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Luftschloss Eigenheim: Deutschland bleibt Schlusslicht
In Deutschland leben mehr Menschen in Mietwohnungen als im Rest Europas. Dort ist das Eigenheim deutlich beliebter. Foto: Bildquelle
Immobilien

Luftschloss Eigenheim: Deutschland bleibt Schlusslicht

Krieg, Steuern, Mieterschutz – es gibt viele Gründe, warum hierzulande weniger Hausbesitzer leben als im übrigen Europa. Und warum sich das kaum ändern wird.

26.01.2017
  • DPA

München. Der Brexit könnte den Immobilienboom in Deutschland weiter befeuern – vor allem in stark nachgefragten Metropolen wie Frankfurt, München und Berlin. Gründe sind für Experten die Unsicherheit um den EU-Austritt der Briten und die Furcht vor Handelsbarrieren. Großbanken hatten bereits angekündigt, Arbeitsplätze aus London auf den Kontinent zu verlagern.

„Bei Firmen wird zunehmend nachgerechnet und geprüft, wo in Deutschland genug passende Büroflächen frei sind“, sagt Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). „Nachgelagert dürfte ab dem zweiten Halbjahr auch die Nachfrage nach Wohnraum kommen.“ Im Fokus stünde vor allem Frankfurt. Auswirkungen könnten auch in München spürbar sein: „Die Stadt ist als Versicherungsstandort attraktiv.“

Zurückhaltender ist der Immobilienverband IVD, der etwa Makler und Sachverständige vertritt. Der IVD erwarte derzeit nicht, „dass sich der Brexit auf die deutschen Immobilienmärkte maßgeblich auswirken wird“, sagt Präsident Jürgen Michael Schick.

Auf dem Immobilienmarkt nehmen die Deutschen eine Sonderstellung in ganz Europa ein – sie sind mit Abstand das Schlusslicht. 70 Prozent der Europäer wohnen im eigenen Heim, in Deutschland sind es nur 52 Prozent. Warum? Experten nennen neun Gründe.

Krieg Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Städte in Deutschland zerbombt, es wurde rasch Wohnraum gebraucht, auch für die Millionen Heimatvertriebenen. Staat, Unternehmen und Wohnbaugenossenschaften zogen massenhaft Mietwohnungen hoch. Deshalb ist der Bestand aus den 1950er und 1960er Jahren hier so hoch.

Verdichtung Deutschland ist dicht besiedelt, doppelt so dicht wie die EU insgesamt. „In der Stadt gibt es eher Geschosswohnungsbau, und das geht oft einher mit Mietwohnungen“, sagt Alexander Schürt vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Bauqualität „In Italien oder Spanien ist der Mietwohnungsmarkt nicht so gut“, sagt Ludwig Dorffmeister, Immobilienexperte des Münchner Ifo-Instituts. „Mietwohnungen haben auch einen schlechteren Ruf, zum Beispiel in Großbritannien.“ Der deutsche Baustandard ist dagegen hoch, auch „die Qualität der Mietwohnungen ist in Deutschland vergleichsweise gut.“

Mieterschutz „In Deutschland sind Mieter besser geschützt“, wie Schürt sagt. Der Kündigungsschutz ist hoch, die Politik eher mieterfreundlich. Jüngstes Beispiel: die Mietpreisbremse.

Hohe Nebenkosten Käufer dagegen belastet der Staat mit hohen Nebenkosten: Grunderwerbssteuer, Notargebühr plus Maklercourtage – das alles verteuert den Kauf schnell um zigtausend Euro.

Unklare Förderung Die Politik fährt bei der Förderung von Wohneigentum einen Schlingerkurs. Lange unterstützte der Staat gut verdienende Häuslebauer steuerlich. Von 1996 bis 2006 gab es dann Kinder- und Eigenheim-Zulagen. Heute hilft der Bund noch ein bisschen mit billigen Krediten und Wohn-Riester.

Mobilität Im Beruf ist heute Mobilität gefordert. Die Immobilie aber macht eher immobil. „In Südeuropa sind die Leute stärker verwurzelt in ihrer Region. Das ist auch eine Mentalitätsfrage“, sagt Dorffmeister.

Sozialstaat Wo das Vertrauen in den Staat geringer und die sozialen Sicherungssysteme schwächer sind, bietet ein Häuschen im Alter ein Stück Sicherheit. In Deutschland funktioniert der Sozialstaat besser.

Hohe Preise An vielen Normalverdienern geht der jüngste Bauboom vorbei. Nicht nur die Mieten, auch die Grundstückspreise in den Ballungsräumen und die Baukosten sind enorm gestiegen. Ein gebrauchtes Einfamilienhaus in München kostet laut Bundesinstitut im Durchschnitt 1,2 Mio.EUR; in einigen anderen Regionen gebe es dafür ein Dutzend Häuser. Dafür gibt es dort aber oft keine Arbeitsplätze. dpa

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26.01.2017, 06:00 Uhr

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