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Mehr Wärme auf Vorrat

Letzter Akt der Modernisierung des GKT-Kraftwerks

Zwei mächtige Kräne fügten gestern einen 200 Kubikmeter fassenden Wärmespeicher in das Heizkraftwerk an der Brunnenstraße ein. Der 16 Meter hohe Wasserturm bildet den letzten großen Baustein in der rundum erneuerten GKT-Anlage. Insgesamt haben die Stadtwerke dort zehn Millionen Euro in die Modernisierung der Kraftwärmekopplung investiert.

17.11.2012
  • Sepp Wais

Tübingen. Der Riesentank und das Großgerät, das man zu seiner Aufstellung brauchte, lockte gestern Vormittag etliche Schaulustige mit ihren Kameras in die Brunnenstraße. Ein vierzig Meter langer Tieflader, der für die 500 Kilometer lange Anfahrt aus Bielefeld zwei Tage brauchte, hatte den Wärmespeicher in der Nacht zuvor nach Tübingen gebracht. Dort ging dann alles ziemlich schnell: Binnen einer Stunde war der 24 Tonnen schwere Tank mit zwei Schwerlastkränen aufgerichtet und bis auf drei Millimeter passgenau auf den vorbereiteten Betonsockel gestellt.

Da steht er nun in Reih und Glied mit drei gleichgroßen Kollegen. Es wird allerdings noch bis zum Frühjahr dauern, bis der neue Tank rundum gedämmt, eingehaust und angeschlossen ist. Aber dann verfügt das Heizkraftwerk über die beträchtliche Speicherkapazität von rund 50.000 Kilowattstunden – in Form von 800 Kubikmetern Wasser, das bei einem Druck von acht Bar bis auf 115 Grad Celsius aufgeheizt wird.

Damit, so freut sich Peter Kaiser, der Chef der Stadtwerke-Abteilung Erzeugung, lässt sich das Heizkraftwerk künftig noch effektiver steuern. Kern der Anlage, die im vergangenen Jahr 55 Millionen Kilowattstunden Wärme und etwa 25 Millionen Kilowattstunden Strom geliefert hat, sind zwei jeweils 4,8 Megawatt starke Gasturbinen, die zum einen Strom und zum anderen nutzbare (Ab-)Wärme produzieren.

Im Winter ist der Wärmebedarf der 94 angeschlossenen Gebäude so groß, dass die Turbinen permanent durchlaufen. Im Sommer hingegen, da weitaus weniger Wärme abgerufen wird, stehen die Maschinen häufig still. Denn allein für die Stromproduktion würde sich deren Betrieb bei den gegenwärtigen Preisen nicht lohnen. Dank der erweiterten Wärmespeicherung können die Turbinen nun auch im Sommer wirksamer eingesetzt werden: Solange nur etwas Wärme, aber kein Strom gebraucht wird, kann der Bedarf mit dem heißen Wasser in den Tanks bis zu 24 Stunden abgedeckt werden. Zwischendurch oder hinterher werden die Speicher wieder aufgeheizt – in den Spitzenzeiten, in denen der Turbinenstrom am meisten benötigt und am besten bezahlt wird.

Diese Optimierung müsste sich laut Kaiser bereits 2013 in der Bilanz des Kraftwerkes niederschlagen. Alles in allem haben die Stadtwerke in den letzten fünf Jahren zehn Millionen Euro in die Modernisierung der Kraft-Wärmekopplung in der Brunnenstraße gesteckt. Mit dem Geld wurden zunächst die alten Dampfleitungen im nördlichen Versorgungsstrang durch Heißwasser-Rohre ersetzt. Danach wurde das Netz in die Innenstadt ausgebaut. Schließlich folgte die technische Aufrüstung des Kraftwerks, die im Frühjahr 2013 abgeschlossen werden soll.

Das Gemeinschaftskraftwerk Tübingen (GKT) wurde 1929 als Fernheizwerk I der Universität errichtet. 1995 beteiligten sich die Stadtwerke mit 50 Prozent an dem bis dahin landeseigenen Kraftwerk, das sie dann gemeinsam mit der Fernwärmegesellschaft Baden-Württemberg betrieben. 2007 übernahm der städtische Versorgungsbetrieb das GKT-Werk komplett in eigene Regie. Es gehört zu den größten Kraftwärmekopplungs-Anlagen (KWK) in Tübingen. Mit dem angeschlossenen Rohrnetz das von der Hepper-Halle in der Weststadt bis zum Sportinstitut in Lustnau reicht, versorgt das Heizkraftwerk die gesamte Tal-Uni und das Tal-Klinikum mit Wärme, und dazu noch etliche städtische und private Gebäude.

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17.11.2012, 12:00 Uhr

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