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Die Tübinger Feuerwehr stellte sich und ihre zahlreichen Aufgabengebiete vor

Löschen, Sägen, Flicken, Üben

Wie sieht es im Inneren eines Feuerwehrfahrzeugs aus? Was passiert mit im Einsatz gerissenen Schläuchen? Und wie benutzt man eigentlich einen Feuerlöscher? Antworten auf diese Fragen fanden Tausende von Besuchern, die gestern zum Tag der offenen Tür bei der Tübinger Feuerwehr kamen.

14.06.2015
  • Fabian Renz

Tübingen.Es ist kurz vor zwölf Uhr am Mittag, in der prallen Mittagssonne, als plötzlich ein knallorangenes Feuerwehrauto mit schriller Sirene durch die gesperrte Kelternstraße fährt. Eltern schnappen sich ihre Kinder oder anders herum – und rennen hinterher.

Da sie alle zum Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte gekommen sind, wissen sie gleich: Das ist nur eine Übung. Vor den Augen von rund 400 Zuschauern – mehr als die Hälfte davon Kinder – springen nun die Feuerwehrleute aus dem Wagen, es werden Anweisungen gegeben, Schläuche ausgerollt, eine Leiter an einer Hauswand aufgestellt. Die Kinder schauen gebannt auf den brennenden Holzstapel mitten auf der Straße, als sich ein Schwall von schaumigem Wasser darüber ergießt und das Feuer erlischt. Lauter Applaus rundherum.

Diese Szene war nur eine von zahlreichen Einblicken in die eigene Arbeit, die die Tübinger Feuerwehr gestern in der Kelternstraße gab. Die Besucher konnte dort das Feuerwehrhaus besichtigen und die Fahrzeuge. Sie konnten beim Feuerlöschertraining mitmachen oder zuschauen, wie ein Unfallauto zerschnitten wurde. Dazu gab es Kinderprogramm, Brandmelder-Einweisungen, Musik und Rote Wurst.

„Uns ist es wichtig, ein breites Angebot zu machen, damit sich möglichst viele angesprochen fühlen“, sagte Martin Gaißer, der Kommandant der Freiwilligen-Abteilung Stadtmitte, die das Fest alle zwei Jahre ausrichtet. Tatsächlich fanden sich neben den unzähligen Kindern und ihren Eltern auch Ältere und Jugendliche unter den Besuchern. „Uns geht es an diesem Tag immer auch um Nachwuchswerbung“, fügte Gaißer noch hinzu. „Darum gehört auch ein Großteil des Platzes der Jugendfeuerwehr.“

Am zehnten Geburtstag zur Jugendfeuerwehr

Dort hatten Leiter Armin Raab und seine Jugendlichen einen Spieleparcours eingerichtet. Besonders beliebt war bei den Kleinen alles, was mit Wasser zu tun hatte. Da gab es zum einen zwei kleine Holzhäuser, deren Fenster zielsicher getroffen werden mussten, und zum anderen eine Rampe, auf der man mit Hilfe des Wasserstrahls einen Ball hochbugsieren sollte.

„Den Kindern macht das riesig Spaß“, sagte Raab und erzählte, wie wichtig es für die Jugendfeuerwehr ist, sich hier zu präsentieren: Nachdem man zwischenzeitlich auch mal 30 Mitglieder hatte, sind es derzeit 18. Nach dem Tag der offenen Tür gebe es immer wieder Anfragen von Kindern und Jugendlichen – der Jugendfeuerwehr können schon Zehnjährige beitreten.

Auf Infotafeln hing aus, was dort so gemacht wird: Übungen, Wettkämpfe, Ausflüge. „Bei uns lernen die Jugendlichen anderen zu helfen, sie lernen früh die Technik kennen und es gibt ein gutes Freizeitprogramm“, zählte Raab auf. Der 15-jährige Tobias Schimanski nickte bestätigend. „Man lernt hier immer was Neues, man lernt Freunde kennen und geht zum Beispiel zusammen ins Stadion.“ Bei der Feuerwehr ist er, seit er zehn ist: „Ich wollte schon immer Feuerwehrmann werden. An meinem zehnten Geburtstag bin ich dann direkt hingegangen und habe mich angemeldet.“

Welche Faszination dieser Beruf beziehungsweise dieses Hobby hat, und wie viel Arbeit auch dahintersteckt, das zeigten die vielen Vorführungen beim Tag der offenen Tür: Als die Feuerwehrleute auf der Kelternstraße einen Kleinwagen zerschnitten, um einen eingeklemmten Insassen zu befreien, staunten Kinder und Eltern gleichermaßen. Ein spezielles Messer schnitt durch das Glas wie durch Butter, eine Zange trennte von jetzt auf gleich die Autotüren ab. „Das ist voll cool“, hörte man vor allem die Jungs immer wieder sagen. In Führungen durch das Feuerwehrhaus zeigten hauptamtliche Feuerwehrleute, wie viel Arbeit der Beruf auch neben den Einsätzen macht: 20 000 Schläuche aus dem ganzen Kreis Tübingen werden dort jährlich gereinigt, auf Dichtigkeit geprüft und gegebenenfalls geflickt. Ebenfalls 20 000 Atemschutzmasken müssen jährlich auf ihre Tauglichkeit überprüft werden.

Zur Übung im Dunkeln durch einen Käfig robben

Besonders lohnend war auch der Abstieg aus der prallen Sonne in den fensterlosen Raum der „Atemschutzstrecke“. Armin Raab führte dort vor, wie Feuerwehrleute in voller Montur einmal jährlich durch einen Käfig mit engen Gängen robben. Bei einer echten Übung sind die Bedingungen allerdings erschwert: Dann müssen die Feuerwehrmänner und -frauen vorher noch Fitnessübungen machen. Und beim Gang durch den Käfig ist der Raum voller Rauch – und es herrscht völlige Dunkelheit.

Löschen, Sägen, Flicken, Üben
Wasser marsch! Bei der Jugendfeuerwehr probierten sich die Kleinsten am Tag der offenen Tür auch schon selbst am Wasserschlauch. Bild: Metz

Neben den 90 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr beherbergt die Wache Stadtmitte auch 23 hauptberufliche Feuerwehrleute. Die stellten sich beim gestrigen Tag der offenen Tür zum ersten Mal vor. Sechs von ihnen befinden sich tagsüber in der Wache und gehören so dem ersten Löschzug an. Thomas Löhr, der für Ausbildung und Technik zuständig ist, sagte gestern, dass an diesem Dienstag lang ersehnte Bauarbeiten beginnen sollen: Im Feuerwehrhaus entsteht ein „Sozialbereich“ mit Ruheräumen, Betten und Duschen, so dass künftig auch nachts mindestens zwei Feuerwehrleute Bereitschaft haben können. „Die stellen sicher, dass für das erste Fahrzeug ein Gruppenführer und ein Maschinist auf jeden Fall da sind“, erklärte Löhr. Im September sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

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14.06.2015, 12:00 Uhr

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