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24.11.2015

Es ist heiß im Sommer 1935, auch auf dem Landsitz der Familie Tallis in England. Zwei Töchter hat die sehr wohlhabende Familie, die schöne junge Cecilia und ihre literarisch begabte, sehr verschlossene dreizehnjährige Schwester Briony. Cecilia ist nicht ganz standesgemäß verliebt in den gut aussehenden Robbie, Sohn der Haushälterin. Briony beobachtet das Paar mit Misstrauen und Neugier. So wird sie heimlich Augenzeugin einer Szene, die sie - verhängnisvoll für alle Beteiligten - falsch interpretiert.
Was daraus folgt, hat der renommierte britische Schriftsteller Ian McEwan in seinem Romanbestseller "Abbitte " geschildert. Nun hat der englische Regisseur Joe Wright die Geschichte einer spät eingestandenen Schuld mit herausragenden Schauspielern Großbritanniens als bewegendes Melodram in Szene gesetzt, das heute in die Kinos kommt.

Die Handlung spielt in drei Zeitebenen: vor dem Zweiten Weltkrieg, in dessen Anfangsphase nach der Niederlage britischer Truppen in Belgien und Frankreich sowie 1999. Es bedurfte daher gleich dreier Schauspielerinnen, um die Intrigantin Briony darzustellen. Die junge Irin Saoirse Ronan spielt Briony als Heranwachsende, Romola Garai verkörpert die junge Frau in einem Londoner Lazarett, und Vanessa Redgrave zeigt in einem kurzen, aber grandiosen Auftritt die alt gewordene Erfolgsschriftstellerin, die in ihrem letzten Buch bekennt, einst das Leben ihrer schönen älteren Schwester Cecilia und besonders das von deren Freund Robbie zerstört zu haben.

Keira Knightley, der derzeitige weibliche Star des britischen Kinos, ist in der Rolle der Cecilia zu sehen. Und James McAvoy, dessen Name man sich merken sollte, ist hinreißend als schüchtern Verliebter und anrührend als tragisch dem chaotischen Kriegsgeschehen ausgelieferter Soldat.

Romanautor McEwan beleuchtet gerne menschliche Abgründe, und er tut das auf höchstem literarischen, gleichwohl gut lesbarem Niveau. Es ist eine große Qualität der Verfilmung, dieses Niveau gehalten zu haben. Besonders der erste, im Jahr 1935 spielende Teil ist berauschend schön in Szene gesetzt. Wer wünschte sich nicht, einen heißen Sommer auf diesem Landgut in prachtvoller Natur zu verbringen? Doch in fast jeder Einstellung lauert schon das kommende Unheil.

Regisseur Wright, gefeiert für sein Kinodebüt mit dem Historiendrama "Stolz und Vorurteil ", konnte die Kriegsszenen mit großem Aufwand inszenieren. Es sind nicht siegreiche, sondern geschlagene, demoralisierte britische Soldaten, die da an der Kanalküste auf die rettende Überfahrt zu ihrer Insel warten. Wird der sensible Robbie das auch schaffen?

Der Film hat für die Zuschauer einige Überraschungsmomente parat. Auch sie machen "Abbitte " zu einem Leinwanderlebnis, das einen Besuch dieses hochkarätigen Melodrams allemal lohnt. Und wenn am Schluss die große Vanessa Redgrave als alt, krank und weise gewordene Briony ins Bild kommt, dann geht diese Geschichte einer kindlichen Eifersucht mit tragischen Konsequenzen tief unter die Haut. "Abbitte " ist als Literaturverfilmung von ähnlicher Qualität wie der einstige Oscar-Gewinner "Der Englische Patient ". .

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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