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Mängel in Fessenheim
Protestaktion auf der Europabrücke in Kehl: Deutsche und französische Atomkraftgegner forderten gestern die Stilllegung des Fessenheimer Kraftwerks. Foto: afp
Störfall-Analyse schürt neue Zweifel an der Sicherheit im Atomkraftwerk

Mängel in Fessenheim

Vom französischen Kernkraftwerk Fessenheim geht die Gefahr folgenschwerer Zwischenfälle oder von Unfällen aus. Das sagt ein Nuklearexperte, der jetzt den Störfall vom April 2014 analysiert hat.

25.04.2016
  • PETRA WALHEIM

Fessenheim/Beznau. Die Landschaft im Südwesten, wo Deutschland, Frankreich und Schweiz aneinanderstoßen, ist traumhaft schön. Jenseits der deutschen Grenze laufen dort aber auch Atomkraftwerke. Besonders an der Sicherheit der französischen Anlage in Fessenheim gibt es schon lange Zweifel. Ein Nuklearfachmann, der jetzt einen Störfall von 2014 untersucht hat, kann die Sicherheitsbedenken nicht ausräumen. Sein Fazit ist beunruhigend.

Am 9. April 2014 war im nichtnuklearen Bereich des AKW Fessenheim, das 30 Kilometer von Freiburg entfernt auf französischer Seite am Rhein steht, Wasser ausgetreten und hatte "eine Abfolge von technischem Versagen nach sich gezogen", so eine Mitteilung der Europaabgeordneten Rebecca Harms. Sie ist Vorsitzende der Fraktion der Grünen und der Europäischen Freien Allianz (EFA) im Parlament und hatte Manfred Mertins, Sachverständiger für Reaktorsicherheit, mit einer Analyse des Störfalls beauftragt. Als Folge der Überschwemmung lief Wasser in Schaltkästen und setzte eines der zwei parallel laufenden Sicherheitssysteme außer Betrieb. Dass es im fast 40 Jahre alten Kraftwerk nur zwei solcher sicherheitsrelevanten Einrichtungen gibt, ist für Mertins "besonders schwerwiegend" und erhöht nach Einschätzung des Professors "die Gefahr eines Ausfalls des gesamten Sicherheitssystems durch eine gemeinsame Ursache". In neueren Anlagen gibt es nach seiner Auskunft drei oder vier solcher parallel geschalteten und unabhängig voneinander funktionierenden Sicherheitssysteme, so dass auch beim Ausfall eines Systems oder bei Wartungsarbeiten die Sicherheit gewährleistet ist.

Weiter hat Mertins festgestellt, dass "wichtige sicherheitsrelevante Einrichtungen nicht erdbebenfest" sind, "obwohl das Rheintal als erdbebengefährdet gilt". Auch der Hochwasserschutz sei unzureichend. "Dabei liegen sicherheitsrelevante Teile der Anlage unter dem Niveau des Rheinseitenkanals und werden nur durch einen Deich geschützt", so die Analyse. Die für französische Anlagen vorgesehenen Aufrüstungen werden seiner Ansicht nach keine Abhilfe schaffen, weil sie erst bis 2020 und danach greifen und "die Defizite bei den Sicherheitssystemen und Störfallprozeduren nicht ausgleichen" können.

Mertins kommt in seiner Analyse des AKW Fessenheim, das eines der ältesten Anlagen Frankreichs ist, zu dem Ergebnis, dass es "in mehreren Punkten von heutigen Sicherheitsanforderungen abweicht." Diese werden seiner Einschätzung nach durch "Mängel im Sicherheitsmanagement verstärkt. Dadurch besteht die Gefahr folgenschwerer Zwischenfälle oder Unfälle."

Zudem ist bekannt geworden, dass in französischen Kernkraftwerken minderwertige Ersatzteile eingebaut wurden. Darüber berichtet "Die Welt". Schuld sei ein Zulieferer, bei dem ein Mitarbeiter Sicherheitszertifikate für Metallteile gefälscht haben soll. Bauteile, die in der Nuklearindustrie verbaut werden, unterliegen strengen Sicherheitskontrollen. In diesem Fall soll der Mitarbeiter für Teile, die nicht den Anforderungen entsprachen, Zertifikate gefälscht haben. Noch sei unklar, wie groß das Ausmaß des Betrugs ist und welche Auswirkungen es auf die Sicherheit der 58 französischen Anlagen haben könnte, schreibt "Die Welt".

Erinnerung an Tschernobyl-Katastrophe

Anti-Atom-Demos Auf sieben Brücken am Oberrhein haben gestern nach Angaben des Bund für Umwelt und Naturschutz fast 4000 Atomkraftgegner an die Katastrophe von Tschernobyl vor 30 Jahren erinnert. Mit der Protestaktion wollten sie auch den Druck aufrechterhalten, die überalterten Kernkraftwerke Fessenheim in Frankreich (seit 1978) und Beznau in der Schweiz (seit 1969) abzuschalten. Es gab friedliche Aufmärsche in Kehl, Sasbach, Breisach, Neuenburg, Nonnenweier, Basel und Hohentengen.

Abschaltung ungewiss Frankreich verfolgt in der Ankündigung, Fessenheim abzuschalten, einen Schlingerkurs. Immer wieder werden zugesagte Termine verschoben. Zuletzt sagte Präsident Francois Hollande zu, die Anlage Ende dieses Jahres abzuschalten. wal

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25.04.2016, 06:00 Uhr

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