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Lotto-Chef fordert mehr Kontrolle
Noch laufen die Geschäfte der Toto-Lotto GmbH im Land, aber es gibt Probleme. Foto: dltb becker bredel
Glücksspiel

Lotto-Chef fordert mehr Kontrolle

Toto-Lotto-Geschäftsführer Georg Wacker klagt über das aggressive Vorgehen illegaler Anbieter. Er dringt auf eine stärkere Aufsicht, ist aber gegen eine nationale Lösung.

29.03.2018
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart. Der Geschäftsführer der staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg, Georg Wacker, fordert angesichts des Booms illegaler Online-Angebote eine „Stärkung und Bündelung der Glücksspielaufsicht“. Danach könnte ein Bundesland die Federführung für alle Länder übernehmen. In Baden-Württemberg ist das Regierungspräsidium Karlsruhe zuständig, die Aufsicht umfasst keine zehn Personen. Dänemark mit halb so vielen Einwohnern wie Baden-Württemberg leiste sich 80 Aufseher. „Wer Gesetze erlässt, muss dafür sorgen, dass diese auch eingehalten werden“, sieht Wacker die Bundesländer in der Pflicht. Eine Bundesaufsicht lehnt der Lotto-Chef ab. „Das wäre ein weiterer Sargnagel für den Föderalismus.“ Erst jüngst hatten sich dagegen Juristen und Suchtforscher für eine Bundesbehörde stark gemacht.

Gefährliches Geschäftsmodell

Dass Wacker nun Alarm schlägt, hat zwei Gründe. Zum einen wollen die Ministerpräsidenten bis Sommer einen neuen Glücksspielstaatsvertrag aushandeln. Zum anderen erlebt der Markt eine Zeitenwende: 2017 haben illegale Anbieter in Deutschland mit 79 Millionen Euro erstmals mehr Geld in die Werbung für Lotterie-Wetten investiert als alle staatlichen Lotto-Gesellschaften zusammen (78 Millionen Euro). Das Geschäftsmodell der Lotterie-Wetten ist für Toto-Lotto besonders gefährlich, weil die privaten Anbieter suggerieren, dass man am staatlichen Lotto teilnimmt. Damit bedrohen sie das Kerngeschäft. Die Bundesländer haben mit ihren Lotterien 2017 einen Gesamtumsatz von sieben Milliarden Euro gemacht; illegale Anbieter kamen mit ihren „schwarzen Lotterien“ auf rund 0,5 Milliarden Euro.

Es ist nicht Wackers einzige Sorge. „Wir haben es mit einem wachsenden Markt zu tun, davon profitieren wir staatlichen Anbieter aber nicht.“ Wenn die Länder den illegalen Konkurrenten keine Schranken setzten, drohten Rückgänge bei den Erträgen – mit Folgen für die Allgemeinheit. Denn im Schnitt überweist die Toto-Lotto GmbH dem Land jeden Tag eine Million Euro, teils über die Lottosteuer, teils über Zweckerträge für die Sport- und Kulturförderung. Dagegen behalten illegale Online-Anbieter mit Lizenzen in Malta oder Gibraltar ihre Gewinne für sich, zahlen hierzulande keine Steuern, die Einhaltung des Jugendschutzes ist nicht gewährleistet. „Wir dürfen nicht zulassen, dass im Bereich der Lotterien allein der Kommerz das Sagen hat“, fordert Wacker.

Noch ist die Geschäftsentwicklung stabil, der Umsatz der Toto-Lotto GmbH des Landes lag 2017 bei 933 Millionen Euro. Wichtigste Einnahmequelle ist das klassische Lotto „6 aus 49“. Aber das Geld wird zunehmend mit Online-Casinos verdient – zu denen staatlichen Anbietern der Zugang weitgehend verwehrt ist, während sich Private um Vorschriften nicht scheren. „Die illegalen Anbieter verfolgen eine expansive Marktstrategie.“ Wacker fürchtet sogar, dass die Politik einen Schritt in Richtung Legalisierung der Online-Casinos machen könnte. Ein neuer Glücksspielstaatsvertrag der Bundesländer ist zuletzt im Februar an Schleswig-Holstein gescheitert, das auf eine Liberalisierung dringt. Bei den Sportwetten gibt es bereits ein Lizenz-Modell für 20 private Anbieter. Die Folge: Von den 7,5 Milliarden Euro, die 2017 in Deutschland mit Sportwetten umgesetzt wurden, entfielen nur 200 Millionen Euro auf staatliche Angebote.

3200 Lotto-Annahmestellen gibt es im Südwesten, Tendenz sinkend. Wacker lässt deshalb ein Konzept zum Erhalt der Präsenz in der Fläche erstellen. Partner könnten vermehrt Lebensmittelmärkte und Tankstellen werden, als Standort für Terminals mit eingeschränktem Angebot („Lotto Light“). Auf dem Prüfstand steht die Ende 2016 eingeführte Geo-Lotterie Logeo, die nicht aus den roten Zahlen kommt. Dazu will Wacker, der bis Ende 2017 für die CDU im Landtag saß, dem Aufsichtsrat am 16. April einen Vorschlag machen. Nach rund 100 Tagen im Amt tritt er dann zum ersten Mal als Geschäftsführer vor das Gremium, dem er zuvor selbst angehört hatte.

933 Millionen Euro an Spieleinsätzen verbuchte Lotto Baden-Württemberg 2017. Die Hälfte wurde als Gewinne ausbezahlt. Das Land bekam 357,5 Millionen Steuer und Zweckerträge.

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29.03.2018, 06:00 Uhr

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