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Leistung! Leistung! Teamgeist!
Die Angreifer Mario Gomez (Bild), Timo Werner und Sandro Wagner müssen um ihre Plätze im deutschen WM-Kader kämpfen. Foto: Boris Streubel/Getty Images
Nationalmannschaft

Leistung! Leistung! Teamgeist!

Die Zeit der Experimente ist vorbei, der Bundestrainer läutet die heiße Phase vor der WM ein. Er sucht 23 Spieler, die sich in zwölf Wochen in Russland in Bestform präsentieren.

23.03.2018
  • ARMIN GRASMUCK

Düsseldorf. Die professionelle Blick selbst auf das vermeintlich kleinste Detail gehört für Joachim Löw zu dem perfekten Auftritt vor und speziell während der großen Turniere, die er seit 2006 mit der Nationalmannschaft bestreitet. Keine Chance dem Zufall, so wird nach dem bewährten Prinzip des Bundestrainers die Wahrscheinlichkeit des sportlichen Erfolgs automatisch erhöht.

Es ist also durchaus möglich, dass er den Raum für den ersten konkreten Ausblick auf die Weltmeisterschaft, die von 14. Juni bis 15. Juli in Russland ausgetragen wird, mit Bedacht auswählte. Der eng bemessene Konferenzsaal im Erdgeschoss eines Düsseldorfer Messehotels konnte auffallend gut als stilechter Eindruck auf das gewertet werden, was Löw, seine Spieler und den Tross, der die deutsche Auswahl auf der Reise in den Osten des Kontinents begleiten wird, erwartet. Tief hing die Decke, die Wände waren holzvertafelt, rostbraun die Vorhänge, dazu der blaugraue Flizteppich mit den beigen und dunkelgrauen Punkten. Die Bezüge der in Reihen aufgestellten Stühle, gehalten in blassen Brombeertönen, rundeten das spezielle Ambiente ab. In der Rheinmetropole trifft die Nationalelf heute (20.45 Uhr/ARD) auf Spanien – ein WM-Test von gehobenem Anspruch.

Klare Botschaft

Vorbei ist die Zeit der Experimente. Die heiße Phase läutete Löw mit einer Art Regierungserklärung ein, in der er klar umriss, wie er das von ihm ausgerufene Projekt Titelverteidigung anzugehen gedenkt. Ein Stichwort nur, da sprudelten seine Kernbotschaften für die nächsten Wochen und Monate aus ihm heraus:

„Wir werden genau hinschauen, wer uns mit Leistung überzeugt.“

„Wir erwarten, dass die Spieler ihren Fokus auf die WM lenken, das größte Turnier, das es im Leben eines Sportlers gibt – und sich entsprechend präparieren.“

„Wir brauchen 23 Spieler, die Leistung abrufen, teamfähig sind.“

Die 26 Spieler, die der Bundestrainer für die Partien gegen Spanien und am Dienstag in Berlin gegen Brasilien eingeladen hat, sind die ersten Anwärter auf die Plätze im WM-Kader. Gesetzt ist selbstverständlich Mannschaftskapitän Manuel Neuer, der nach einem Mittelfußbruch noch pausieren muss. Löw hat auch die Weltmeister Mario Götze und André Schürrle, zuletzt außer Form und deshalb für die Testspiele gestrichen, keineswegs abgeschrieben, wie er betonte. Marco Reus, eine weiterer Kandidat mit guter Perspektive, benötige nach seiner langen Verletzungspause noch etwas Zeit, um seine Form und den richtigen Rhythmus zu finden.

Erfreut registriert der Bundestrainer, dass er nach der großen Sturmflaute, die der deutschen Mannschaft während der Europameisterschaft vor zwei Jahren in Frankreich spürbar zusetzte, neue Varianten im Angriff einstudieren kann. Neben Senkrechtstarter Timo Werner und dem flexibel einsetzbaren Kollegen Lars Stindl kämpfen auch die Hünen Mario Gomez und Sandro Wagner um das Ticket nach Russland. Für den DFB-Coach ist es keine Frage von entweder/oder. Auch hier steht der Faktor Leistung über allem. „Mario Gomez ist in der Rückrunde sehr gut in Form, er hat einige Tore für den VfB Stuttgart erzielt“, sagte Löw. „Sandro Wagner hat bei Bayern auch Tore gemacht, wenn er gespielt hat.“ In den Testspielen sollen die zwei Mittelstürmer die Möglichkeit bekommen, sich im Trikot der Nationalelf zu bewähren.

Der Titelverteidiger ist gewarnt

„Uns läuft ein bisschen die Zeit davon“, so erklärte der Bundestrainer. „Es ist gut, dass wir jetzt zwei Länderspiele haben gegen Mannschaften, die zu den absoluten Favoriten in Russland zählen.“ Das Ziel, den vor vier Jahren in Brasilien errungenen Titel des Weltmeisters zu verteidigen, betrachtet er als doppelt schwer. „Es wird wahnsinnige Widerstände geben, jeder will uns vom Thron stoßen“, sagte Löw – und fügte mit bedrohlich gesenkter Stimme hinzu: „Das Turnier wird uns allen Unmenschliches abverlangen. Wir sind die Gejagten.“

Die Deutschen sind gewarnt. Mancher Weltmeister, zuletzt die Spanier, musste viel früher als erwartet die Heimreise antreten. Gar ohne Sieg schied 2002 der als Favorit gehandelte Titelverteidiger Frankreich bereits nach den Gruppenspielen aus. Die Mannschaft um Superstar Zinedine Zidane hatte eigens Champagner aus der Heimat um den halben Globus nach Südkorea schaffen lassen – für den Fall der Fälle. Löw sieht es eher nüchtern.

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23.03.2018, 06:00 Uhr

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