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Management und Gewerkschaft mit stark abweichenden Renten-Angaben
Zahlenspiele bei Lufthansa

Management und Gewerkschaft mit stark abweichenden Renten-Angaben

Der Streik der Flugbegleiter (Stewardessen und Stewards) geht ums Geld. Lufthansa und die Gewerkschaft Ufo nennen dabei weit voneinander abweichende Gehälter. Hier die Darstellung beider Seiten:

10.11.2015
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo streikt weiter, in Frankfurt, Düsseldorf und München wurden gestern 929 Flüge abgesagt, 113 000 Passagiere waren davon betroffen. Währenddessen läuft zwischen Lufthansa und Ufo, wie deren Chef Nicoley Baublies sagt, eine "Propaganda-Schlacht". Zum Beispiel über die Verdienste der Flugbegleiter. Die beiderseitigen Vorwürfe: Die Lufthansa nenne geschönte Zahlen, Ufo führe die Zuschläge nicht auf. So kommen dann Beträge heraus, die deutlich von einander abweichen.

Grundsätzlich gilt: Wer bei Lufthansa als Stewardess oder Steward arbeiten will, muss 18 Jahre alt, mindestens 1,60 Meter groß sein, ein "angemessenes" Körpergewicht haben, Deutsch und Englisch fließend sprechen und mindestens einen Hauptschulabschluss vorweisen. Tatoos oder Piercings dürfen nicht sichtbar sein. Die Ausbildung dauert drei Monate, eingeschlossen sind drei Trainingsflüge. Dafür zahlt die Lufthansa insgesamt 1240 EUR.

Als Grundgehalt gibt es am Anfang 1386 EUR, dazu kommt eine Schichtzulage von 16,3 Prozent. Als Urlaubsgeld werden 848 EUR gewährt. Ein 13. Gehalt gibt es nicht. Als Tagesspesen bei Übernachtung innerhalb Europas werden 42 EUR gezahlt, außerhalb Europas 48 EUR. Flugbegleiter in Vollzeit haben 35 Tage Urlaub im Jahr. Wie alle Lufthanseaten können sie für sich, ihre Familie und Lebenspartner verbilligte Lufthansa-Tickets kaufen. Die Uniformen müssen sie zum Teil selbst bezahlen.

Rechne man alle Zuschläge und Spesen zusammen, komme ein Flugbegleiter bei Berufsstart auf ein Brutto-Gehalt von rund 2200 EUR, in der Spitze sogar 2650 EUR, rechnet Personal-Vorstand Bettina Volkens vor. "Völlig übertrieben", sagt Baublies. Mehr als 1600 EUR seien es nicht. "Alle möglichen Spesen draufzuschlagen, macht kein anderes Unternehmen", sagt er gegenüber der SÜDWEST PRESSE. "Selbst nach 25 Jahren kommt ein Flugbegleiter nur auf 3100 Euro."

Was der Gewerkschafter aber nicht sagt: In den ersten zehn Jahren, so die Lufthansa, gebe es eine automatische Gehaltssteigerung von im Schnitt 3,2 Prozent, für jene die vor 2013 begonnen haben, sogar von 4,8 Prozent. Mögliche Tariferhöhungen kommen noch dazu. Auf Vollzeitbasis und bei 87 Stunden im Monat erhalte so ein Flugbegleiter brutto 50 000 EUR im Jahr, also 4166 EUR im Monat. Falsch, sagt Baublies: "Es sind im Schnitt 2900 Euro."

Auch beim Endgehalt der Purserinnen oder Purser, also des Kabinenchefs, gehen die Angaben auseinander. Nach 30 Jahren seien es im Schnitt rund 6700 EUR, in der Spitze sogar 7150 EUR, rechnet Volkens vor. Baublies winkt ab: Es seien 4500 EUR Grundgehalt plus 600 EUR Purser-Zulage. "Im allerbesten Fall mit vielen Überstunden können 2000 EUR dazu kommen." Im Übrigen werde das Grundgehalt für die Purser künftig auf 3900 EUR abgesenkt. "Und überhaupt", fügt der Ufo-Chef hinzu, "gilt das nur für etwa 900 der aktuell rund 19 000 Flugbegleiter".

Auch beim Versorgungssystem gibt es aus Sicht von Lufthansa für Flugbegleiter keinen Grund zur Klage. Sie könnten weiter mit 55 freiwillig ausscheiden, mit 60 Prozent ihres letzten Gehaltes, das sie dann bis zum Erreichen der Pensionsgrenze erhalten. Die Ansprüche verfallen auch nicht, wenn sie nicht in Anspruch genommen werde. Zudem biete Lufthansa an, den Abschlag in der gesetzlichen Rente auszugleichen, wenn Flugbegleiter vorzeitig ausscheiden. "Das gibt es bei keinem anderen Unternehmen."

So komme ein Flugbegleiter, der mit 28 begonnen hat und mit 58 aufhört, ab 63 auf eine Rente von 2150 EUR, wenn er mit 60 aufhöre auf 2610 EUR. Fliegt er bis 63 seien es 3250 EUR, bleibt er bis 65 käme er auf 3660 EUR und damit auf 98 Prozent des letzten Gehaltes. Baublies sagte, bei Flugbegleitern seien die Renten noch nicht einmal "vierstellig".

Management und Gewerkschaft mit stark abweichenden Renten-Angaben
Die Folgen des Streiks bei der Lufthansa: Lange Warteschlangen am Frankfurter Flughafen. Foto: dpa

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10.11.2015, 12:00 Uhr

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