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23.11.2015

Für die einen ist es ein cineastischer Bilderrausch, für die anderen hohles „Kettengerassel“. Regisseur Philippe Ramos liefert mit seinem zweifach ausgezeichneten Kostümfilm das Prequel, die Vorgeschichte zu „Moby Dick“, „frei inspiriert“ nach Melville: Wie ist Kapitän Ahab zum derart verbitterten Walfänger geworden?

In seinem philosophischen Epos hatte Melville Gründe genug gegeben – von allgemeinmenschlicher Tragweite. Dagegen müssen bei Ramos die üblichen Verdächtigen der Küchenpsychologie herhalten: der Ödipuskomplex und die bigotte Gesellschaft um 1840. So schaukelt sich der Film zwischen symbolistischen Bildern und Freudschen Gemeinplätzen auf.

Gleich in der ersten Einstellung kreuzen sich Tod und Sexualität. Bei Ahabs Geburt ist seine Mutter gestorben, in Großaufnahme wirkt ihre weibliche Scham wie eine Insel im bleichen Fleischmeer. Der abweisende Vater wird vom Liebhaber seiner zweiten Frau erstochen, die natürlich auch von Klein-Ahab begehrt wird. Es folgen nach bekanntem Muster strenggläubige Tante und Prügel-Onkel, ein vorgetäuschter Tod und unerreichbare Frauen, bis am Ende der Weiße Wal dran glauben muss.

Fragt sich nur, warum. Das abgebissene Bein hätte dafür auch genügt. Gegenüber dieser ärgerlich überhöhten Entwicklungsgeschichte mit einem durchaus sehenswerten Denis Lavant faszinieren die bis ins Letzte durchkomponierten Hochglanzbilder und Landschaftsaufnahmen. Doch gleich fährt Ramos wieder opernhaft schwülstig auf und übergießt alles mit Musik, als ob er der Kraft seiner Bilder nicht vertrauen könnte.

Ist die Handlung schon dick aufgetragen, wirkt die wild aus Klassik-Hits und Pop zusammengesuchte Filmmusik vollends geschmacklos – etwa wenn Ahab zu Sibelius’ „Valse triste“ lustvoll einen Hund tötet.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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