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Mach mal leiser!
Das menschliche Ohr leidet unter der ständigen Geräuschkulisse. Foto: RioPatuca Images / Fotolia Foto: Foto: RioPatuca Images / Fotolia
Tag gegen Lärm: Millionen Deutsche leben in zu lau­ten Umgebungen

Mach mal leiser!

27.04.2016
  • ANJA SOKOLOW, dpa

Ber­lin/Des­sau. Lärm kann krank ma­chen. In Deutsch­land leben Mil­lio­nen Men­schen in Ge­bie­ten, die zu laut sind. Viele Kom­mu­nen be­mü­hen sich, mehr Ruhe zu schaf­fen. Der Tag gegen Lärm an die­sem Mitt­woch soll be­son­ders auf das Pro­blem auf­merk­sam ma­chen.

Lärm trifft viele Men­schen

Stra­ßen- und Schie­nen­ver­kehr sind Be­rech­nun­gen zu­fol­ge die größ­ten Lärm­ver­ur­sa­cher in Deutsch­land, ge­folgt vom Flug­ver­kehr. Min­des­tens 10 Mil­lio­nen Men­schen leben in der Nähe von Stra­ßen, deren Lärm Ex­per­ten als star­ke Be­läs­ti­gung ein­stu­fen, wie aus Daten des Um­welt­bun­des­am­tes (Uba) her­vor­geht. Von zu lau­tem Schie­nen­ver­kehr sind dem­nach min­des­tens 6 Mil­lio­nen Men­schen be­trof­fen und von Flug­lärm rund 800?000 Men­schen. Krank ma­chen­dem Lärm sind ins­ge­samt etwa 4,8 Mil­lio­nen Men­schen aus­ge­setzt. Das Uba hat Daten aus Lärm­kar­ten zu­sam­men­ge­tra­gen, die für sehr stark be­fah­re­ne Stra­ßen, Haupt­ei­sen­bahn­stre­cken, Groß­flug­hä­fen und Bal­lungs­räu­me er­stellt wer­den müs­sen.

Stra­ßen­lärm und Nach­barn

Be­fragt man die Men­schen nach ihrem per­sön­li­chen Emp­fin­den, er­gibt sich ein etwas an­de­res Bild. Eine Um­fra­ge von Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um und Uba von 2014 ergab eben­falls, dass unter den Lärm­quel­len der Stra­ßen­ver­kehr die meis­ten Men­schen stört. Es folg­ten je­doch laute Nach­barn sowie In­dus­trie- und Ge­werbe­lärm. Bei­des war in den Uba-Lärm­kar­ten nicht auf­ge­führt. Flug- und Schie­nen­ver­kehrs­lärm kom­men auf die Plät­ze vier und fünf, beide wurden als we­ni­ger stö­rend emp­fun­den wur­den als 2012.

Wenn Lärm krank macht

Lärm kann Stress ver­ur­sa­chen und zu Herz-Kreis­lauf­er­kran­kun­gen füh­ren. Er kann auch Aus­lö­ser für Schwer­hö­rig­keit sein. Sie ist in Deutsch­land die häu­figs­te an­er­kann­te Be­rufs­krank­heit: 2014 wurde bei 6650 Men­schen eine Lärm­schwer­hö­rig­keit fest­ge­stellt. „Am stärks­ten be­trof­fen sind An­ge­stell­te in der Me­tall­in­dus­trie und im Bau­be­reich, die mit lau­ten Ma­schi­nen ar­bei­ten“, sagt der Spre­cher der Bun­des­an­stalt für Ar­beits­schutz und Ar­beits­me­di­zin, Jörg Feld­mann. Er fügte allerdings hinzu, dass die Lärm­be­las­tung am Ar­beits­platz in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten deut­lich ge­sun­ken sei.

Musik als Krank­ma­cher

„Laute Musik, etwa in Dis­ko­the­ken oder mit Kopf­hö­rern kon­su­miert, ist ein wei­te­rer Ver­ur­sa­cher von Hör­schä­den, der immer be­deut­sa­mer und stark un­ter­schätzt wird“, sagt Micha­el Jä­cker-Cüp­pers vom Ar­beits­ring Lärm der Deut­schen Ge­sell­schaft für Akus­tik. Doch diese Erkenntnisse sind noch nicht genau erforscht: Sys­te­ma­ti­sche ak­tu­el­le Un­ter­su­chun­gen zur Häu­fig­keit von Hör­schä­den auf­grund von Mu­sik­kon­sum lägen  nicht vor.

Was man für sich tun kann

„Nicht jeder Mensch kann es sich leis­ten, einer lau­ten Um­ge­bung zu ent­flie­hen, zum Bei­spiel der re­la­tiv bil­li­gen Woh­nung an der Haupt­ver­kehrs­stra­ße“, sagt Jä­cker-Cüp­pers. Er emp­fiehlt, mög­lichst in einem ru­hi­gen Zim­mer zu schla­fen. Wich­tig sei auch ein ins­ge­samt acht­sa­mer Um­gang mit sich selbst. Dazu ge­hö­re es, sich Pha­sen der Ruhe und Ent­span­nung zu schaf­fen und re­gel­mä­ßig ru­hi­ge Orte auf­zu­su­chen.

Wie Tech­nik hel­fen kann

Jä­cker-Cüp­pers emp­fiehlt, beim Kauf von Elek­tro­ge­rä­ten zu prü­fen, ob es eine lärm­ar­me Va­ri­an­te gibt. So er­zeu­ge ein lei­ser Staub­sau­ger nur 61 De­zi­bel und ein lau­tes Gerät 83 De­zi­bel. „Ein Un­ter­schied von 22 De­zi­bel be­deu­tet, dass 160 leise Ge­rä­te ge­mein­sam nur so viel Schall ab­strah­len, wie ein lau­ter Staub­sau­ger“, so der Ex­per­te. Matt­hi­as Hintz­sche vom Fach­ge­biet Lärm­min­de­rung bei An­la­gen und Pro­duk­ten im Uba rät au­ßer­dem, ak­ku­be­trie­bene Gar­ten­ge­rä­te zu nut­zen. Diese seien deut­lich lei­ser als Ge­rä­te mit Ben­zi­n­an­trie­ben. Auch bei Au­to­rei­fen gebe es re­la­tiv lärm­ar­me Va­ri­an­ten.

Was Kom­mu­nen tun

Viele Kom­mu­nen in Deutsch­land haben Pläne zur Lärm­min­de­rung ent­wi­ckeln las­sen – wie in der eu­ro­päi­schen Um­ge­bungs­lärm­richt­li­nie vor­ge­schrie­ben. Laut Matt­hi­as Hintz­sche sind ei­ni­ge Städ­te bei der Um­set­zung vor­bild­lich: Ber­lin hat dem­nach den höchs­ten An­teil an Stra­ßen mit Tem­po-30-Be­gren­zung ein­ge­führt. Die Stadt Düs­sel­dorf habe einen be­son­ders lärm­min­dern­den Fahr­bahn­be­lag für die Stra­ßen ent­wi­ckeln las­sen. Mün­chen ver­su­che, ru­hi­ge Zonen in der Stadt zu schüt­zen. „Und in Nor­der­stedt bei Ham­burg wurde die Be­völ­ke­rung sehr stark in die Pla­nun­gen zur Lärm­min­de­rung mit­ein­be­zo­gen“, be­rich­tet Hintz­sche.

Wie Geräusche der Gesundheit schaden

Studien zufolge steigert starker Schall die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin. Bluthochdruck und Infarkte können die Folge sein. Auch Hörschäden zählen zu Langzeitfolgen. Lärmpegel und Risiken:

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27.04.2016, 06:00 Uhr

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