Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Mehr Zeit fürs Training

Leistungssportler dürfen die Schulzeit am Gymnasium verlängern

Schule und Leistungssport unter einen Hut zu bringen ist schwer. Ein Gesamtkonzept soll das nun erleichtern: Kadersportler können künftig die gymnasiale Schulzeit strecken. Gemeinsam oder individuell.

20.11.2015

Von UTE GALLBRONNER

Ludwigsburg Der Kultusminister, der zugleich Sportminister ist, hat gestern in Ludwigsburg ungeahnte Talente entwickelt: Andreas Stoch streifte sich das Trikot der Ludwigsburger Basketballer über und lieferte sich ein Match mit Nachwuchsspielern des dortigen Otto-Hahn-Gymnasiums. Dynamisch, mit Zug zum Korb und durchaus einer Portion Ehrgeiz, versuchte er seine Mitspieler in Szene zu setzen. Nur größenmäßig hatte Stoch einige Nachteile zu verarbeiten.

Natürlich war der Kultusminister nicht nur zum Basketballspielen in die Rundsporthalle gekommen. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Landessportverbandes, Dieter Schmidt-Volkmar, hatte er zuvor das neue "Gesamtkonzept zur Vereinbarkeit von Schule und Spitzensport" unterzeichnet.

Was die jungen Sportler plagt, brachte das 15-jährige Tennistalent Emily Seibold auf den Punkt: "Das schwerste ist, dass man nie genügend Zeit hat." Nicht genug Zeit fürs Training, nicht genug Zeit für die Schule: "Aber das wird jetzt ja vielleicht besser."

Um dieses Problem zu lösen, brauche es intelligente Konzepte. Deshalb können Leistungssportler an Eliteschulen des Sports oder den Partnerschulen der Olympiastützpunkte künftig die Schulzeit strecken. Konkret bedeutet dies, dass sie die Kursstufe statt in zwei in drei Jahren absolvieren, wenn sie dies wollen. Ebenso kann künftig in der Mittelstufe ein Schuljahr auf zwei ausgedehnt werden. Dies sei besonders für Athleten interessant, die schon zwischen der 8. und 10. Klasse sehr hohe Trainingsumfänge zu bewältigen haben.

"Für uns ist dieses Konzept ein Meilenstein", sagte der Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums Karlsruhe, Dr. Andreas Ramin: "Bisher haben wir immer Wege suchen müssen, wie wir den Rahmen so dehnen können, dass es dem jungen Sportler hilft. Jetzt haben wir endlich eine rechtliche Grundlage." Umsetzen müssen es nun die Regierungspräsidien, wenn Schulen und junge Kadersportler es wünschen.

Neben den individuellen Lösungen gibt es aber auch noch das "Ludwigsburger Modell": Sind in einem Jahrgang mindestens zwölf Spitzensportler, die mitmachen wollen, können die drei Jahre von Klasse 8 bis 10 im Sportprofil auf vier ausgedehnt werden. "Das ist natürlich vor allem für Schulen interessant, an denen Mannschaftssportler angesiedelt sind", sagte Stoch - so wie die Basketballer in Ludwigsburg.

Die Gruppe wird dann in einzelnen Fächern separat vom Rest der Klasse unterrichtet, wofür die Schulen zusätzlich 45 Deputatsstunden erhalten. Die anderen Fächer besuchen alle gemeinsam. Die Stundenzahl im Jahr wird für die Sportler damit reduziert und sie haben mehr Zeit fürs Training. Im Schuljahr 2016/17 soll das Ludwigsburger Hahn-Gymnasium im Rahmen eines Schulversuchs starten.

Die bisher schon bestehenden Unterstützungsmodule an den Eliteschulen und Partnerschulen sollen weiterhin verfolgt und ausgebaut werden. So haben Talente, die einem Landes- oder Bundeskader angehören, die Möglichkeit Nachführunterricht von Lehrern zu bekommen, wenn wegen Trainingseinheiten oder Wettkämpfen Lücken aufgetreten sind. "Die Partnerschulen machen auch vieles möglich, was Freistellungen angeht", lobte Schmidt-Volkmar einmal mehr die gute Zusammenarbeit: "Darüber sind wird sehr froh."

Schmidt-Volkmar betonte ausdrücklich, wie sehr er die Unterstützung Stochs schätzt: "Sie sind für mich ein Synonym der erfolgreichen Entwicklung des Sports und Spitzensports im Land." Auch für ihn ist wichtig, "dass jetzt endlich alles schriftlich festgelegt ist". Jeder Schulleiter könne sich darauf berufen: "Und den Regierungspräsidien deutlich machen, dass dies ein Konzept des Kultusministeriums ist, das umgesetzt werden muss."

Ein weiterer Punkt sei aus Sicht des Sports und der betroffenen Schulen zu begrüßen: Es gibt fünf trainingsortnahe Stellen für Spitzensportler mit Lehramtsstudium. Außerdem sollen an den Sportschulen künftig mehr sportaffine Lehrer eingestellt werden. "Die Eliteschulen klagen oft, dass sie Lehrer zugewiesen bekommen, die Sport nur vom Fernsehen kennen. Das kann nicht sein. Wir brauchen dort Lehrer, die dem Sport aufgeschlossen gegenüberstehen, und zwar nicht nur Sportlehrer", so Schmidt-Volkmar.

Flexibilität ist das Stichwort, das in Ludwigsburg besonders häufig gefallen ist. Die jungen Sportler müssen ohnehin flexibel sein - ihre Rahmenbedingungen sollen es nun auch endlich werden.

Macht Tempo: Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (links), hier im Dribbling gegen U16-Nationalspieler Qurien Emanga gestern in der Otto-Hahn-Schule in Ludwigsburg, möchte Spitzensport und Schule besser vernetzen. Foto: dpa

Zum Artikel

Erstellt:
20. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
20. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. November 2015, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen