Wolfram Ressel.

Der Flüchtlingsrat in Baden-Württemberg fordert Eignungstests als Alternative zu verschollenen Zeugnissen. Außerdem wird gefordert, studienwillige Flüchtlinge wie Austauschstudenten zu behandeln. Sie sollen schon Leistungsnachweise sammeln können, während ihre Zeugnisse geprüft werden. "Es geht darum, dass Studienwillige nicht Monate oder Jahre verlieren", sagt Ulrike Duchrow aus dem erweiterten Vorstand des Flüchtlingsrats. "Die jungen Menschen haben schon auf der Flucht wertvolle Zeit verloren."

Bisherige Angebote

Um interessierte Asylbewerber fit für das Studium zu machen, lassen sich die Universitäten viel einfallen - etwa kostenloses Gasthören oder Patenschaften mit erfahrenen Studenten.

Beratung Alle Unis bieten Flüchtlingen spezielle Ansprechpartner. Die Universität Mannheim berichtet von 400 Geflüchteten, die zur Beratung an der Universität waren. Ein Großteil davon plane, sich zu bewerben, sagte eine Pressesprecherin der Uni.

Vorbereitungskurse In Freiburg werden Flüchtlinge in einem Vorbereitungskurs auf die Fächer Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik vorbereitet. In Tübingen startet zum Wintersemester ein sogenannter Refugee-Kurs - ein zweisemestriges Programm mit Sprachunterricht, gesellschaftlichen und interkulturellen Kursen sowie Einführungen in verschiedene Studienfächer. In Mannheim läuft seit März ein Intensivsprachkurs.

Gasthörer-Programme Flüchtlinge können meist gebührenfrei als Gasthörer an die Uni kommen. In Mannheim wurde eine "Winterschool" für Geflüchtete im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften angeboten. In Tübingen ist das Gaststudium "Theologie für Geflüchtete" in Kooperation von katholischer und islamischer Theologie eine Besonderheit.

Studentische Initiativen Vielerorts nehmen Studierende eine Mentorenrolle für Flüchtlinge ein. Darüber hinaus gibt es Angebote, die sich nicht nur an Flüchtlinge mit Studienabsicht richten, etwa Rechtsberatung oder Begegnungscafés. dpa

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02.04.2016, 06:00 Uhr

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