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Olivia Jones

Lust-Imperium auf St. Pauli

Die Travestiekünstlerin ist nicht nur eine Größe in der Szene, sie ist auch eine erfolgreiche Unternehmerin. Nun hat sie eine neue Idee auf den Markt gebracht.

22.07.2019

Von DPA

Grell geschminkte Kiez-Ikone: Olivia Jones. Foto: Axel Heimken/dpa

Hamburg. Wer an das Hamburger Szene-Viertel St. Pauli denkt, hat schnell das Amüsierviertel mit all seinen schummrigen Bars, Kult-Kneipen, Musikclubs und Traditionsläden vor Augen. Und viele landen in Gedanken dann auch bei Travestiekünstlerin Olivia Jones. Die Dragqueen ist von der Reeperbahn nicht mehr wegzudenken.

Mehr noch. Jones ist in den vergangenen Jahren fast schon eins mit dem wohl berühmtesten Stadtteil Deutschlands geworden. Sie lebt und arbeitet auf dem Kiez – und für den Kiez. Dabei beweist die grell geschminkte Kiez-Ikone mit den bunten Perücken und schillernden Outfits immer wieder gutes Gespür fürs Geschäft.

Sie betreibt neben der Schlager-Bar („Olivia Jones Bar“), einen Show-Club mit Travestie- und Comedy-Acts („Olivias Show Club“), einen Burlesque-Club („The Bunny Burlesque“) und Deutschlands ersten Menstrip-Club, zu dem nur Frauen Zutritt haben („Olivias wilde Jungs“). Außerdem gehören Kieztouren sowie die Hafen- und Stadtrundfahrten von Jones und ihrem Team dazu. Nun kommt am Montagabend die wohl erste Porno-Karaoke-Bar Deutschlands dazu. Das Olivia-Jones-Imperium ist damit um eine schrille Attraktion reicher.

In der Porno-Karaoke-Bar können die Gäste kurze Clips von Pornos aus den 70er- und 80er-Jahren lustvoll verstöhnen und lustig synchronisieren. „Die Bar passt zur Retro-Sehnsucht“, sagt Jones. „Für junge Leute ist das ein großer Spaß, für Ältere eine Zeitreise für untenrum.“

Ihre Business-Karriere startet Jones 2008 mit der Eröffnung der „Olivia Jones Bar“ in der Großen Freiheit. Noch heute wird in der Schlagerbar allabendlich gesunken, geschunkelt und gefeiert. In Hamburg war sie dank ihrer eigenen Show im Theater „Schmidt Tivoli“ bereits seit Jahren ein Travestiestar. Ihren weltweiten Siegeszug begann die etwa zwei Meter große Dragqueen 1997, als sie in Miami zur „Miss Drag Queen of the World“ gekürt wurde.

Die Bilder gingen um die Welt

Außerdem steht Jones seit jeher für Offenheit, Toleranz, Aufklärung und Vielfalt. Auch vor politischem Engagement macht sie nicht Halt. Um 2004 den Einzug des Rechtspopulisten Ronald Schill in die Hamburger Bürgerschaft zu verhindern, stellt sie sich kurzerhand selbst zu Wahl. 2017 nahm sie für die niedersächsischen Grünen an der Bundespräsidentenwahl teil. Die Bilder der bunten Jones mit ihren orangefarbenen Haaren inmitten dunkel gekleideter Menschen im Bundestag gingen um die Welt.

Olivia Jones ist ein Phänomen. Das zeigt sich auch, wenn man im Kiez nach Kritikern sucht. Klar, nicht jeder mag Schlager, Travestieshows und Karaoke. Aber ein schlechtes Wort will über Jones kaum einer verlieren. Zu sehr wird die Niedersächsin für ihre klare Haltung und vor allem für ihre Arbeit auf St. Pauli geschätzt. „Sie hat keine Villa in irgendwo und greift dann hier nur ab, sondern sie lebt hier und hilft den Menschen, die hier leben. Das finde ich richtig gut“, sagt Reeperbahn-Quartiersmanagerin Julia Staron dazu. Rund 100 Menschen stehen heute auf der Gehaltsliste von Unternehmerin Olivia Jones.

Für Staron gehört der Jones-Kosmos zur modernen Entertainment-Kultur des Viertels ganz selbstverständlich dazu. Die habe sich gewandelt. „In den 60er-Jahren war Damen-Schlammcatchen der richtig heiße Scheiß. Jetzt hat das Publikum wieder Lust auf Show, Burlesque und Travestie. Deswegen ist Olivia Jones auch so stark, weil ihr Angebot auch Nachfrage hat – und zwar bundesweit“, sagt Staron weiter.

20 bis 30 Millionen Menschen sind jedes Jahr auf der Reeperbahn unterwegs. Viele von ihnen kommen auch, um Olivia Jones zu sehen, die noch immer jedes Wochenende durch ihre Bars und Clubs tourt – eine Kiez-Königin zum Anfassen. Christiane Bosch

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Erstellt:
22. Juli 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Juli 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 06:00 Uhr

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