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Lieber erhitzen als richtig kochen
Immer häufiger: der schnelle Griff für die schnelle Küche. Foto: dpa
Ernährung

Lieber erhitzen als richtig kochen

Die Deutschen stehen auf Fleisch und Pasta, sie wollen lecker und gesund essen. Sie stehen auch gerne in der Küche, aber zum frisch Zubereiten fehlt ihnen die Zeit. Der Trend geht hin zur Tiefkühlkost.

04.01.2017
  • DPA

Berlin. Genau 75 Prozent der Deutschen in den alten und in den neuen Bundesländern kochen gerne. „Wir haben die Einheit im Kochen erreicht!“, ruft Gesundheitsminister Christian Schmidt (CSU). „Ich finde das ist eine Erwähnung wert!“ Das Wort „Kochen“ könnte allerdings in die Irre führen. „Erhitzen“ wäre genauer. Denn 55 Prozent der Deutschen wollen das Essen schnell zubereiten. Und 41 Prozent geben an, sie äßen gerne Fertiggerichte, vor einem Jahr waren es nur 32 Prozent.

Zum zweiten Mal präsentiert der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft seinen Ernährungsreport. Die Umfrage dreht sich um das Essverhalten der Deutschen. Schmidt nennt seine Studie einen „Spiegel unserer Gesellschaft“.

Wie und was isst Deutschland also? Immer noch am liebsten Fleisch (53 Prozent), vor allem Rouladen (8), Schnitzel und Schweinebraten (je 7). Nach Fleisch sind Pastagerichte (38) und Pizza (13 Prozent) am beliebtesten.

„Essen ist weit mehr als eine bloße Nahrungsaufnahme“, sagt Schmidt. „Es gehört zum kulturellen und sozialen Wir-Gefühl, es steht für Heimat und Gesundheit.“ Doch nehmen sich immer weniger Menschen Zeit zum frisch Kochen. Stattdessen wird Fertigkost fertig gemacht (55 Prozent). Begründung: Es geht einfach und schnell.

Das ist auch altersabhängig. Die Umfrage zeigt: Je jünger die Leute sind, desto schneller soll das Essen fertig werden und desto häufiger werden Fertiggerichte gegessen.

„Die Leute haben entweder nicht mehr die Zeit oder sind nicht mehr bereit, so viel Zeit zu investieren“, sagt Antje Gahl, die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Der gesellschaftliche Wandel führe zur wachsenden Beliebtheit von Fertiggerichten. „Ein Fertiggericht muss nicht ungesund sein, es hat meist einen höheren Fett- und Zuckergehalt, aber man muss das im Einzelnen beurteilen.“

Speisen selbst zuzubereiten, das werde mehr und mehr verdrängt, sagt Gahl. Oder es werde aufs Wochenende verlagert. Dennoch sagen die meisten Deutschen, sie kochten gerne. „Das ist ein gewisser Widerspruch“, sagt Manfred Güllner, der Chef des Umfrageinstituts Forsa. „Man muss gucken, wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt.“

Also alles Tütensuppe und Tiefkühlpizza? Nicht in allen Altersklassen. Gerade die 14- bis 18-Jährigen stehen am liebsten am Herd. Schmidt: „Diese Begeisterung gilt es, mit Schulküchen und systematischen Unterrichtskonzepten aufzugreifen.“

Die älteren Deutschen achten angeblich beim Einkauf mehr auf den Geschmack als auf den Preis. Sie nehmen Essen lieber mit ins Büro als in die Kantine zu gehen. Und sie wünschen sich bessere Bedingungen in der Tierhaltung.

Er selbst koche auch sehr gerne, sagt Schmidt, aber eher selten. „Den Möglichkeiten geschuldet, bin ich eher auf Seiten der Verbraucher als auf der der Produzenten.“ Aber Tim Mälzer sei mit ihm zufrieden. „Von meiner Frau ganz zu schweigen.“

Der CSU-Politiker hatte zuletzt eher mit Reizthemen Schlagzeilen produziert. So will er Fleischbezeichnungen für vegetarische und vegane Lebensmittel verbieten. „Vegetarisches Schnitzel“ oder „vegane Currywurst“ findet er „komplett irreführend“. Nico Pointner, dpa

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04.01.2017, 06:00 Uhr

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