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Scheiter heiter

Louise Fiegel ist seit Oktober Mitglied des Deutschen Knigge-Rats

„Scheiter heiter“: Das ist der Satz, der nach dem Gespräch mit Louise Fiegel am stärksten im Gedächtnis haften bleibt. Die 53-jährige Kiebingerin ist Auftrittstrainerin und seit Oktober Mitglied des Deutschen Knigge-Rats.

10.12.2014
  • Hete Henning

Rottenburg. „Unsere Wirkung auf andere Menschen ist zu 90 Prozent nonverbal“, sagt Louise Fiegel. Soll heißen: Entscheidend ist nicht, was man sagt, sondern wie man es sagt. Zum wie gehört aber viel mehr als die Stimme. Die Körpersprache, also zum Beispiel Gestik und Gesichtsausdruck, sowie Haltung und Bewegung sind ausschlaggebend dafür, ob jemand sympathisch und glaubwürdig wirkt oder wie ein aufgeblasener Schwätzer.

Louise Fiegel weiß, wovon sie spricht. Anfang des Jahrtausends, nach über 20 Jahren ausschließlich als Haus- und Ehefrau sowie Mutter dreier Kinder, machte die gebürtige Nordrhein-Westfälin eine Ausbildung zur Imageberaterin und lernte Neuro-Linguistisches Programmieren (NLP).

NLP ist eine aus verschiedenen Ansätzen hervorgegangene Methodensammlung, die in den 70er-Jahren in Kalifornien begründet wurde und oft im Bereich zwischenmenschlicher Kommunikation und im Management-Training eingesetzt wird. Psychologische Themen hätten sie immer schon interessiert, sagt Fiegel. Ihr Ziel war schon zu Beginn ihrer Ausbildung klar umrissen. „Ich wollte Manager coachen.“

Inzwischen nennt sie sich „Auftrittstrainerin“, eine frei gewählte Berufsbezeichnung, die mit ihrer „großen Leidenschaft“, dem Improvisationstheater, zusammenhängt. „Ich sorge dafür, dass Sie auf den großen und kleinen Bühnen Ihres Lebens einen sympathischen, überzeugenden und authentischen Auftritt hinlegen“: So lautet Fiegels „Elevator Pitch“, ihre Werbebotschaft, die sich auch während einer kurzen Fahrt im Aufzug (Elevator) wirksam an den Mann oder die Frau bringen lässt.

Zu ihren Klienten, sagt Fiegel, gehören Führungskräfte ebenso wie Schüler, die sich auf die Abschlussprüfung vorbereiten wollen, oder Leute, die ihre Schüchternheit loswerden wollen. Die Methoden des Improvisationstheaters eigneten sich hervorragend, um den eigenen Auftritt zu stärken: „Ich lerne die Angebote anzunehmen, die mein Mitspieler mir macht. Ich lerne das beste aus dem zu machen, was das Leben mir gibt.“ Und noch einen Grundsatz aus der Kunst der Improvisation will Fiegel ihrer Kundschaft vermitteln. Er lautet: „Stay happy when you fail“, zu Deutsch: „Scheiter heiter.“ – „Wir tun so viele Dinge nicht, weil wir Angst haben zu versagen“, sagt die 53-Jährige, die vor drei Jahren eine Impro-Theatergruppe gegründet hat, die „Improdile“, die sich alle 14 Tage im Tübinger Sudhaus trifft.

Seit dem 8. Oktober ist Louise Fiegel Mitglied des Deutschen Knigge-Rats, ein Ehrenamt, in das man berufen wird. „Das war meine erste Berufung“, sagt sie lachend. Der Knigge-Rat wurde 2005 von der kommerziellen Zeitschrift „Der große Knigge“ und der Typ-Akademie, einem Seminaranbieter für Stil- und Imageberatung, ins Leben gerufen. Die Amtsdauer der zehn Mitglieder sei auf drei Jahre befristet, heißt es auf der Internetseite des Gremiums, damit der Knigge-Rat „im schnellen Wandel der Zeit stets aktuelle, neue und vielseitige Impulse aus allen Bereichen“ erhalte.

Adolph Freiherr von Knigge veröffentlichte 1788 sein berühmtes Werk „Über den Umgang mit Menschen“. Benimm-Regeln seien aber nicht Knigges Ansinnen gewesen, sagt Fiegel, die an der Typ-Akademie eine Ausbildung zur Knigge-Trainerin gemacht hat. Dem Freiherrn sei es in der Zeit der Aufklärung vielmehr darum gegangen, eine Brücke zwischen dem gemeinen Volk und dem Adel zu bauen. Aktuell bedeute das: „Uns geht es nicht um leere Etikette-Hülsen, sondern um die innere Haltung von Wertschätzung und Respekt anderen Menschen gegenüber, egal, ob ich sie sympathisch finde oder nicht.“

Manche Benimm-Regeln wie etwa die aus den prüden Fünfzigern in den USA stammende, wonach ein Mann nicht hinter einer Frau die Treppe hochgehen darf, weil er ihr unter den Rock gucken könnte, nennt Fiegel „Unsinn“. Zumindest im Geschäftsleben und bei offiziellen Anlässen gehe beim Treppensteigen „natürlich immer der Gast voraus“ – und Gastgeber oder Gastgeberin hinterher, um den Gast notfalls auffangen zu können.

Moderne Umgangsformen, sagt Fiegel, „haben mit der Rangfolge zu tun“. Der Ranghöhere, dem stets der Vorrang und Vorteil gebühre, sei generell der Gast oder der Kunde, „ich tue alles, damit er sich wohl und sicher fühlt“.

Als Schwerpunktthema hat sich der Knigge-Rat dieses Jahr die „Social Media Etiquette“ gewählt, also die Frage, wie man sich auf dem Parkett der sozialen Netzwerke bewegt und Schäden am eigenen Image vermeidet. Wenn sich auf der eigenen Facebook-Seite nicht nur Freunde, sondern auch Geschäftspartner und Kunden tummeln, müsse man sich gut überlegen, was man von sich selber mitteilt oder mit einem nach oben weisenden Daumen kommentiert. „Ich zeichne damit ja in der Öffentlichkeit ein Bild von mir“, sagt Louise Fiegel. Und verdeutlicht das an einem Beispiel: „Bevor ich ein Urlaubsbild von mir im Bikini auf meine Seite stelle, sollte ich mich fragen, ob ich auch so durch die Stadt laufen würde.“

Louise Fiegel ist seit Oktober Mitglied des Deutschen Knigge-Rats
„Uns geht es nicht um leere Etikette-Hülsen, sondern um die innere Haltung anderen Menschen gegenüber“: So umreißt Louise Fiegel den Ansatz des Deutschen Knigge-Rates. Dessen Namensgeber, Adolph Freiherr von Knigge, sei es im 18. Jahrhundert ja auch nicht um Benimm-Regeln gegangen. Bild: Eisele

Louise Fiegel ist seit Oktober Mitglied des Deutschen Knigge-Rats

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10.12.2014, 12:00 Uhr

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