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Der Schultes war erst spät schachmatt

Mähringen bewältigte am Wochenende einen Feiermarathon

Die Augen der gesamten Gemeinde waren am Wochenende auf Mähringen gerichtet. Die Jubiläumsfeier der Feuerwehr Mähringen am Freitagabend bildete den Auftakt zum diesjährigen Dorffest, das bis spät in den Sonntag lockte. Anziehungspunkt am Samstag war die Schach-Simultanvorstellung des 17-jährigen Philipp Kaulich.

16.07.2012
  • Philipp Pilson

Mähringen. Der Startschuss zum großen Festwochenende fiel am Freitagabend in der Turn- und Festhalle. Über 100 Besucher versammelten sich, um das 125-jährige Bestehen der Mähringer Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Kusterdingen zu feiern.

Passend zum Thema stimmte die Musikschule Pfullingen die Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel an. Bei der Uraufführung im Jahre 1749 brach ein Feuer aus. „Es steckt aber noch mehr dahinter“, verriet Kreisbandmeister Karl Hermann, „genau 112 Musiker haben damals gespielt.“ Eine nette Anspielung an die heute gültige Notrufnummer. Als Präsent überreichte Hermann dem Abteilungskommandanten Wolfgang Bauer „etwas schönes fürs Dach“, eine Wetterfahne mit dem heiligen St. Florian. „Zwei alte Leitern, 48 Meter Schläuche und eine Fahrfeuerspritze waren der Anfangsbestand am 12. Juli 1886“, fand Ortsvorsteher Friedrich Braun beim Stöbern in den alten Akten heraus. Die Gründungsjahre waren sehr gut überliefert, „das meiste jedoch konnte ich nicht oder nur schwerlich lesen“, musste Braun schmunzelnd gestehen.

Bürgermeister Jürgen Soltau unterstrich in seiner Rede die Bedeutung der Feuerwehr für die Gemeinschaft, die seit nunmehr 125 Jahren einen festen Platz im sozialen und kulturellen Leben der Gemeinde innehat. Einsatzbereitschaft, Zuverlässigkeit und Pflichtbewusstsein seien nur ein paar Tugenden, die die Feuerwehrleute auszeichnen. Mit im Gepäck hatte Soltau ein Geldgeschenk der Gemeinde sowie eine Urkunde der Sparkasse, die darüber hinaus mit 125 Euro dotiert war. „Ein Euro für jedes Jahr“, bemerkte Soltau mit einem Schmunzeln.

„Seit jeher ist der ehrenamtliche Mensch die tragende Säule“, sagte Kommandant Wilfried Boll. „Die Anforderungen und Aufgaben der Feuerwehr haben sich in den letzten Jahren aber geändert“, so Boll. Der Kommandant erinnerte an die „extremen Wetterlagen“ der letzten 12 Jahre, darunter der Orkan Lothar, die Überschwemmungen 2002 und 2003 und weitere Unwetter. „Neben den klassischen Hilfeleistungen sind in den letzten Jahren vermehrt Unwettereinsätze die Folge gewesen“, so Boll, „genau 523 an der Zahl.“

14 aktive Mitglieder, darunter vier Frauen, neun Ehemalige und ein Jungfeuerwehrmitglied zählt die Freiwillige Feuerwehr Mähringen. „Besonders stolz sind wir auf unsere Frauenquote“, sagte Abteilungskommandant Wolfgang Bauer. Dennoch betonte Bauer den Nachwuchsmangel. „Die Sollstärke liegt eigentlich bei 23 Feuerwehrleuten, daher können wir Nachwuchs sehr gut gebrauchen.“

Schlag auf Schlag ging es am Samstag und Sonntag mit den Festivitäten weiter. Erstmals wieder seit 1998 machte das Dorffest in Mähringen Station. Hunderte Besucher nutzten die raren Sonnenstrahlen und bevölkerten die für den Autoverkehr gesperrte Mähringer Rathausstraße. Kaffee und Kuchen, zahlreiche Spielangebote wie Slalomfahren mit verschiedenen Fortbewegungsmitteln und Tanzveranstaltungen lockten Kinder wie Erwachsene. Der Liederkranz aus Jettenburg und der Musikverein Kusterdingen sorgten für den musikalischen Rahmen des Dorffests.

Hartnäckige Gegner und ein Remis

Nach dem Fassanstich, bei dem der Bürgermeister eine gute Figur machte und mit wenigen Schlägen das Bier spritzfrei anzapfte, zog es viele Besucher weiter zu einer der diesjährigen Höhepunkte. Der ehemalige Härtenschüler Philipp Kaulich (17) aus Wankheim zeigte eine Schach-Simultanvorstellung, bei der Jedermann antreten konnte. Zehn Herren, darunter auch Bürgermeister Jürgen Soltau, der „keine Gnade“ zu erwarten hatte, wie Kaulich versprach und sechs Schüler trauten sich an die Bretter. Der Schachmeister, der noch nie zuvor gegen so viele Gegner gleichzeitig angetreten war, hatte sichtlich Spaß an der Aktion, die sein Trainer Rudolf Bräuning ins Leben gerufen hat. „Das ist eine schöne Werbung für das Schachspiel“, sagte der Siebzehnjährige. Erst nach einer Stunde lichtete sich Zug um Zug das Teilnehmerfeld.

Die Augen der meisten Besucher konzentrierten sich auf das Spiel des Bürgermeisters. Der Schultes schlug sich wacker. Erst nach 20 Minuten musste Soltau den Verlust seines ersten Bauers verschmerzen. Doch auch die Wahl der weißen Spielfiguren, die laut Soltau „bessere Chancen zum Gewinnen“ versprachen half nichts. Nach einer Stunde und vierzig Minuten hieß es auch für ihn Schachmatt.

Bei manchem Schüler machte sich die Schach-AG bemerkbar. Nur kurz zuvor musste sich der kleine Samuel (9) als letzter seiner jungen Mitstreiter dem 17-jährigen Oberligisten geschlagen geben. Der älteste Teilnehmer, der ungenannt bleiben wollte, stellte sich auch als hartnäckigster Gegner heraus. Der ehemalige Schachspieler bot Kaulich Paroli bis sich beide Seiten nach fast zwei Stunden Spielzeit auf ein Remis einigten.

Die Verlosung der Tombola Hauptpreise, deren Erlös für eine Kletterwand am Sportgelände genutzt wird, leitete am Sonntagnachmittag das Ende des Feiermarathons ein.

Mähringen bewältigte am Wochenende einen Feiermarathon
Auch der Bürgermeister war nicht mit leeren Händen gekommen. Zum 125-jährigen Bestehen der Feuerwehr Mähringen überreichte Jürgen Soltau dem Abteilungskommandanten Wolfgang Braun ein Geldgeschenk der Gemeinde und eine Urkunde der Sparkasse. Bilder: Pilson

Mähringen bewältigte am Wochenende einen Feiermarathon
Zug um Zug: Keine Gnade versprach Philipp Kaulich (17) dem Bürgermeister (rechts). Der Schachmeister zeigte sein Können gegen 16 Mitstreiter gleichzeitig.

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16.07.2012, 12:00 Uhr

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