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Stipendium

Lernen für den Frieden

221 syrische Studierende werden an der Uni Konstanz zu Führungskräften ausgebildet. Sie sollen am Wiederaufbau ihres Landes mitwirken.

19.01.2017
  • PETRA WALHEIM

Konstanz. Es ist eine Investition, die von viel Hoffnung getragen wird: 221 ausgewählte syrische Studierende und Doktoranden erhalten an der Universität Konstanz eine sozialwissenschaftliche Zusatzausbildung. Die soll sie befähigen, in einem befriedeten Syrien als Führungskräfte den Wiederaufbau mitzugestalten. Das Auswärtige Amt fördert das Programm mit dem Titel „Leadership for Syria“ (Führungskräfte für Syrien) mit 10,2 Millionen Euro. Das Land Nordrhein-Westfalen hat weitere 1,5 Millionen Euro dazu gelegt und weiteren 21 syrischen Studierenden die Teilnahme ermöglicht. Das Programm sei „Ausdruck der Bemühungen der Bundesregierung, den künftigen Wiederaufbau in Syrien nachhaltig zu unterstützen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Uni Konstanz organisiert das studienbegleitende Lehrprogramm im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für dessen Stipendiaten. Die syrischen Studierenden konnten sich für das Programm aus aller Welt, zur Not auch aus einem Flüchtlings-Camp, bewerben. „Sie mussten halt einen Internet-Anschluss haben“, sagt der Politikwissenschaftler Professor Wolfgang Seibel, der das Programm an der Uni Konstanz leitet. Eine Voraussetzung war: Sie müssen Syrer sein.

5000 Studierende und Doktoranden haben Bewerbungen eingeschickt. 450 wurden zu persönlichen Auswahlgesprächen eingeladen. Die 221 Studierenden, die in das Programm aufgenommen wurden, studieren an 49 deutschen Universitäten vor allem Natur- oder Ingenieurwissenschaften oder Medizin.

Zusätzlich zu ihrem Fachstudium erwerben sie nun an der Uni Konstanz in zwei Semestern „Handlungskompetenzen für einen zukünftigen Wiederaufbau des Landes“, heißt es in einer Pressemitteilung des DAAD. „Das Begleitprogramm ist in drei große Themenbereiche aufgeteilt“, sagt Wolfgang Seibel. Es gehe um die Förderung eines nachhaltigen demokratischen Gesellschaftsverständnisses, die Förderung des Verständnisses für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik sowie darum, persönliche Handlungskompetenzen zu vermitteln. Dazu gehören verantwortliches Führungsverhalten, Teamarbeit und die Fähigkeit, Konflikte zu lösen.

In ihrer Bewerbung habe die Uni Konstanz deutlich gemacht, dass es nicht darum gehen könne, westliche Demokratie- und Rechtsstaats-Modelle auf eine vom Bürgerkrieg zerrüttete Gesellschaft zu übertragen, sagt Seibel. Das und die stattliche Zahl an Wissenschaftlern, „die sehr bekannt sind“, habe dazu geführt, dass Konstanz den Zuschlag bekommen habe.

Drei Reisen an den Bodensee

18 Dozentinnen und Dozenten aus den Fächern Politik-, Verwaltungs- und Wirtschaftswissenschaften sowie Psychologie sind an dem Programm beteiligt. Sie vermitteln die Lehrinhalte zum Großteil über Internet-Konferenzen. „Wir bieten ,Webinare' an“, sagt Wolfgang Seibel – Seminare über das Netz. „Das war eine große Herausforderung für uns.“ Doch in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Mediales Lernen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) seien auch die technischen Probleme gelöst worden. Drei Mal müssen die Studierenden nach Konstanz reisen, um sich das Wissen vor Ort abzuholen. Unterrichtet wird in Englisch.

Ausgewählt wurden die Stipendiaten nach Auskunft von Janina Ackermann aus der DAAD-Teamleitung für dieses Programm von einer Kommission vor allem „nach akademischer Leistung und Persönlichkeit“. In sie wird viel Geld investiert. Deshalb wird von ihnen erwartet, dass sie nach Ende des Bürgerkriegs in ihr Land zurückkehren und dort an verantwortlichen Stellen als Führungskräfte tätig werden. Kontrolliert werden könne das nicht, sagt Janina Ackermann.

Manche Studierende sind erst mit ihren jungen Familien nach Deutschland gekommen, um das Studium aufzunehmen. Andere sind schon länger im Land und mit ihrem Studium schon fast fertig.

Seibel hält das Angebot für ein „sehr gutes Programm“. „Der Ansatz ist richtig“, sagt er. Auch wenn völlig unklar ist, wann die Studierenden ihre Kenntnisse in die Praxis umsetzen können. „Wir bilden sie aus für eine fiktive Situation“, sagt Seibel. Ihm macht die Arbeit mit den Studierenden viel Freude. „Das sind ganz erstklassige, intelligente junge Leute. Das macht richtig Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“

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19.01.2017, 06:00 Uhr

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