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Lukasz U. ist für viele ein Held
Blumen zum Gedenken an den erschossenen Lkw-Fahrer Lukasz U. Foto: dpa
Anschlag

Lukasz U. ist für viele ein Held

Ob der Lkw-Fahrer in Berlin Schlimmeres verhindert hat, ist offen. Doch die Sehnsucht nach dem Guten bleibt.

29.12.2016
  • DPA

Berlin. Die letzten Stunden, die letzten Minuten im Leben des Lukasz U. müssen schrecklich gewesen sein. Der 37-jährige polnische Lkw-Fahrer war das erste Opfer des Terroristen Anis Amri, der am 19. Dezember U.‘s Lkw gekapert, in den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gesteuert und weitere elf Menschen getötet haben soll. Viele Fragen ranken sich seither um das Schicksal des Familienvaters aus der Nähe von Stettin (Szczecin), der wohl allein deshalb in den Horror geriet, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Hat der Pole mit dem Angreifer gekämpft? Ist Lukasz U. ein Held, weil er womöglich noch Schlimmeres verhinderte? Eineinhalb Wochen nach dem Anschlag stehen viele Antworten aus. Auch für die Angehörigen, die ihn an diesem Freitag zu Grabe tragen werden.

Ermittler halten sich bedeckt. „Die Leiche des Lkw-Fahrers wies eine Schussverletzung auf. Die Spurenlage deutet darauf hin, dass es einen Kampf zwischen Täter und Opfer gegeben haben könnte“, schilderte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am 23. Dezember im Innenausschuss den Erkenntnisstand zu dem Zeitpunkt. „Aufgrund dieses Kampfgeschehens“ sei es wahrscheinlich, dass der polnische Lkw-Fahrer „in das Geschehen eingegriffen“ habe. Hat Lukasz U. also vom Beifahrersitz aus das Steuer herumgerissen, als der Attentäter um 20.02 Uhr in den Weihnachtsmarkt raste? Hat er so Dutzende Menschenleben gerettet?

Neue Angaben aus dem – offiziell nicht veröffentlichten – Obduktionsbericht sprechen gegen diese Annahme, die lange kursierte. U. soll demnach schon zwischen 16.30 und 17.30 Uhr einen Kopfschuss bekommen und viel Blut verloren haben. Also wohl noch auf dem Parkplatz, fünf Kilometer vom Anschlagsort entfernt. Für viele Polen ist und bleibt er ein Held. Im Internet unterschrieben bisher fast 40 000 Menschen eine Petition mit dem Ziel, ihm wegen seines „heldenhaften Handelns“ das Bundesverdienstkreuz zu verleihen.

Doch taugt Lukasz U. zum modernen Helden? Nach Einschätzung des Berliner Sozialpsychologen Dieter Rucht ist die Debatte Ausdruck einer „Sehnsucht nach einem Gegenentwurf, um das Böse zu neutralisieren und zu kompensieren“. Ähnlich sieht das Psychologie-Professor Dieter Frey von der LMU München: „Nach solchen Ereignissen machen sich bei vielen Menschen Verzweiflung, Kontrollverlust, Hilflosigkeit breit. Es entsteht eine Sehnsucht nach dem Guten, nach einer Wiederherstellung des Guten, nach einem Retter.“ dpa

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29.12.2016, 06:00 Uhr

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