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Endlich 40: Waldhäuser-Ost feiert sein Schwabenalter

Liebe auf den zweiten Blick

Waldhäuser-Ost ist ein Stadtteil für den zweiten Blick und ein Ort, der sich immer noch erfinden muss. Das war am Rande des Stadtteilfests zu hören.

21.07.2012
  • Mario Beisswenger

Tübingen. „So was braucht der Platz eigentlich mehr“: Johannes Bleek vom Vorstand des Stadtteiltreffs WHO schaut mit Freude über die Fläche zwischen Einkaufszentrum und Hallenbad Nord. Gestern Nachmittag reihte sich dort Stand an Stand. Suppe köchelte, Flohmarkt-Sachen stapelten sich, Mutige türmten Getränkekisten auf, andere fütterten einen Riesen mit Tennisbällen, dazwischen zog Jörg Moosmann von der Walddorfschule mit seiner Ziegenherde durch die Menge.

So wünscht sich Bleek seinen Stadtteil. Ein Ort der Integration, wo sich die Milieus zwanglos treffen. So war er von Stadtplanern schon vor 40 Jahren angedacht. Vollmundig wurde damals verkündet: „Tübingens chronischer Wohnungsnot wird mit dem Projekt wirkungsvoll abgeholfen.“ Jahre später kamen dann die Bedenken. Landesbedienstete, Studenten und Mieter von Sozialwohnungen würden sich gerade nicht mischen.

In Waldhäuser-Ost wäre die Begegnung aber eigentlich möglich, beharrt Bleek. Wenn, ja, wenn es gelänge, das Zentrum zu beleben. Die Aktivisten des Stadtteilforums, vom Arbeitskreis Kinder und Jugendliche, Kirche und Schulen versuchen das. Aber so lebendig wie bei der Feier des 40-jährigen Bestehens sei es im Zentrum des Stadtteils selten.

„Wir sind froh, dass jetzt öfter ein Eiswagen vorbeikommt“, sagt bescheiden Bernd-Rüdiger Paul, Ortsbeirat und auch im Stadtteiltreff engagiert. Das Problem sei, dass die Laden-Passage im schlechtesten Sinne „altmodisch geworden ist“. Etwas bewegen werde sich da erst, wenn dieses Zentrum modernisiert werde.

Das sei ein eigentümlicher Wunsch in dem Teil Tübingens, „in dem damals die Moderne realisiert wurde“, wie OB Boris Palmer in seinem Grußwort sagte. Die Moderne müsse aber abgewandelt werden. Allein schon, wie Palmer einflocht, weil es den Stadtetat sprenge, ständig bis zu 40 Meter überspannende Fußgänger-Brücken zu unterhalten, die über mehr als autobahnbreite Straßen führen.

Anne Kreim, FDP-Stadträtin und doppelt engagiert als Hausverwalterin des Einkaufszentrums und Vorstand des Stadtteiltreffs, setzt darauf, dass noch diesen Herbst ein Schritt hin zur Belebung des Zentrums getan wird: „Man erwartet, dass sich was tut.“ Es ist von mehreren interessierten Investoren die Rede, von denen einer das bisherige Konstrukt von 17 Einzelbesitzern ablösen könnte. Es sollte ein Investor sein, der sich um die Bedürfnisse der Bewohner von WHO kümmert, wünscht sich Kreim.

Denn die entwickeln durchaus Leidenschaft für ihren Stadtteil – wenn sie auch erst im zweiten Anlauf kommt. Bleek, der schon seit 40 Jahren auf der Höhe wohnt, wundert sich nach jeder langen Abwesenheit, wenn er die Skyline der Hochhäuser sieht, warum er sich so wohlfühlt auf WHO. Wenn er dann wieder da ist und zwischen den Bäumen spaziert, sage er sich dann aber doch: „WHO ist es.“

Markus Stahlberg, der zusammen mit seinen beiden Söhnen Neal und Lasse durch Rad-Geschicklichkeits-Fahren seine Mitbewohner unterhielt, kennt die Liebe zum Stadtteil auf den zweiten Blick. „Es gibt optisch nicht viel her, aber es ist Weltklasse. Ich kenn nirgendwo etwas Besseres.“ Er hört gar nicht mehr auf, wenn er auf die vielen Vorzüge hinweist. Ein eigenes Hallenbad, Kinder könnten gefahrlos in den Kindergarten, ringsum sei Natur. Die schätzt der frühere Deutsche Meister im Radtrial genau so wie die Vielzahl von Mauern und Treppen. Es gebe auf WHO sogar eine absolute Rarität für Tübingen. „Man kann einfach so mit seinem Auto am Straßenrand parken.“

Michael Schmid, D-Jugend-Kicker beim Stadtteil-Sportverein SSC, findet WHO, nachdem jüngst der Sportplatz erweitert wurde, fast perfekt. Ihn stören nicht mal die Hochhäuser. „Alles ist da – außer einem Döner-Laden. Dafür haben wir einen Thailänder.“

Liebe auf den zweiten Blick
Mit Wurfriese, Märchenquiz oder Luftballonstart (in der Bildmitte in der roten Regenjacke OB Boris Palmer neben Malte Boven, Jugendsprecher des Sportvereins SSC) feierten der Stadtteiltreff und viele Initiativen 40 Jahre Waldhäuser-Ost. Bild: Beisswenger

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21.07.2012, 12:00 Uhr

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