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Frau der ersten Stunde

Lisa Raisch gibt nach 38 Jahren auf der „Schütte“ das Campen auf

Es war vor drei Wochen ein tränenreicher Abschied, erzählt Campingplatz-Chef Reinhold Kuch. Weil ihr Mann Edgar (88) gesundheitlich nach einem Schlaganfall stark angeschlagen ist, musste die Wahl-Schwenningerin Lisa Raisch (83) nach 38 Jahren das Campen auf der „Schütte“ aufgeben. „Das war unser Platz“, sagt sie mit wehmütigem Blick.

19.08.2015

Von Hause aus stammt Horbs „Rekord-Camperin“ aus Stuttgart. In den 1960er-Jahren fuhren Lisa und Edgar Raisch mit ihren Kindern Frank und Kornelia – wie viele andere in der fortgeschrittenen Nachkriegszeit – zum Zelten nach Italien, wo sie schnell Gefallen am sonnigen und freien Outdoor-Leben fanden. Ein bisschen von diesem freien Leben wollten sie auch in der Landeshauptstadt führen und da lag es nahe, sich einen Wohnwagen zuzulegen. „Doch die Freibäder um Stuttgart herum waren immer so voll und die Bauern sahen es nicht gerne, ihre Wiesen für Menschen mit Wohnwagen zur Verfügung zu stellen“, erinnert sich die rüstige 83-Jährige. Also schaute sich die Familie Raisch nach einer Örtlichkeit um, auf der Camper nicht nur geduldet, sondern auch willkommen waren.

Sie hörten von Heimo Baumer und Walter Kreidler auf Horbs Hausberg, der „Schütte“. Baumer und Kreidler waren in jener Zeit beim Ausreiten auf dem weitläufigen Gelände, das zu großen Teilen der späteren Horber CDU-Stadtrats-Legende Walter Kreidler gehörte, und fassten den Entschluss, auf diesem Areal hoch über der Kernstadt einen Campingplatz zu errichten. Und zwar in nördlicher Fortsetzung des wenige Jahre zuvor von der Stadt initiierten Campingplatz-Projektes. Dieses wurde in der Folge von Heimo Baumer und Walter Kreidler übernommen. Die Familien Raisch und Kienzle waren die Ersten, die davon Wind bekommen hatten und fühlten beim Duo Baumer und Kreidler vor. Die beiden haben sich ungemein gastfreundlich erwiesen und der Familie Raisch war sofort klar, „dass dies unser Platz war“. Einladend groß die Fläche für den Wohnwagen und den Schwarzwald vor der Haustüre. Das war es, was sich Lisa und Egar Raisch immer vorgestellt und gewünscht hatten. „An den Wochenenden sind wir immer in den Schwarzwald gefahren. Das war eine herrliche Zeit“, Lisa Raisch zurück.

Der Platz auf der „Schütte“ war ruhig. „Ja und später kam dann noch das Schwimmbad hinzu, damit hatten wir alles, was wir brauchten.“ Die Familie war mittlerweile nach Schwenningen gezogen und musste sich von der Nachbarschaft immer anhören: „Weshalb geht ihr nicht an den Bodensee?“ Doch die Raischs‘ hatten ihren Platz gefunden. „Und der Wohnwagen war fortan unser Wohnzimmer.“ Seit Edgar Raisch in Rente war, genoss die Familie fast jedes Wochenende auf der „Schütte“ und blieb zwischendurch auch einmal länger. Sie hatte alles, was man zum Leben und Glücklichsein brauchte. Für Edgar Raisch war es auch ein Rückblick in seine Biografie, denn als 18-Jähriger lernte er auf dem Areal des „Reichsarbeitsdienstes“, wo heute der Tennisclub Horb thront, das Exerzieren.

Lisa Raisch hat die ganzen Veränderungen auf der „Schütte“ live miterlebt. Angefangen vom „sehr strengen Herr Baumer“ bis zur Übernahme des Campingplatzes durch dessen Schwiegersohn Reinhold Kuch. Mit dem sei eine andere Zeit gekommen. Kuch hatte als Ex-Manager viele neue Ideen, die er umsetzen wollte – mit dem klaren Ziel, einmal in Sachen Campingplätze in Deutschlands Champions League zu spielen. Die Familie Raisch machte diese Veränderungen mit, zumal sie schnell erkannte, dass der von Reinhold Kuch eingeschlagene Weg auch der richtige sei. Wichtig ist ihr aber auch daran zu erinnern, „dass der Walter Kreidler immer sehr hilfreich war“. So durften sie junge Bäume aus dessen großem Wald-Areal ausgraben und auf die „Schütte“ verpflanzen.

Wichtig war es dem Ehepaar Raisch, dass Camper, die auch dort hin passen, an ihrem alten Platz eine neue Bleibe finden. Mit Hilde und Ernst Sass zogen Nachfolger ein, die wie sie zum Campingplatz „Schütte-Hof“ passen. Kein Wunder, zählen sie doch auch zu den Camper-Urgesteinen auf dem Horber Hausberg. Campingplatz-Betreiber Reinhold Kuch wird „seine“ Lisa vermissen. „Sie war immer freundlich und hatte stets ein Lächeln auf den Lippen. Und für ein Schwätzle war sie auch immer zu haben.“ Grund zum Schwätzen dürfte es spätestens in zwei Jahren geben, wenn der Campingplatz den Eintritt ins Schwabenalter und Kuch seine 15-jährige „Oberhoheit“ auf dem Platz feiert. Selbstverständlich gehören Lisa und Edgar Raisch dann zu den Ehrengästen. Willy Bernhardt

Lisa Raisch gibt nach 38 Jahren auf der „Schütte“ das Campen auf
Der allererste Vertrag, den vor knapp 40 Jahren die damaligen Campingplatz-Chefs Heimo Baumer und Walter Kreidler mit Lisa und Edgar Raisch geschlossen hatten.

Lisa Raisch gibt nach 38 Jahren auf der „Schütte“ das Campen auf
Stadtmarketing-Chef Martin Scherer (links) übergab Horbs ältester Camperin Lisa Raisch gestern ein Abschiedsgeschenk und gemeinsam mit Campingplatz-Betreiber Reinhold Kuch (rechts) freuen sich alle schon darauf, wenn der größte Campingplatz im Landkreis Freudenstadt in zwei Jahren den Eintritt ins „Schwaben-Alter“ in großem Stile feiern will. Klar, dass sie alle dann dabei sein wollen. Bilder: wib

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19.08.2015, 12:00 Uhr

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