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Feuer

Lützenhardter Mühle brannte lichterloh

Das historische Anwesen stand seit Jahren leer, nun ist es in der Nacht zum Sonntag ausgebrannt. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts auf Brandstiftung.

30.01.2017
  • Annette Maria Rieger

Gegen halb zwei in der Nacht auf Sonntag stand die Lützenhardter Mühle, in einer Senke unterhalb der Kirche direkt an der Waldach gelegen, lichterloh in Flammen. Der Feuerschein war weithin zu sehen und überragte den Kirchturm noch um ein weites. Das leerstehende Haupthaus brannte völlig aus. Die Kripo schließt vorsätzliche Brandstiftung nicht aus und ermittelt.

Schon bei der Alarmierung war ein Vollbrand gemeldet worden. Als die Feuerwehr Waldachtal eintraf, schlugen die Flammen aus dem Haupthaus des Anwesens. Krachend stürzte bald darauf das Gebälk des Mühle teils und der angeschlossenen Scheune ein. Auch der Wohnteil brannte bereits bis unters Dach. Von ihm blieb ein Teil der Fassade stehen, der Rest war am Sonntagmorgen nur noch Schutt und Asche. Der Schaden beläuft sich nach vorläufigen Schätzungen auf rund 200 000 Euro. Das Gebäude war seit über zehn Jahren nicht mehr bewohnt und stand leer. In der Scheune wurden Strohballen gelagert. Dort, so die polizeilichen Erkenntnisse, ist das Feuer ausgebrochen.

Lützenhardts Ortsvorsteher Ludwig Blum war vor Ort bei dem Einsatz dabei. Die Zusammenarbeit der Feuerwehren Waldachtal und Pfalzgrafenweiler bei dem Großeinsatz mit dem Roten Kreuz hat sich aus seiner Sicht bewährt: „Das hat alles gut funktioniert, die hatten alles gut im Griff.“ Blum erinnert sich noch, wie er als kleiner Lützenhardter im Alter von sechs, sieben Jahren zum Milchholen hierher kam.

Bereits zwei frühere Brände

Die Mühle, wie das gesamte Ensemble der Häuser linkerhand der Kirche in Lützenhardt, gehören zur Tumlinger Gemarkung und stellen damit auch verwaltungsrechtlich eine Besonderheit dar. Etwas mehr als 200 Jahre lang, bis 2008, war die Getreidemühle im Besitz der Familie Bohnet. Seit dem 14. Jahrhundert waren auf diesem Gebiet – wohl etwas oberhalb – Mühlen angesiedelt. Bereits zweimal, so soll es in der Tumlinger Chronik vermerkt sein, sind hier Mühlen abgebrannt – jeweils im Winter. An der jetzigen Mühle wies eine Jahreszahl auf dem Türsturz auf einen Umbau im Jahre 1925 hin.

Der letzte Müller der Lützenhardter Mühle war Wilhelm Bohnet. Bis Anfang der Sechziger-Jahre im 20. Jahrhundert mahlte er wie zuvor schon seine Vorfahren das Getreide der Landwirte aus Tumlingen, Hörschweiler, Oberwaldach und Cresbach. Schließlich musste er aufgeben. „Unser Vater hat für den Fortbestand der Mühle gekämpft, aber die Behörden waren dagegen. Das notwendige Wasser war durch Aktionen der Gemeinde einfach nicht mehr fließfähig“, erinnert sich sein Sohn Siegfried Bohnet. Noch bis 2004/ 2005 wohnte die Mutter Mathilde Bohnet im Haupthaus. Sie starb 2006. Als dann Pferdezüchter Erich Single aus Neunuifra Interesse bekundete, aus dem historischen Anwesen etwas zu machen, da sei das als vernünftige Sache erschienen, so Siegfried Bohnet. 2008 verkauften die Erben die Lützenhardter Mühle an Single. Damals, so Siegfried Bohnet, war die Mühle-Einrichtung noch original vorhanden. Genau so, wie sie Ende der Siebziger-Jahre endgültig abgestellt worden ist. Zwar sei das Wasserrad altersbedingt nicht mehr gelaufen. Doch, so sagt Bohnet: „Unser Bestreben war es immer, das gesamte Anwesen zu erhalten, nichts auseinanderzureißen.“

Einsatz bis zum Mittag

In der Zwischenzeit wurde die Mühle unter Denkmalschutz gestellt und seit vier, fünf Jahren ist die Lützenhardter Familie Schraml-Dussle Eigentümer des Anwesens. „Der Vorbesitzer hatte es für seinen Sohn vorgesehen, der dann aber ins Rheinland geheiratet hat. Nachdem sich diese Pläne zerschlagen haben, wurde es von uns gekauft“, erzählte Hotelier und Klinik-Betreiber Michael Dussle in der Brandnacht vor Ort. Er und seine Frau luden die Feuerwehrleute zum Frühstück in den „Sonnenhof“ ein und spendierten auch ein Mittagessen für die Feuerwehrleute, die bis zum Mittag im Einsatz waren.

In den vergangenen Jahren hatte das Mühle-Anwesen mit den traditionellen Schindeln und Fensterläden sichtlich gelitten. Viele Fenster waren eingeschlagen, etliche Ziegel fehlten. Michael Dussle hatte vergangenen Sommer der Polizei gemeldet, dass sich immer wieder Kinder in dem leerstehenden Gebäude aufhalten würden. „Es hat schon weh getan, zu sehen, dass alles immer mehr verkommt“, so Siegfried Bohnet, der heute in Mötzingen lebt: „Aber das lag nicht mehr in unserer Hand und Macht.“

Ortsvorsteher Blum äußerte sich am Sonntag angesichts der Brandruine sehr bedauernd. Auch wenn die Lützenhardter Mühle ja in der Verantwortlichkeit von Tumlingen liege, so sei aus Sicht der Gesamtgemeinde auf jeden Fall zu sagen: „Für Waldachtal ist das schade. Die Mühle war schon etwas Besonderes, die hat auch von der Lage hierher gepasst. Waldachtal ist mit diesem Brand um etwas Besonderes ärmer geworden.“ Die kriminaltechnischen Ermittler der Polizei haben die Arbeit aufgenommen und ermitteln wegen des Verdachts auf vorsätzliche Brandstiftung. Ein Sachverständiger wurde hinzugezogen. Für die weiteren Ermittlungen hoffen die Ermittler auf wärmere Temperaturen.

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30.01.2017, 01:00 Uhr

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