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Leukämiekrank in Eliteschule
Blick auf den neuen Campus der Fremdsprachenschule Changzhou. Auf dem Gelände wurde früher wohl Chemieabfall gelagert. Foto: dpa
China: Gebäude auf Chemieabfall-Gelände gebaut - 500 Schüler betroffen

Leukämiekrank in Eliteschule

500 Jugendliche einer chinesischen Schule sind an Krebs und anderen Leiden erkrankt. Die Schule steht auf dem Gelände ehemaliger Chemiefabriken. Die lokalen Behörden versuchen, den Fall zu vertuschen.

21.04.2016
  • FELIX LEE

Changzhou. Chinesen sind Berichte über Umweltskandale gewohnt. Es vergeht kaum ein Monat, an dem nicht irgendwo im Land ein Fall verseuchten Grundwassers, vergifteter Flüsse oder ein Lebensmittelskandal bekannt wird. Wenn es allerdings um Kinder und Jugendliche geht, schlägt die Empörung besonders hohe Wellen.

Nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens CCTV sind in der ostchinesischen Stadt Changzhou in der Nähe dreier ehemaligen Chemieanlagen in den vergangenen Monaten fast 500 Schülerinnen und Schüler zwischen 13 und 15 Jahren erkrankt. Sie litten an Leukämie, Lymphknotenschwellungen und anderen Krankheiten.

Die wahrscheinliche Ursache: eine extrem hohe Konzentration vor allem an Benzol auf dem Schulgelände. Unabhängige Messungen hätten ergeben, dass der Benzolgehalt des Bodens knapp 95 000mal so hoch ist wie der nationale Grenzwert. Auch andere krebserregende Substanzen wurden nachgewiesen.

Die zuständigen Behörden vor Ort bestreiten bislang einen Zusammenhang zwischen den Krankheitsfällen und dem ehemaligen Chemiestandort. Beamte der Provinzregierung von Jiangsu hätten mehrfach Messungen vorgenommen und könnten keine Probleme mit der Bodenqualität feststellen.

Seitdem CCTV am Wochenende über diesen Fall landesweit berichtet hat, ist im chinesischen Internet eine wahre Flut an Protesten ausgebrochen. Die Provinzregierung hat daraufhin angekündigt, dass sie die Gegend nach weiteren Schadstoffen untersuchen werde. Bestimmte Chemikalien und Schwermetalle könnten womöglich übersehen worden sein.

Die Stadt Changzhou liegt rund 170 Kilometer nordwestlich von Shanghai entfernt in einer Region mit ausgesprochen viel Industrie. Die betroffene Schule existiert erst seit dem vergangenen September. Mit der Spezialisierung auf Fremdsprachen und einer Gebühr von umgerechnet rund 1000 Euro pro Semester können sich diese Schule vor allem Kinder wohlhabender Eltern leisten.

Insgeamt 2451 Schüler zählt die Eliteschule derzeit. 641 haben sich seitdem in medizinische Behandlung begeben. 493 wurden von den Ärzten mit Bronchitis, Hauterkrankungen, Schwellungen der Lymphknoten und Leukämie diagnostiziert. Dem CCTV-Bericht zufolge ist in den vergangenen acht Monaten jeder vierte Schüler dieser Schule erkrankt.

CCTV beruft sich zudem auf einen anonymen ehemaligen Mitarbeiter von Changlong, dem Betreiber dieser Chemiefabriken. Der berichtet: Giftige Chemieabfälle seien während des Betriebs laufend auf dem Gelände abgelagert und vergraben worden. "Schon damals haben sich viele Angestellte Hautkrankheiten zugezogen." Changlong ist wegen Umweltverstößen schon einmal geahndet worden. Inzwischen reagiert auch die Zentralregierung in Peking auf diesen Bericht. Das Bildungsministerium hat angekündigt, eigene Untersuchungen vorzunehmen und hat ein Ermittlungsteam in die Region geschickt.

Ganz China leidet unter der jahrzehntelangen Vernachlässigung der Umwelt. Erst vor einigen Wochen gab das chinesische Landwirtschaftsministerium bekannt: Mehr als 60 Prozent des Grundwassers sei so stark belastet, das es sich nicht einmal zur Bewässerung der Landwirtschaft eignet. Als Trinkwasser kommt es schon gar nicht infrage.

Von ganzen "Krebsdörfern" ist immer wieder die Rede - Dörfer in der Nähe von Industrieanlagen, in denen sich Krankheiten häufen, die auf chemische Kontamination zurück zu führen sind.

Die chinesische Führung hat zwar schon vor Jahren strenge Umweltauflagen erlassen, die sich mit westlichen Standards durchaus messen lassen. Doch es hapert an der Umsetzung.

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21.04.2016, 06:00 Uhr

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