Horb · Stadtleben

Zahlenzauber mit Kultur- und Shoppingfreuden

Viel Abwechslung trotz Einschränkungen gab es bei der „Kleinen Nacht der Lichter“.

12.10.2020

Von Jochen Stöhr

Fantasievolle Leuchtelemente am Horber Rathaus

Fantasievolle Leuchtelemente am Horber Rathaus

Die „Kleine Nacht der Lichter“ zog am Freitagabend zahlreiche Besucher an die verschiedenen Schauplätze in der Innenstadt und rund um den Marktplatz. Die Stadt Horb und die City-Initiative „Horb Aktiv“ luden zu einer (zeitlich) leicht abgespeckten Version der bisherigen „Langen Nacht der Lichter“. Ob und wie das Ganze in Pandemiezeiten stattfinden solle, war zuvor lange überlegt worden (wir berichteten). Doch die Entscheidung fiel zugunsten der „Einkaufs- und Kulturnacht“ aus, wenn auch diesmal „mit Abstand, kleiner und kürzer“ – so war es auf den Flugblättern zu zu lesen. Das Technische Hilfswerk (THW) hatte die Stadtsilhouette ins rechte Licht gerückt und zum beliebten Fotomotiv gemacht. Andernorts kümmerte sich die Firma Elektro Lachenmaier um Beleuchtung: Markante Gebäude wie das Steinhaus in der Hirschgasse waren in bunten Farben angestrahlt. Kerzen und größere Leuchtelemente tauchten die Horber Gassen in stimmungsvolles Licht.

Musik für jeden Geschmack

Wesentlicher Bestandteil des Abends war das kulturelle Angebot: Die „6. Kulturnacht“ fand in Kooperation mit der Gastronomie an mehreren Schauplätzenstatt und bediente unterschiedliche musikalische Geschmäcker. Auf dem Flößerwasen bot die „Ein-Mann-Band“ Alexander Vees schon vor 19 Uhr einen abwechslungsreichen Mix aus Oldies und aktuellen Charthits. Die Neckarterrasse, die die Gebrüder Bantleon aus ihrem „Fahrbar-Truck“ bewirteten, war zu Beginn schon ungefähr zur Hälfte gefüllt, was sich gegen später noch steigerte.

Auf der anderen Seite des Neckars spielte „Ambience“ in Trio-Besetzung auf dem Bahnhofsvorplatz. „Gleis Süd“-Wirt Carsten Müller mixte die Getränke in einer Holzhütte, die fast ein wenig Weihnachtsmarkts-Atmosphäre verbreitete, während die Besucher an den Stehtischen den funkigen Versionen alter und neuer Hits wie „Castles“ oder „I heard it through the grapevine“ lauschten.

Beim „La Dolce Vita“ rockten vier junge Herren namens „Desert Reception“ auf der sehr gut besuchten Terrasse. Die Band beeindruckte mit einem druckvollen Sound, ausgefeilten Gitarrensoli und Songs von den „Pixies“ bis zu „Pink Floyd“. Leider stabdeb die Musiker unter den Schirmen etwas im Schatten. Beim „Goldenen Adler“ erklangen Schlager und Oldies, während beim Antonie-Leins-Künstler*innenhaus in der Wintergasse Experimentelles in Bild und Ton geboten wurde.

Viel zu sehen gab es, zahlreiche Ausstellungen hatten geöffnet. Malerin und Designerin Rawa Saeed stellte in der Hirschgasse ihr neues Atelier vor und präsentierte ihre Werke, die hauptsächlich von den Farben Schwarz und Weiß geprägt waren. Getränke oder Häppchen konnte Corona-bedingt nicht anbieten. Auch war der Zutritt in die Geschäfte jeweils beschränkt.

