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Tampons

Luxus am Faden

Drei Frauen mit blutigen Hosen stehen vor dem britischen Parlament. Sie hatten keinen Unfall.

12.11.2015
  • MEIKE STOLP

Sie protestieren gegen die Besteuerung von Tampons, die im Vereinigten Königreich als Luxusartikel angesehen und deshalb gesondert besteuert werden. Und die Hosen sind blutig, weil die jungen Frauen damit ihren Mitmenschen zeigen möchten, was passiert, wenn sie auf diesen "Luxus" verzichten. Anderswo haben sie auch schon mit blutigen Tampons hinter den Ohren protestiert.

Fünf Prozent Mehrwertsteuer werden in Großbritannien auf Hygieneartikel wie Tampons erhoben. Geht nicht, finden viele Britinnen. Und die Protestlerinnen brachten es mit ihren Schildern auf den Punkt: "Die Periode ist kein Luxus. Glaubt uns."

Das Problem mit der Deklarierung zum Luxusartikel ist, dass dadurch überhaupt erst Steuern anfallen. Bücher oder Fahrradhelme etwa sind davon befreit, weil es Waren sind, auf die niemand verzichten kann. Tampons und Binden sind offenbar verzichtbar. Wie manche Kekse oder essbare Kuchendekoration wurden sie zu Luxusgütern deklariert.

Vor allem Frauen sehen das natürlich anders. Die Gegner der Besteuerung von Tampons und Binden sehen diese als Gesundheitsutensilien. Natasha Preskey, Kolumnistin der Tageszeitung "The Independent" rechnete vor: "Die durchschnittliche Frau kauft, verbraucht und entsorgt 11 000 Tampons. In meinem Tesco-Supermarkt kostet eine 20-er Box Tampons 3,14 Pfund (rund 4,40 Euro). Das bedeutet, dass Geringverdiener etwa 38 Arbeitstage schuften müssten, um die lebenslange Versorgung zu sichern." Um zu der Erkenntnis zu kommen: "Frauen werden dafür besteuert, einen Uterus zu haben." Knapp 270 000 Personen haben bereits die Online-Kampagne "Stop taxing periods" unterschrieben, in deren Manifest der konservative Premierminister David Cameron für sein zögerliches Verhalten in der Sache getadelt wird.

In Deutschland übrigens müssen Frauen 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Hygieneartikel wie Tampons oder Babywindeln zahlen. Auch hier gibt es inzwischen eine Kampagne, die den verminderten Satz von sieben Prozent fordert, der etwa für Blumensträuße oder Lachskaviar fällig ist. Bislang hat die Internetpetition aber erst rund 10.000 Unterstützer.

Luxus am Faden
Foto: © Jeka84 - fotolia.com

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12.11.2015, 12:00 Uhr

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