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Philipp Poisel

Liedermacher im gestrichenen Halbdunkel

Philipp Poisel hatte sich zuletzt rar gemacht. Zum Auftakt des Aalener Jazzfests präsentierte er etliche seiner Lieder überzeugend im Unplugged-Format.

09.11.2015
  • UDO EBERL

Aalen Nach Seerosen-Jonglade und Film-Abenteuern zurück im halbdunklen Rampenlicht: Philipp Poisel zeigte sich als artfremder Opener des 24. Aalener Jazzfests. Und als Wiederverwerter in eigener Sache. Statt E-Gitarren-Lust wählte für die bis zum Anschlag gefüllte Stadthalle ein geradezu kammermusikalisches Format für sein Programm. Mit intimer Intensität große Emotionen erzeugen, das ist das Ziel. Die vielgelockte Sängerin und Violinistin Phela hat es mit Mut zur Romantik vorgemacht.

Poisel trägt noch dicker auf, was mutmaßlich nicht daran liegt, dass sein Hemd sichtbar "kleiner geworden ist". Mit drei Streicherinnen im Rücken und dem musikalischen Dauerbegleitkumpel Florian Ostertag an der Seite geht's mitten hinein in die bewährte Gefühlsbaustelle von "Ich & Du" bis "Halt mich". Wohltuend sparsam instrumentiert, aber häufig zu brav arrangiert.

Jazzige Phrasierungen - Fehlanzeige. Dafür lässt Poisel über einem nahezu durchsichtigen Klangfeld seine Stimme wirken. Bei "Froh dabei zu sein", seinem Lebensbejaher, geht er sogar das Wagnis ein, gänzlich auf die Tonanlage zu verzichten. Ja, er ist gut bei Stimme, die Gitarre klingt dagegen dünn und eher rudimentär. Am Piano spielt Poisel "Wie soll ein Mensch das ertragen" getragen, gemeinsam mit Ostertag wird vierhändig nachgelegt.

Fast wie ein Befreiungsschlag für alle Mitklatscher wirkt "Zünde alle Feuer" und die etwas andere Zugabe: Als gäb's kein Morgen mehr wird Ostertag als DJ Flo am Pult aktiv. Bass-Gepumpe, Club-Feeling, allerdings eher in "Housemannskost"-Variante. Nach all der Stille ist auch diese Techno-Petitesse willkommen. Und ein leises, passendes Ende findet dieser Abend der gemischten Gefühle ganz ohne neue Lieder dann doch noch: Mit glückseligen Mitsing-Nummern wie "Liebe meines Lebens" und "Ich will nur".

Liedermacher im gestrichenen Halbdunkel
Artfremd: Philipp Poisel eröffnet die 24. Aalener Jazztage. Foto: Udo Eberl

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09.11.2015, 12:00 Uhr

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