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Boris Palmer: „Ich bin dann mal weg“

Letzter Arbeitstag des Tübinger OB vor der Elternzeit

Am Freitag ist Boris Palmers vorerst letzter Arbeitstag im Rathaus. Der Oberbürgermeister macht Papa-Pause in Brüssel. Bis Ende Oktober hat nun sein Stellvertreter Michael Lucke in Tübingen das Sagen.

26.08.2010
  • Volker Rekittke

Tübingen. Ein Termin nach dem anderen – die letzte Woche vor der zweimonatigen Elternzeit bedeutete für den Oberbürgermeister Boris Palmer noch einmal Stress pur. Am Wochenende macht sich der Privatmensch Palmer dann auf den Weg nach Brüssel – zu seiner Partnerin Franziska Brantner und der gemeinsamen Tochter.

Brantner ist Grünen-Europaabgeordnete, die in Brüssel ein Büro und eine Wohnung hat. Von hier pendelt die Parlamentarierin ins französische Straßburg und in ihre Wahlkreisbüros in Freiburg und Ludwigshafen. Im Europaparlament zeigte sich Brantner schon mit dem T-Shirt-Aufdruck „Dads are parents too“ – Väter sind auch Eltern.

Das war während einer Abstimmung über den europaweiten Rechtsanspruch auf zwei Väterwochen nach der Geburt, erläutert Palmer – der politisch und persönlich hinter dem Spruch steht: „Ich war dank meiner Partnerin in den ersten Lebensmonaten unserer Tochter voll berufstätig – in diesen zwei Monaten ist es umgekehrt.“

Was er in Brüssel macht? „In bin dann mal weg“, zitiert Boris Palmer Hape Kerkeling. Mehr will er dazu nicht sagen: „Was ich privat mache, behalt’ ich für mich.“ Natürlich interessiere es die Öffentlichkeit, räumt er ein, wenn ein Oberbürgermeister sagt: Ich räum’ für zwei Monate meinen Schreibtisch.

Palmer ist bundesweit einer der ersten Rathaus-Chefs überhaupt, die das machen. Dem Tübinger Regierungspräsidium teilte er seine Pläne mit – zurück kam ein Antwortbrief mit dem Ok: „Ein Formular gibt’s dafür beim RP nicht.“

Bis Palmer Anfang November zurück nach Tübingen kommt, übernimmt der Erste Bürgermeister Michael Lucke. Der leitet in dieser Zeit nicht nur Gemeinderatssitzungen, sondern die gesamte Tübinger Verwaltung. Der Interims-Chef im Rathaus repräsentiert auch, etwa bei der Eröffnung des umbrisch-provenzalischen Marktes. Palmer hat fest vor, sich während der Elternzeit nicht in Tübingen blicken zu lassen. Keine Ausnahmen? Allenfalls „unvorhersehbare Situationen, in denen ein Oberbürgermeister unverzichtbar ist“ – Katastrophen etwa. Und dafür gebe es einige wenige Leute, „die meine Handy-Nummer haben“.

Letzter Arbeitstag des Tübinger OB vor der Elternzeit
Im Jahre 2007 kam Boris Palmer an seinem ersten Arbeitstag mit dem Rad am Tübinger Rathaus an. Heute ist sein vorerst letzter Arbeitstag. Er nimmt eine Eltern-Auszeit - zwei Monate lang ist er in Brüssel.

Vorbehalte, ein Rathaus-Chef könne doch nicht für zwei Monate in Elternzeit gehen, kontert Boris Palmer selbstbewusst: „Mit guter Vorbereitung geht alles.“ Das gelte auch für das derzeit brisanteste Thema – das millionenschwere Sparpaket.

Im vergangenen halben Jahr habe die Verwaltung intensiv an den Kürzungsvorschlägen gearbeitet: „In dieser Zeit hätte ich nicht einfach gehen können.“ Jetzt sei noch genügend Zeit für öffentliche Diskussionen, bevor der Gemeinderat im November Entscheidungen treffen muss: „Dann bin ich wieder an Bord.“ Ebenfalls verschoben wurden einige Aufsichtsratstermine, bei denen Palmer unentbehrlich ist. Wenn er zurückkommt, wird’s also gleich wieder richtig anstrengend.

Eins ist bereits klar: Palmer wird künftig noch häufiger im Zug nach Brüssel sitzen. Nach der Diskussion um die Anmeldung der Tochter in der Kindervilla Alexanderpark entschied das Paar: „Wir werden auf den Kita-Platz verzichten“ – trotz zwischenzeitlicher Änderung der zuvor unsinnigen Anmelderegeln. Das gebiete „die politische Klugheit und die Sorge um das Privatleben“. In Brüssel gebe es beim EU-Parlament schließlich auch eine Kita.

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26.08.2010, 12:00 Uhr

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