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Nimmt Herausforderung an

Linke will Landtagswahl zur Abstimmung über Stuttgart 21 machen

Die Tübinger Linke baut auf Bernhard Strasdeit. Sie stellte denn 55-jährigen Kreisrat und Landesgeschäftsführer der Partei als Landtagskandidaten für den Wahlkreis auf (siehe auch ÜBRIGENS).

20.09.2010
  • Renate Angstmann-Koch

Tübingen. „Einen Politikwechsel gibt es nur mit uns“, zeigte sich Bernhard Strasdeit am Freitagabend im Bürgerheim siegesgewiss. „Ich will mit dem politischen Gegner kräftig streiten, aber persönliche Verletzungen vermeiden“, versprach er für den Wahlkampf. Der Rottenburger Stadtrat Emanuel Peter, Lehrer am Kepler-Gymnasium, will ihn als Zweitkandidat unterstützen.

Zu Beginn stimmte der Landessprecher der Linken Bernd Riexinger die Versammlung auf die Landtagswahl ein. „Stuttgart hat es nie geschafft, Weltstadt zu werden. Doch jetzt ist es Protesthauptstadt“, sagte er mit Blick auf die Debatte um S 21. Es sei „einfach Wahnsinn und unverantwortlich, 10 Milliarden Euro zu vergraben“, während in den Kommunen Kindergartenplätze fehlten. „Die Leute haben es satt, nicht gefragt zu werden“, sagte Riexinger. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe einen großen Fehler gemacht, als sie die Landtagswahl im März 2011 zur Abstimmung über Stuttgart 21 erklärte: „Diese Herausforderung nehmen wir an.“

Die Landesregierung verschlafe den sozial-ökologischen Umbau der Wirtschaft: „Sie macht nach der Krise weiter wie vorher. Das ist eine Gefährdung der Zukunft.“ Dagegen sei die Linke „die Garantie dafür, dass soziale Politik gemacht wird“. Wenn die Kommunen kein Geld hätten, sei das „die zweite Seite des Sozialabbaus“, da Ärmere am dringendsten auf öffentliche Daseinsvorsorge angewiesen seien. „Unser zentrales Politikfeld ist die Umverteilung von oben nach unten“, stellte Riexinger klar. Mit der von seiner Partei geforderten Millionärs- und Vermögenssteuer hätte das Land 10 Milliarden Euro mehr in der Kasse. „Die Linke ist ein unbequemer Faktor, aber sie macht seriöse Politik, weil sie sagt, wo das Geld herkommen soll.“

„Die Veränderung herrschender Eigentumsverhältnisse“ sei nach seiner Überzeugung Voraussetzung für eine gerechte und friedliche Gesellschaft, erklärte Bernhard Strasdeit. Die Linke suche Bündnisse mit sozialen Bewegungen und Gewerkschaften. In einer möglichen Landtagsfraktion wolle er eine koordinierende Aufgabe übernehmen.

Als erster Bewerber hatte sich nach der ausgelosten Reihenfolge Stephan Lorent vorgestellt. Der contergangeschädigte 49-Jährige nannte die UN-Behindertenrechtskonvention als sein Leitmotiv: „Eine inklusive Gesellschaft, die alle Menschen nach ihren Talenten fördert, ist nur in einem demokratischen Sozialismus möglich.“ Claudia Haydt (43) charakterisierte Baden-Württemberg auf den Feldern Bildung und Chancengleichheit als Entwicklungsland. Emanuel Peter (58) erklärte, nur als Zweitkandidat zur Verfügung zu stehen. Er kritisierte die Landesregierung dafür, einseitig den Export zu unterstützen. Baden-Württemberg sei ein Lohndumpingland. Sich als Kinderland zu bezeichnen, beruhe bei einer Kinderarmut zwischen 17 und 24 Prozent in den Städten auf „Ausblendung der Wirklichkeit“. Wolfgang Schäfer (51) empfahl sich als „Landtagskandidat der Partei- und Bürgernähe“ und der Visionen. „Jeder, der schon mal Existenzangst hatte, weiß, dass man sie nicht im Studium erlernen kann“, sagte er. Nach einer Fragerunde entschieden sich die Mitglieder jedoch für Bernhard Strasdeit.

Zwei Wahlgänge für die Kür des Landtagskandidaten

Eine Bewerberin und drei Bewerber traten zur Kür des Landtagskandidaten der Linken an. Auf Beschluss der Versammlung gab bereits im zweiten Wahlgang die einfache Mehrheit der Stimmen den Ausschlag.

Im ersten Wahlgang erhielt bei der von Christian Fortmann, Heike Hänsel und Reinhard Czisch geleiteten Versammlung Bernhard Strasdeit 18 Stimmen, Claudia Haydt 11, Stephan Lorent 8 und Wolfgang Schäfer 6.

Der zweite Wahlgang brachte die Entscheidung: Strasdeit kam auf 20 Stimmen, Haydt auf 10, Lorent auf 7 und Schäfer auf 6 Stimmen. Emanuel Peter erhielt als einziger Bewerber um die Zweitkandidatur 34 Stimmen.

Linke will Landtagswahl zur Abstimmung über Stuttgart 21 machen
Heike Hänsel gratulierte dem frisch nominierten Landtagskandidaten Bernhard Strasdeit mit Blumen und einem Protest-T-Shirt gegen Stuttgart 21. Bild: Groebe

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20.09.2010, 12:00 Uhr

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