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Todbringende Freunde

Lindenhof hat mit „Empfänger unbekannt“ Premiere

Ein Stück über die Anfänge der NS-Zeit, eine Inszenierung mit den Mitteln des Schauspiels, des Tanzes und der Musik eröffnet den Kulturherbst in der Mössinger Pausa – und die Spielzeit des Theaters Lindenhof. „Empfänger unbekannt“ hat heute in einer Woche Premiere (siehe auch die erste Steinlachseite).

05.09.2012

Mössingen. Die Melchinger waren schon versucht, den diesjährigen Mössinger Kulturherbst unter ein thematisches Motto zu stellen – viele Stücke beschäftigen sich mit dem Thema Widerstand / Nationalsozialismus. Sie haben’s dann doch gelassen, weil das wie immer bunte Potpourri in der Pausahalle unter keinen Hut zu bringen ist und dies auch gar nicht sein soll.

Das Stück zum Pausa-Auftakt, der Spielzeitstart der Melchinger, verdankt sich aber diesem Themenschwerpunkt – einerseits. Andererseits suchte man auch nach einer Möglichkeit, die bereits beim letzten Kulturherbst mit ihrer Compagnie und dem Tanzstück „Meine Haut – mein Meter“ gastierende Katja Büchtemann (Tanzstudio Danzon) wieder mit ins Boot zu holen.

Gespielt wird nun das auf deutschen Bühnen öfters gezeigte „Empfänger unbekannt“, im Original ein Briefroman, der vor seiner Entdeckung für die Bühnen als Hörspiel reüssierte. Geschrieben wurde der Stoff von der Amerikanerin Kathrine Kressmann Taylor – und zwar im Jahre 1938, was dieses Stück zu einer hellsichtigen Gegenwartsanalyse einer Zeit macht, in der manche Hitler noch für ein nicht so gravierendes Problem hielten (oder im Nachhinein sowieso nichts gewusst haben wollten).

Die Story sollte hier aus Gründen der Spannung nicht gänzlich ausgeplaudert werden, der Ansatz: Der jüdische Geschäftsmann Max und sein nach NS-Definition „arischer“ Compagnon Martin führen in San Francisco eine Kunstgalerie. Martin kehrt 1932 wieder nach München zurück, wird Anhänger der Nazis, was zu Konflikten der beiden führt. Gravierend werden diese, als Max Martin bittet, sich für seine in Deutschland lebende Schwester Griselle – einst mit Martin liiert – einzusetzen. . .

Eine Geschichte über den Wertewandel einer Gesellschaft, den Bruch einer Freundschaft, wie Lindenhof-Mit-Intendant und Schauspieler Stefan Hallmayer zusammenfasst. Besonders interessant sei, dass sie gerade die Anfänge des Nationalsozialismus schildere. Im Roman ist Griselle eine junge, aufstrebende Schauspielerin. Die Melchinger, die sich ansonsten an die Textfassung halten, wandeln sie zu einer jungen, aufstrebenden Tänzerin. Und hier kommen die Büchtemanns ins Spiel, den Plural muss man verwenden, denn: Leah Büchtemann, eine tatsächlich perspektivreiche Tänzerin im besten Abialter spielt und tanzt Griselle. Mutter Katja wiederum choreographiert.

Regie des gesamten Schauspiels führt Oliver Moumouris, der aber „weder von der Mentalität noch vom Interesse her“ der hierarchisch führende Oberspielleiter sein will, sondern sich gerne von den Angeboten der Tanzsparte wie auch der teils schon vorher komponierten Musik von Jugendmusikschulleiter Wolfgang Schnitzer anregen lässt. Ein mit etwas Tanz und Musik aufbereitetes Schauspiel, ein heruntererzählter Roman, der den Zuschauer jederzeit sicher an der Hand nimmt – das wird es nicht werden, wie Moumouris bei der gestrigen Pressekonferenz zu verstehen gab.

Der Regisseur ist auch als Schauspieler dabei – neben Leah Büchtemann, Stefan Hallmayer und Wolfgang Schnitzer, der wiederum als Musikmeister seinen Laptop dabei hat, elektronische Musik, Beats, aber beispielsweise auch Bruckner beisteuert. Aus feuerpolizeilichen Gründen können sie nicht alles, was sie gerne würden, aber hoffentlich genug auf der Bühne, die diesmal am hinteren Ende der Bogenhalle steht. 220 Zuschauer werden vor ihr Platz finden.

Peter Ertle

Archivbilder: Sommer (l), Franke

Info: Premiere am Mittwoch, 12. September um 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen am 18. September und am 19., dann mit Publikumsgespräch.

Lindenhof hat mit „Empfänger unbekannt“ Premiere
Choreographie: Katja Büchtemann

Lindenhof hat mit „Empfänger unbekannt“ Premiere
Regie: Oliver Moumouris

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05.09.2012, 12:00 Uhr

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