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Kunst mit Energie aus der Natur

Lynn Schöne und Tom Feritsch mit Gemeinschaftsausstellung im Horber „Kloster“

Der Kunstverein Oberer Neckar hat passend für seinen Morgenabend anstehenden Wechsel an seiner Führungsspitze ein Glanzlicht in Sachen Ausstellungen zu bieten. Am Sonntag um 11 Uhr wird die Gemeinschaftsausstellung von Lynn Schöne und Tom Feritsch – beide in der Metropol-Region Rhein-Neckar beheimatet – in der „Kloster-Galerie“ eröffnet. Gestern wurden die rund 50 Werke aufgestellt und aufgehängt.

09.04.2015

Von Willy Bernhardt

Horb. Zusammen mit dem designierten künftigen Vorsitzenden des Kunstvereins Oberer Neckar, Benno Müller aus Dießen sowie ihrem Freund Hartmuth Schweizer, Kunsthistoriker und Künstler an der renommierten Kunstakademie in Karlsruhe, wurden die für Horb ausgesuchten Kunstobjekte gestern in der „Kloster-Galerie? ins rechte Licht gerückt. Am Sonntag führt dann Helmuth Schweizer ab 11 Uhr bei der Vernissage in die Gemeinschaftsausstellung des renommierten Künstler-Duos aus dem Großraum Mannheim in dessen Werk ein. Was dieses angeht, gibt es allerhand zu bestaunen, denn die Beiden zählen insbesondere in Baden-Württemberg zum Renommiertesten, was die Kunst-Szene zu bieten hat.

Lynn Schöne wurde 1953 in Luton (England) geboren. Sie arbeitet seit 1987 als freischaffende Künstlerin und ist seit 1991 auch Dozentin für Kunst in der Jugend- und Erwachsenenbildung. 1997 übernahm sie zudem ehrenamtlich die Leitung des Theo-Kerg-Museums in Schriesheim. 2009 erhielt sie der Kunstpreis der Willibald-Kramm-Preisstiftung in Heidelberg und war 2011 Preisträgerin für Objektkunst vom „Kunstforum Forst? in Baden. Zudem war Lynn Schöne 2012 Publikumspreisträgerin beim „Großen WeldeKunstpreis? der Metropolregion Rhein-Neckar. Hinzu kommen bei ihr gleich diverse Lehrtätigkeiten im In- und Ausland.

In ihrer Kunst geht Lynn Schöne seit vielen Jahren den Grenzgang zwischen dem Wandbild, Bildobjekt und drei-dimensionalem Raumobjekt. Nicht selten verbinden sie alle drei Elemente zu raum- oder themenbezogenen Installationen. Sie arbeitet bevorzugt mit Materialien, die der Natur entstammen, wie beispielsweise Bienenwachs, Filz, Fasern, Erdpigmenten, Bitumen und anderem. Die Verwendung dieser Stoffe versteht Künstler, die sich lange mit den eigenen Wurzeln und der keltischen Mythologie beschäftigte, als Akt der symbolischen Aneignung der Kräfte der Natur: Energien sollen sich mit den Objekten verbinden, sich auf diese übertragen. Es ist vor allem die Wirkung des verwendeten Materials, seiner Stofflichkeit und sinnbildhaften Kraft, die den Werken von Lynn Schöne eine anziehende Sinnlichkeit und stille Anmut verleihen. Es sei immer das Material, das Lynn Schöne inspiriert und von dem alle Ideen ausgehen, sagte einmal eine Kunstexpertin zu ihren Werken.

Die Energie des Tons ist den Gewalten im Erdinnern nicht unähnlich

Künstler-Kollege Tom Feritsch wurde 1946 in Freiburg geboren und studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Anschließend studierte er Kunstgeschichte. Auch er kann, wie Lynn Schöne, auf eine Vielzahl an renommierten Ausstellungen im In- und Ausland verweisen und kommt diversen Lehraufträgen nach. Doch anders als bei seiner Kollegin bildet bei Tom Feritsch das Material „Ton? in all seinen Facetten und seiner jeweiligen geografischen Herkunft die Grundlage für sein künstlerisches Schaffen und Wirken. Die dem Ton inne wohnenden Energien beschrieb Hartmuth Schweizer als „Kräfte, den Gewalten im Erdinnern nicht unähnlich?. Diese gäben seinem Material Ton (und auch Metall) Härte, Form, Farbe und Textur. Feritschs Schiffsformen etwa wirkten noch in der Zerstörung statisch, selbst im Zusammenbruch wie gebaut, hat der Kunsthistoriker es beschrieben. Viele Kunstwerke von Tom Feritsch bewahrten sich gerade auch durch die Brenndauer des von ihm bearbeiteten Tons etwas Zweideutiges und entziehen sich sowohl einer schnellen gegenständlichen Charakterisierung als auch einer der abstrakten, nur konstruktivistischen Betrachtung. Der Wahl-Mannheimer kalkuliert auch Ungenauigkeiten, Veränderungen und Zufälligkeiten des Materials in seinen Arbeitsprozess ein. Der atypische Einsatz und die Umkehrungen der vertrauten Ausdrucksqualitäten des gebrannten Tons werden stattdessen zum Charakteristikum seiner Skulpturen, die in ihrer Leichtigkeit und Fragilität zugleich den sensiblen Umgang mit dem Material verraten. Gerade diese durch Zufall, beim Brennvorgang entstandenen Anomalien verleihen seinen Objekten den Eindruck des Lebendigen, Organischen und dadurch auch des Flüchtigen. Er reduziert Material und form zunehmend, um zu offeneren, transparenteren Raum-Kompositionen zu gelangen.

Info: Die Ausstellung unter dem Titel „Materialdenken? ist vom 12. April bis zum 24. Mai in der „Galerie? des Kunstvereins Oberer Neckar im Horber „Kloster? zu sehen. Termine können auch bei der Vernissage am kommenden Sonntag ab 11 Uhr konkretisiert werden.

Kunsthistoriker und Künstler Hartmuth Schweizer (links) führt am Sonntag bei der Vernissage der Ausstellung „Materialdenken“ um 11 Uhr in das Werk des Künstler-Duos Lynn Schöne und Tom Feritsch ein. Bild: wib

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Erstellt:
9. April 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
9. April 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. April 2015, 12:00 Uhr

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