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Musik hat keine Botschaft außer der Musik

Manfred Mann‘s Earth Band spielt am 2. August beim „Rock of Ages“ in Seebronn / „Wenn Opa ein neues Album macht“

Manfred Mann’s Earth Band kommt am 2. August zum Festival „Rock of Ages“ nach Seebronn. Wir trafen den 74-jährigen Südafrikaner Manfred Sepse Lubowitz alias Manfred Mann und seine Band bei einem Auftritt in Crailsheim.

08.01.2015
  • Martin Zimmermann

Crailsheim. „Wir klingen nicht wie auf den Platten. Das ist die eine Sache, die wir anders machen als alle anderen im Musikgeschäft“, sagt Manfred Mann. Der 74-jährige Südafrikaner wirkt konzentriert und wägt seine Worte ab. Er ist kein lockerer Smalltalker wie Sänger Robert Hart, der während des einstündigen Interviews auch mal mit dem Handy rumspielt und SMS beantwortet.

Mann wirkt eher wie ein Jazzmusiker als wie ein Rockstar. „Ich und Gitarrist Mick Rogers, wir improvisieren viel, während Schlagzeug und Bass immer wieder das gleiche spielen“, sagt Mann.

Musik sei ein Handwerk, das für sich spreche. Musik brauche keine extra Botschaft oder Bedeutung. „Was für einen Sinn hätte es, irgendeine Botschaft für die Musik von Johann Sebastian Bach zu finden? Es wäre schlimm, wenn ich Protestant oder Christ sein müsste, um seine Musik toll finden zu können.“

Moment mal, gab es da nicht 1983 das Album „Somewhere in Africa“, in dem der Keyboarder und Arrangeur das Apartheid-Regime in seiner Heimat kritisierte? „Sie haben mich erwischt. Das war meine einzige politische Platte. Aber auch da habe ich andere Leute gefragt, ob die Platte musikalisch überzeugt“, erzählt Mann.

Was andere von seiner Musik halten, ist Mann sehr wichtig. „Ich lade Leute ins Studio ein und spiele ihnen meine Musik vor. Zur Not meinen Enkelkindern. Sechsjährige können erstaunlich gut beurteilen, was gute Musik ist“, sagt Mann.

„Er ist ein Perfektionist. Er findet immer etwas, was nicht perfekt ist“, mischt sich Sänger Robert Hart ins Gespräch ein. „Ich weiß immer sehr gut, was noch nicht passt, aber ich verzweifle manchmal daran, die passende Lösung zu finden. Bei ,I heard it through the Grapevine‘ habe ich aufgegeben und es Mick machen lassen“, erzählt Mann.

Für 2011 war sein Studioalbum „Lone Arranger“ geplant, aber erst im Oktober 2014 kam es heraus. „Ich habe zu lange daran gearbeitet. Und die Stücke, an denen ich am längsten gearbeitet habe, habe ich am Ende gar nicht mit auf das Album genommen.“

Manns erstes Studioalbum seit 1996 gilt als Soloalbum, obwohl auch Mick Rogers und Robert Hart darauf zu hören sind. „Ich habe versucht, die Band aus dem Projekt herauszuhalten, aber sie sind halt mit rein gerutscht“, sagt Mann.

Auf der Platte sind auch gesprochene Passagen von Kris Kristofferson und dem schwedischen Krimiautor Hakan Nesser zu hören. „Ich habe die Leute genommen, die gerade da waren. Den müden Cowboy Kristofferson habe ich bei einem Festival in Österreich getroffen. Und Nesser war gerade im Studio, als ich mit der Sängerin Viktoria Tolstoy in Stockholm aufgenommen habe. Ich mochte den urtümlichen Klang der schwedischen Sprache, ohne zu wissen, was es bedeutet. Viktoria hat mir später erzählt, dass das Gedicht sehr blutrünstig ist“, sagt Mann.

Den deutschen Jazztrompeter Till Brönner, der im Album die Orgelmelodie des Doors-Klassikers „Light my fire“ einspielt, habe er dagegen bewusst ausgesucht: „Deutschland ist unser wichtigster Markt. Ich wusste, dass er sehr gut und hier sehr bekannt ist“, sagt Mann.

„Wenn Sie glauben, dass ich Musik nur noch zum Spaß mache, dann muss ich Sie leider enttäuschen. Ich habe das Album gemacht, damit die Lieder im Radio gespielt werden. Warum hätte ich sonst den Rapper Kanye West mit hineingenommen“, sagt Mann. Allerdings habe es zum Album kaum Besprechungen und Interview-Anfragen gegeben. „Wen interessiert es schon, wenn Opa ein neues Album macht?“, fragt er. Möglicherweise sei es sein letztes Album, weil er seine Erfolgschancen als gering einschätzt.

Bei den Konzerten der Wintertour spielte Manfred Mann’s Earth Band kein einziges Stück des neuen Albums. „Bisher haben wir das noch nicht hinbekommen. Vielleicht im Sommer“, sagt Mann.

Überhaupt spielt Mann im Konzert die bekannten Hits wie „Blinded by the light“, „Davy’s on the Road again“, „Mighty Quinn“ und „Do Wah Diddy Diddy“ erst im letzten Drittel des Konzerts und so sehr mit Improvisationen durchsetzt, dass das Publikum zuweilen den Überblick verliert, welcher Song gerade gespielt wird.

Wer die Radiohits der 1960er und 1970er Jahre erwartet, der dürfte enttäuscht werden. Wer Blues-Rock mit atemberaubenden E-Gitarren-Soli und Jazz-Fusion-artige Keyboard-Arrangements, sowie die kratzige Reibeisenstimme von Sänger Robert Hart mag, der wird im August bei „Rock of Ages“ in Seebronn auf seine Kosten kommen.

Manfred Mann‘s Earth Band spielt am 2. August beim „Rock of Ages“ in Seebronn / „Wenn Opa
Der Mann mit Mütze ist Manfred Mann, daneben (von links) stehen Drummer Jimmy Copley und Sänger Robert Hart, sowie Gitarrist Mick Rogers. Es fehlt Bassist Steve Kinch, sonst wäre die Earth Band komplett.Bild: Zimmermann

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08.01.2015, 12:00 Uhr

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