Nostalgisches gab es auf dem Marktplatz, wo das Stadtarchiv Originalplakate aus dem Horb der 1980er-Jahre ausgestellte. Direkt nebenan bei der Stadtbücherei war ein Bücherflohmarkt aufgebaut, und bei „Kunst im Rathaus“ konnte zum letzten Mal vor Torschluss die Ausstellung „2020 – ZahlenZauber“ mit Werken von 22 Künstlerinnen und Künstlern besucht werden, was bis eine Stunde vor Schluss immerhin mehr als 20 Personen taten.

Verbindliche Datenerfassung

Pflicht war bei jeder Station das Ausfüllen eines Zettels mit den Kontaktinformationen zur Nachverfolgung. Wegen der begrenzten Personenzahlen gab es dafür mehrere Aufführungen über den Abend verteilt. Im Weißen Garten faszinierten Pina Bucci und Dorothee Jakubowski von den „chamaeleon-Theaterwelten“ mit ihrer Performance „Träume vom Fliegen, so wachsen dir Flügel“. Jürgen Sesterheim begleitete die beiden Leuchtwesen musikalisch am Saxofon und der Percussion. Die Sitzplätze waren hier sogar nummeriert. Eine ganz besondere Stimmung fand man in der Stiftskirche bei Dr. Andreas Weils Orgelspiel. Auf dem Programm standen neben Werken von Bach, Schumann und Buxtehude auch Improvisationen über ein gegebenes Thema. Beim eigens für diesen Abend erstellten „ZahlenZauberQuiz“ konnten die Besucher selbst aktiv werden: An zehn Stationen galt es, die Augen offen zu halten und Zahlen zu notieren. So wurde unter anderem gefragt, wie viele Steinstufen vom Eingang des Kulturhauses Kloster zum Marktplatz führen und wie viele Kerzen der große Leuchter im Schaufenster des Museums Jüdischer Betsaal hat. Bei dem Gewinnspiel verlost „Horb Aktiv“ City-Gutscheine zwischen 10 und 50 Euro, vorausgesetzt wenigstens die Hälfte der Antworten stimmt. Horbs Kultur-Chefin Agnes Maier sagte, sie hoffe auf eine rege Beteiligung.

Die Einzelhandelsgeschäfte lockten mit Geschenken und Rabattaktionen. Bei „Neckar Sport“ gab es eine Jahresmitgliedschaft bei „Mrs. Sporty“ oder ein Trainingsshirt zu gewinnen. Bei „Schmuck am Aischbach“ wurden Leuchtstäbchen an die Kunden verteilt. Die Resonanz wurde dort als sehr positiv beschrieben. Zwar durften nur immer drei Leute gleichzeitig in den Laden, doch das Interesse und die lockere Freitagabends-Stimmung der Menschen seien toll. Einige nutzten dort und anderswo die Gelegenheit, sich zu später Stunde noch beraten zu lassen oder noch einen neuen Haarschnitt zu bekommen.

Vor dem dm-Markt konnten Kunden ihre gekauften Produkte kostenlos gravieren lassen. Um 22 Uhr wurden die Türen wieder geschlossen und nach und nach die Stecker gezogen. Musikalisch gab es noch die eine oder andere Zugabe, auch aufgrund der zu späterer Stunde immer besser besuchten Gastronomie. So hatten etwa Carsten Müller und sein Team zu vorgerückter Stunde deutlich mehr zu tun als zu Beginn. Die geöffnete Außengastronomie in Kombination mit herbstlich-milden Temperaturen und der musikalischen Klasse der Bands schien sich also auszuzahlen.

Fantastische Lichtwesen waren im Weißen Garten zu finden. Bilder: Karl-Heinz Kuball

Fantastische Lichtwesen waren im Weißen Garten zu finden. Bilder: Karl-Heinz Kuball

Die Inselspitze war zunächst gut, später sehr gut besucht.

Die Inselspitze war zunächst gut, später sehr gut besucht.

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Erstellt:
12.10.2020, 01:00 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 36sec
zuletzt aktualisiert: 12.10.2020, 01:00 Uhr

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