Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Drei Generationen

Letzter Leseabend in diesem Jahr lockte nochmal 250 Zuhörer

Sechs Abende lang war das Haus am Nepomuk ein Treffpunkt für Freunde der Literatur und der Musik. Am Donnerstag gingen die diesjährigen Rottenburger Sommerleseabende zu Ende. Zum Finale kamen noch einmal rund 250 Besucher.

22.08.2015
  • Dunja Bernhard

Rottenburg. „Die wahren Abenteuer sind im Kopf – Verreisen Sie mit uns“ war das Motto der sechs Abende. Die literarischen Reisen führten die Zuhörer nach Schweden, in die Mongolei und sogar auf den Rum Doodle, aber auch auf die Schwäbische Alb und in ein Abteil des Eilzugs von Plochingen nach Tübingen. Die Geschichten erzählten von einer Floßfahrt im 19. Jahrhundert auf dem Neckar, einer Kreuzfahrt durch die Karibik im Heute und einem Schiffbruch mit Tiger. Oft brachten die Erzählungen die Zuhörer zum Schmunzeln, manchmal auch zum herzhaften Lachen. Reiseberichte gewährten Einblicke in fremde Kulturen und Sitten, aber auch in existentielle Nöte und menschliche Abgründe.

Ebenso abwechslungsreich wie die Texte war die musikalische Unterhaltung an den Vorleseabenden. Sie reichte von klassischer Querflötenmusik über Volkstümliches mit dem Sextett+ und den Hurglern bis zu dem rockigen Sound des Duos Misc. Der Donnerstagabend hielt noch ein weiteres Genre bereit: klassischer Gesang und Opernmusik. Die neunjährige Amelie Schilling begeisterte die Zuhörer im Duett mit ihrer Gesangslehrerin Victoria Eschenfelder, begleitet von ihrer Mutter Andrea Schilling am Klavier und im Ensemble aus drei Generationen. Zu Mutter und Tochter gesellten sich noch Vater Rainer mit der Gitarre und Opa Georg Grimm am Akkordeon. „Ich war noch niemals in New York“, sang Amelie und das Publikum klatschte mit. Wohin es für die Neunjährige gesanglich gehen kann, zeigte Eschenfelder mit „Die Julischka aus Budapest“ und „Ein Lied geht um die Welt“.

Das war das Stichwort für Sophie Blaumann. Sie las aus Georg Forsters „Reise um die Welt“. Der 17-jährige Deutsche begleitete 1772 seinen Vater Johann Reinhold Forster auf die zweite Weltumseglung des britischen Seefahrers James Cook. Während der Vater die Expedition, die die Existenz eines Südkontinents widerlegen sollte, wissenschaftlich begleitete, zeichnete der Sohn alles. Welche Qualen die Abenteuerer erlitten und wie nah sie dem Tod waren schilderte der Auszug, den Balumann las.

Der leichten und amüsanten Kost ist das von Anne Marie Roussel vorgetragene Buch „Die Bombe is‘ eh im Koffer“ zuzurechnen. Der Autor Achim Lucchesi arbeitete einige Jahre als Luftsicherheitsassistent. In dem unterhaltsamen Roman plaudert aus dem Nähkästchen. Eine vermeintliche Vase in einem Koffer entpuppte sich als Urne mit Omas Asche. Oder ist es eine Bombe? Der Enkel kann gar nicht verstehen, warum um seine Fracht so ein Wirbel gemacht wird. Die Oma sei in ihrem Leben nur einmal hochgegangen, versichert er und fragt verwundert: „Was soll bei diesem Aggregatzustand noch explodieren?“

Schweißtreibende Arbeit für viele Helfer

Dass die sechs Abende so reibungslos abliefen, dafür waren neben Renate Witte vom Förderverein der Stadtbibliothek und Hausherr Ernst Heimes die Jugendlichen Francesco Semeraro, Saikou Suwareh, Raffael Schöne, Marcel Kraut, Luca Nuskas, Denise Love und Michelle Müller verantwortlich. Sie schleppten nicht nur jeden Abend Bühne, Teppich, Beleuchtung und rund 200 Stühle vor das Nepomukhaus und hinterher wieder hinein. Sie waren auch für die Tontechnik zuständig. Nach der schweißtreibenden Arbeit zogen sie die verschwitzten Sachen aus und warfen sich für den Abend in Schale, verriet Heimes.

Der Altersdurchschnitt der Zuhörer über die sechs Tage von wohlwollend geschätzten 55 Jahren wurde am Donnerstag durch ein schönes Ereignis noch angehoben: Sieben Bewohner des Hauses am Neckar waren mit ihren Betreuungsassistentinnen Maria Weber und Hannelore Hermann zum Leseabend gekommen. „Wir sind in einer viertel Stunde zu Fuß herüber gelaufen, erzählte Weber.

Besucher spendeten rund 2000 Euro

Jeden Abend mit dabei war Ekkehard Kaupp. Der unermüdliche Fotograf hielt Künstler, Leser und Publikum in Bildern fest. Von jedem Tag fertigte er eine Collage an. Diese bekamen die Künstler, die alle unentgeltlich auftraten, als Präsent. Der Spendenerlös der Abende, der nach Schätzungen – „Wir haben noch gar nicht gezählt“, sagte Heimes – bei rund 2000 Euro liegen dürfte, geht zu gleichen Teilen an den Förderverein Stadtbibliothek und den Sülchgauer Altertumsverein.

Der Donnerstagabend klang vor dem Napomukhaus mit Musik von Arnold Schäfer und Georg Grimm aus. Einige Besucher blieben noch länger sitzen. Vielleicht ein wenig wehmütig, ob des Endes der geselligen Zeit. Nun muss jeder wieder selber lesen. Genügend Anregungen zum Lesestoff gab es ja.

Letzter Leseabend in diesem Jahr lockte nochmal 250 Zuhörer
Drei Generationen standen beim musikalischen Teil des letzten diesjährigen Sommerleseabends beim Haus am Nepomuk auf der Bühne: Amelie Schelling mit Mutter Andrea, Großvater Georg Grimm und Vater Rainer Schilling (von links). Bild: Bernhard

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.08.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball