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Ein Konzertsaal für Tübingen: Der Bedarf ist da

Machbarkeitsstudie empfiehlt Europaplatz als Standort

Tübingen kann einen Konzertsaal durchaus brauchen. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie, die am Montag im Kulturausschuss behandelt wird.

11.07.2015
  • Wilhelm Triebold

Tübingen.Insgesamt 73 900 Euro hat sich die Stadt eine Bedarfsanalyse kosten lassen, die jetzt vorliegt. Die beauftragte Beratungsfirma sah und hörte sich vor Ort gründlich um, zusätzlich untersuchte ein Essener Architekturbüro noch fünfeinhalb mögliche Standorte. Das Ergebnis:

Die Standortfaktoren für einen solchen Saal in Tüngen sind gut und das „Nachfragerisiko“ begrenzt, wenn er sich hauptsächlich auf den lokalen Bedarf ausrichtet.

Favorisiert und als ausreichend empfohlen wird eine kleinere Variante (mit 650 Plätzen gegenüber der größeren mit 1000 Plätzen).

Bei der kleineren Variante wird mit Saalmieten von 1400 Euro (für gemeinnützige Akteure 700 Euro) kalkuliert und mit jährlich 29 000 Besuchern, bei einer durchschnittlichen (Zwei-Drittel-)Auslastung.

Nicht nur die Betriebskosten (bei Variante 1 zwischen 500 000 und 615 000 Euro), sondern auch die Investitionskosten unterscheiden sich erheblich. Der Bau eines kleineren Konzertsaals wird von dem Büro mit 14,5 Millionen Euro (Spanne 13 bis 18 Millionen Euro) veranschlagt, die Groß-Variante wäre nochmal rund neun Millionen teurer.

Der Konzertsaal stünde in einem (teils aber auch entlastenden) Konkurrenzverhältnis zu anderen Tübinger Veranstaltungsstätten, begrenzt auch zu regionalen Mitbewerbern wie der Reutlinger Stadthalle. Wie bei dieser wird der klassische und akustisch oft bessere „Schuhkarton“-Grundriss einer aufwendigeren, architektonisch anspruchsvolleren „Weinberg“-Lösung vorgezogen.

Dieses Konzerthaus gehört, so der Vorschlag, am besten auf den Europaplatz. „Als Standort für den Bau wäre nur der Europaplatz grundsätzlich gut geeignet“, resümiert die Beraterfirma. Zwei von viereinhalb weiteren untersuchten Plätzen, nämlich die am früheren Milchwerk Rappstraße in der Weststadt und neben dem Technischen Rathaus in der Brunnenstraße, sind immerhin bedingt geeignet, wie mit Abstrichen auch das Betriebsgelände von Omnibus Schnaith. Der Schlachthof nebenan erscheint den Beratern als eine zu „wertvolle Ressource“, um für einen Neubau abgerissen zu werden. Mit Pauken und Trompeten durchgefallen ist nur der Standort beim Museum am Bota: Da wollte die Stadt zwar mit Investor Karl Schlecht außer einem Kultursaal sogar noch Wohn- und Geschäftsbebauung unterbringen. Das Essener Büro kommt aber zu dem vernichtenden Urteil, diese Fläche sei „deutlich zu klein“. Und: „Die durch den Alten Botanischen Garten entlang der Wilhelmstraße ablesbare Zäsur zwischen historischer Altstadt und der Entwicklung der Universität im 19. Jahrhundert würde empfindlich gestört.“

Die auf den Bau und Ausbau von Kultureinrichtungen spezialisierten Essener schauen beim bevorzugten Standort Europaplatz aber genauer hin: Das Baufenster auf dem bisherigen Busbahnhof gilt auch „hinsichtlich des Flächenangebotes, der umgebenden Nutzung und der Erreichbarkeit“ als „grundsätzlich gut geeignet“. Ein verschobener Standort an den Rand des Europaplatzes, der größtenteils auf das Gelände des alten Gesundheitsamtes überlappen würde, sei wiederum „bedingt geeignet“, und zwar nur für die „Kapazitätsstufe 1““.

Die Verwaltungsvorlage, die am Montag in den Ausschuss geht, unterscheidet da weniger. „Grundsätzlich ist der Standort (...) sowohl für die Kapazitätsstufe 1 als auch 2 geeignet“, liest man da, „insbesondere wenn das derzeit landeseigene Gesundheitsamt noch als Fläche mit hinzugenommen werden könnte.“

Bis zum Jahresende sollen wesentliche Punkte, so die Verwaltung, geklärt werden. Neben den Beschlüssen über Standort und Größe des Saales wäre dies auch eine „Bestätigung des Beschlusses der Kulturkonzeption, dass ein Saal gebaut werden soll.“ Bekanntlich ist der moderne, spartenübergreifend genutzte Konzert- und Veranstaltungssaal in der Innenstadt bereits seit drei Jahren als einer von drei Schwerpunkten fest in der städtischen Kulturkonzeption verankert.

Machbarkeitsstudie empfiehlt  Europaplatz als Standort
Am oder auf dem Europaplatz? Dort, wo jetzt noch die Busse einpendeln, wäre nach Ansicht der Berater wohl der beste Standort für einen Konzert- und Veranstaltungssaal. Pech nur, wenn die Stadtverwaltung schon andere Pläne hegt.Archivbild: Grohe

Der öffentliche Teil des Kultur-, Bildung- und Sozialausschusses beginnt am kommenden Montag um 20 (!) Uhr im Akademiesaal der Stadtwerke, Eisenhuthstr. 6: Unter anderem geht es um die Einführung der Kreisbonuscard/Kindercard extra für Familien an der Armutsschwelle, um die Konzertsaal-Machbarkeitsstudie, um das Haeringhaus als mögliches Hospiz sowie um Cannabis oder sonstige Drogen an Tübinger Schulen und Jugendeinrichtungen.

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11.07.2015, 12:00 Uhr

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