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Lieder im Wohnzimmer für ein ausgewähltes Publikum
Thomas Kaczerowski (stehend) und Tim Inteeworn von Drei Sekunden Island spielen ein Sofar-Konzert in einer Essener Wohnung. Foto: Maja Hitij/dpa
Internet-Community vernetzt weltweit Musiker und Zuhörer, die es intim und hip mögen

Lieder im Wohnzimmer für ein ausgewähltes Publikum

Kurzfristig anberaumte Privatkonzerte in der WG gab s schon früher. Jetzt werden sie übers Internet vermittelt. Die Plattform nennt sich Sofar Sounds.

25.04.2016
  • DPA/CLI

Essen. Wer den Klängen in einem Treppenhaus in der Essener Innenstadt auf den Grund gehen will, muss durch die Tür einer WG - und an Inga Roloff vorbei. Die Studentin hat eine "Gästeliste", auf der sie jeden Neuankömmling abhakt. Dann heißt es "Schuhe aus" - und ab ins Wohnzimmer, wo auf dem Boden schon 40 Leute zwischen 20 und 30 Jahren dicht an dicht sitzen.

Andächtig lauschen sie dem zart gehauchten Deutsch-Pop der Band Drei Sekunden Island. Das Duo tritt zwischen Couchgarnitur und Zimmerpflanzen auf, denn dies ist ein "Sofar-Sounds"-Konzert und "Sofar" steht für "Songs from a room" - Lieder aus einem Zimmer. "Intime Konzerte auf der ganzen Welt" verspricht die Internet-Community, die sich als wachsendes globales Netz von Künstlern und Musikliebhabern versteht und eigenen Angaben zufolge jeden Monat in 242 Städten Konzerte vermittelt - von Aalborg bis Zürich. In Deutschland gehören neben Essen etwa Mainz, Köln und Berlin dazu.

Wer ein Sofar-Konzert besuchen möchte, muss sich auf der Online-Plattform registrieren. Mit Glück gehört er zu den Auserwählten, die einen Tag zuvor erfahren, wo und wann genau das Konzert stattfindet. Wer spielt, bleibt bis zuletzt geheim. Auch potenzielle Gastgeber können sich über Sofar melden. Zu solchen Events eignen sich nicht nur Wohnzimmer. In Essen wurde auch schon im Showroom eines Möbelherstellers, in Galerien und Cafés gespielt. Aber die heimischen vier Wände als Bühne zur Verfügung zu stellen, liegt offenbar im Trend. Den Abend mit Drei Sekunden Island hat die 24-jährige Inga Roloff organisiert. Später treten im WG-Zimmer noch Juri und die Neuseeländer Joseph and Maia auf.

"Bei Sofar steht die intime Atmosphäre und der Respekt gegenüber Künstler und Musik im Fokus", erklärt sie. Der Eintritt ist frei. Aber "am Ende geht der Hut für die Musiker rum", sagt Roloff. Organisatoren, Künstlern und Zuhörern gehe es schlicht darum, Musik in einem respektvollen Rahmen zu genießen, statt sie als bloßes Hintergrundrauschen in der Kneipe abzutun.

"Wir erhoffen uns natürlich auch ein schönes Video", sagen Thomas Kaczerowski und Tim Inteeworn von Drei Sekunden Island. Denn Sofar garantiert Konzert-Mitschnitte, die später auf der Online-Plattform Youtube zu sehen sind. Die Videos werden hundert- bis tausendfach geklickt, die intime Atmosphäre verbreitet sich virtuell weltweit.

Wenn die Künstler allerdings bekannter werden, könnte ihnen die Privatbühne zu klein werden, räumt Pascal Zampa ein. "Sind Künstler erfolgreich, kommt irgendwann der Punkt, an dem das Verlangen nach mehr Kapital größer wird", sagt der Dozent für Eventmanagement an der Northern Business School Hamburg. Doch die Sofar-Besucher wollen von eben solchen größeren Happenings weg, meint eine Zuhörerin in Essen: "Das hier ist wie ein Couchsurfing-Event. Man lernt nette Leute in gemütlicher Runde kennen. Beim Konzert in der Masse zu stehen und eigentlich nichts mitzukriegen, das ist nervig."

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25.04.2016, 06:00 Uhr

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