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Politik

Leitartikel · WELT 4.0: Es ist schon da

Von Thomas Veitinger Der Begriff führt etwas in die Irre: Industrie 4. Die Bezeichnung stammt aus dem Bereich des Programmierens.

14.11.2015
  • SWP

Wenn es eine neue Software-Version gibt, bekommt sie eine höhere Nummer. So wurde aus Windows 1.0 irgendwann Windows 2.0 und Windows 3. Neue Software wird auf dem Computer installiert. Fertig. Doch die heute so viel diskutierte Industrie 4.0 oder gar Welt 4.0 lässt sich nicht einfach aufspielen. Sie ist niemals fertig. Die Meinungen gehen sogar auseinander, was darunter überhaupt zu verstehen ist.

Einigkeit scheint darüber zu herrschen, dass Digitalisierung wichtig ist, es hängen Arbeitsplätze und Wohlstand von ihr ab. Dabei ist die Digitalisierung schon da. Schaut man im Lexikon nach, ist die Industrie 3.0 die digitale Revolution: Der Computer hielt Einzug. Heute geht es um die Durchdringung und Vernetzung der Gesellschaft mit Digitalem und Internet.

Das alles ist wichtig, um zweierlei zu zeigen: Es ist im Prinzip nichts neues was heute passiert, es ist nur weitergehend. Und: Es lässt sich von den Erfahrungen mit Computer und Internet etwas lernen.

Was müssten wir heute anders machen, wenn es 40 Jahre früher wäre und der legendäre bezahlbare PC Altair 8800 käme auf den Markt? Einiges, wenn wir die spätere amerikanische Dominanz von Unternehmen wie Google und Apple verhindern wollten. Relativ wenig, wenn wir uns auf die heutige im Prinzip gesunde Mischung aus Dienstleistungs- und produzierender Wirtschaft verlassen wollten. Beides bildet das Spannungsverhältnis.

Unternehmen in den USA, im viel gepriesenen Silicon Valley, sind sehr schnell, serviceorientiert und experimentell. Dafür liegt unsere Stärke in der Gründlichkeit, Ausbildung und dem Erfinden. Auch in der digitalen Welt von morgen wird produziert. Was wir 1975 hätten machen können: Geld zum Experimentieren zur Verfügung stellen, Freiräume schaffen, staatliche Unterstützung implementieren. Dies alles ist auch heute wichtig.

Und mehr. So ist fast ein Viertel der Deutschen derzeit nicht online. Der häufigste Grund: Sicherheitsbedenken. Dem enormen Potenzial der digitalen Welt stehen Risiken gegenüber. Wären Mitte der 70er Jahre andere Ansprüche an Software gestellt worden und hätte Produkthaftung Unternehmen gezwungen, fertige und sichere Programme auf den Markt zu bringen - vieles wäre heute einfacher. Damals fehlten Standards, heute sind sie umso wichtiger. Denn auch gegen die "Deutsche Angst" ist kein Kraut gewachsen. So muss derzeit mühsam ein Digitaler Kodex gesucht und das Urheberrecht auf EU-Ebene geklärt werden. Zu viel politisches Klein-klein behindert die Digitalisierung.

Was früher nicht erfolgte und heute allerdings nicht geschehen darf: Digitalisierung zum Selbstzweck zu machen. Die Nutzenfrage muss im Vordergrund stehen, sie darf aber nicht zu einer unendlichen Suche nach dem Sinn führen. Zeit ist ein wichtiger Faktor, wie die Serie "Welt 4.0" zeigt, die im Wirtschaftsteil dieser Zeitung samstags zu lesen sein wird. Vernetzung des Alltags, die Frage nach der Arbeit von morgen, 3D-Druck, Fabrik der Zukunft: All dies beschäftigt uns, aber all das ist nichts Disruptives, Verdrängendes, Ablösendes, wie immer wieder behauptet wird, sondern Evolutionäres. Es wird keinen Bruch geben, Digitales muss uns keine Angst machen. Wurzeln gibt es bereits, wie vor Jahrzehnten stehen sie im Kontext von Chance und Bedrohung. Für Unternehmen, aber auch Einzelne wird die Anpassungsfähigkeit wichtig sein. Egal, in welcher Welt wir leben.

Nutzenfrage

muss im

Vordergrund stehen

leitartikel@swp.

Leitartikel · WELT 4.0: Es ist schon da

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14.11.2015, 12:00 Uhr

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