Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Lenins Kopf
Lenin-Kopf in der Spandauer Zitadelle in Berlin. Foto: dpa
Vergessene Denkmäler

Lenins Kopf

Einschusslöcher, übersprühte Schrift, abgebrochene Nasen: In Berlin werden jetzt Denkmäler mit Spuren ihrer Geschichte gezeigt.

29.04.2016
  • dpa

Berlin. König Friedrich Wilhelm III. und der russische Revolutionär Lenin haben jetzt ein gemeinsames Zuhause. Denkmäler von ihnen stehen am Anfang und Ende einer neuen Berliner Ausstellung, die nach jahrelangem Ringen fertig ist. „Ich bin glücklich und hochzufrieden“, sagt die Leiterin des Museums in der Spandauer Zitadelle, Andrea Theissen. Die erste Idee zu der Schau liegt 16 Jahre zurück.

Die Dauer-Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ zeigt rund 100 Stücke vom 18. Jahrhundert bis zum Mauerfall, die einst entsorgt, vergraben oder in Depots verbannt wurden. Nun erleben sie ein Comeback. „Der Umgang mit den politischen Denkmälern zeigt Brüche in der Geschichte – jedes Stück erzählt eine eigene Geschichte“, sagt Kuratorin Theissen in dem mit Millionenaufwand umgebauten Proviantmagazin der einstigen Festung.

Als Zeichen politischer Herrschaft, ideologischer Legitimation oder als Orte des Gedenkens veranschaulichten Denkmäler Vergangenheit. Theissens Anliegen: Diese Vergangenheit begreifbar zu machen. Die meisten der Exponate dürfen angefasst werden. Nichts sei restauriert worden, so bleiben abgebrochene Nasen oder Arme, Risse im Marmor sichtbar.

„Wir sehen hier Monumente, die einst das Bild unserer Stadt prägten. Denkmäler legen Zeugnis einer bestimmten Zeit ab, sie sind sprichwörtlich „in Stein gemeißelte“ Geschichte“, sagte Monika Grütters, die Kulturstaatsministerin, anlässlich der Eröffnung der Schau.

Fast wäre das Projekt noch an Lenin gescheitert. Der dreieinhalb Tonnen schwere Granitkopf gehörte einst zu einem 19 Meter hohen Denkmal. Nach dem Mauerfall war es abgebaut, in mehr als 100 Teile zerlegt und am Stadtrand vergraben worden. Erst wollte man sich im Senat nicht erinnern, wo die Teile lagen, dann wurden schützenswerte Zauneidechsen ins Feld geführt. Doch Theissen kämpfte „verbissen“. In einer spektakulären Aktion wurde der symbolträchtige Kopf schließlich im Vorjahr ausgebuddelt und in die Zitadelle gebracht.

Bekannt wurde der Fall des DDR-Denkmals mit dem Film „Good Bye, Lenin!“. Ein Millionenpublikum sah in der Tragikomödie, wie die für den Streifen nachgebaute Statue von Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924) davonschwebte – ein Symbol für den Untergang der DDR.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball