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Mädchen spielen gegen die Taliban
Probe für Davos: Afghanische Musikerinnen. Foto: dpa
Musik

Mädchen spielen gegen die Taliban

Zum ersten Mal hat Afghanistan ein Orchester aus Frauen. Seine Dirigentin Negin Khapalwak ist 19 Jahre alt.

19.01.2017
  • DPA

Davos. Negin hat nicht viel Zeit. Sie kommt in das Zimmer gesaust, in Jeans und Strickjacke, den Schal um den Hals, nicht auf dem Kopf. „Fünf Minuten habe ich“, sagt sie fröhlich und legt den Dirigentenstab neben sich.

Ein paar Türen weiter, im Musiksaal, warten 30 Mädchen auf sie, Instrumente in den Händen und Schmetterlinge im Bauch: Zohra, das erste Frauenorchester Afghanistans. Sie werden morgen beim Abschlusskonzert des Weltwirtschaftsforums in Davos spielen. Es ist ihr erstes Konzert im Ausland, anschließend spielen sie in Berlin und Weimar.

Der Auftritt der afghanischen Mädchen in Davos vor Regierungschefs, Wirtschaftsexperten und Intellektuellen soll eine Art Botschaft sein: Seht her, was für Frauen heute alles möglich ist in Afghanistan – 15 Jahre, nachdem die Welt mit Soldaten und Entwicklungshelfern angetreten war, die radikalislamischen Taliban zu vertreiben.

Negin Khapalwak, 19 Jahre alt, verkörpert diese Botschaft. „Als ich das erste Mal von dieser Musikschule gehört habe, wusste ich gar nichts über Musik“, sagt sie. „Ich hatte nur niemals von einem Mädchen gehört, das Musikerin ist, und ich wollte unserer Gesellschaft beweisen, dass Mädchen alles tun können.“

Das Orchester gehört zur einzigen professionellen Musikakademie des Landes, dem Afghanischen Nationalinstitut für Musik (Anim). Dort studieren, finanziert von Ausländern, 170 Jungen und Mädchen afghanische, aber auch klassische westliche Musik.

In Afghanistan herrscht wieder Krieg. Seit die meisten internationalen Truppen 2014 abgezogen sind, kommen die Taliban wieder. Menschenrechtler sind besorgt, weil die Islamisten ihre Vorstellungen von Recht und Strafe zurückbringen. Für die Orchestermädchen wird es mitunter sogar in Kabul brenzlig. „Ich fürchte mich nicht – die meiste Zeit“, sagt Negin. „Aber wenn ich daran denke, dass meine Onkel mich bedroht haben, dann hab ich doch manchmal Angst, dass mir auf dem Heimweg etwas passiert.“

Heute gibt es in Davos eine Podiumsdiskussion mit Negin. Titel: „Die Taliban mit Musik bekämpfen.“ dpa

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19.01.2017, 06:00 Uhr

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