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Manipulation im Meiler
Im Atomkraftwerk Philippsburg hat es Manipulationen durch einen externen Mitarbeiter gegeben. Foto: dpa
Neben Philippsburg soll nun auch Neckarwestheim II inspiziert werden

Manipulation im Meiler

Weiterbetrieb nur mit Auflagen: Das Land fährt nach einer Schummelei im Meiler Philippsburg einen harten Kurs. In Neckarwestheim stehen ebenfalls Prüfungen an. Das AKW Biblis meldet einen ähnlichen Fall.

15.04.2016
  • ANDREAS BÖHME (MIT DPA)

Stuttgart. Zwei Paukenschläge aus dem Umweltministerium: Franz Untersteller (Grüne) will dem landeseigenen Stromkonzern ENBW nicht nur vorerst verbieten, den Philippsburg II wieder anzufahren. Auch soll ihr zweites im Land noch betriebene Atomkraftwerk Neckarwestheim nun inspiziert werden.

Was ist passiert? Am Mittwoch war publik geworden, dass in Philippsburg ein Mitarbeiter eine regelmäßige Prüfung an einem Störfallmonitor zwar dokumentiert, aber nicht durchgeführt hatte. Der Meiler steht derzeit still, die Anlage ist in der turnusmäßigen Revision. Eigentlich soll der Meiler am 14. Mai wieder anfahren. Allerdings, so der angekündigte Ukas Unterstellers, nur unter Auflagen: Erst müsse eine Anhörung belegen, dass die EnBW den Meiler vorschriftsmäßig und sicher betreiben kann. "Außerdem erwarte ich von der ENBW Vorkehrungen, um solche Täuschungen künftig auszuschließen." Der Konzern hat bis Montag Zeit, einen ersten schriftlichen Bericht vorzulegen.

Die Täuschung hatte die ENBW-Tochter EnKK entdeckt und am 5. April dem Ministerium mitgeteilt. Die sogenannte wiederkehrende Prüfung an Strahlenmessgeräten im Dezember wurden von einem externen Dienstleister wohl nur vorgetäuscht. Man prüfe nun rechtliche Schritte gegen den Mann. Untersuchungen hatten ergeben, dass der Mitarbeiter weitere sieben solcher Prüfungen wohl auch nur auf dem Papier vorgenommen hat.

"Die Funktionstüchtigkeit der betroffenen Messeinrichtungen war und ist gewährleistet", erklärte der Konzern - dies könne man belegen. Das bestätigt Untersteller: Soweit man derzeit weiß, hätten die vorgetäuschten Prüfungen keine sicherheitsrelevanten Auswirkungen gehabt. Auch sei die Emissionsüberwachung gewährleistet gewesen. Man nehme die Vorfälle aber ernst - obgleich die ENBW kooperativ bei der Aufklärung sei und die Zusammenarbeit mit den kontrollierenden, externen Dienstleister als durchaus sinnvoll erachtet werde.

Bei wiederkehrenden Prüfungen wird gecheckt, ob der Meiler wie genehmigt betrieben wird und ob die Sicherheit gewährleistet ist. Die Prüfungen finden regelmäßig nach einem vorgeschriebenen Programm statt. "Meines Wissens ist es das erste Mal, dass eine vorgeschriebene Prüfung in einem deutschen Kernkraftwerk offenbar bewusst vorgetäuscht wurde", sagte Untersteller. "Das ist hochgradig beunruhigend und nicht akzeptabel." Auch das Bundesumweltministerium wurde mittlerweile informiert.

Die grüne Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl will analysieren, ob es bundesweit Lücken im Regelwerk gibt und ob auch in anderen Meilern getrickst wurde. "Ich erwarte vom Bund eine genauso entschlossene und kompromisslose Reaktion auf die Vorfälle." Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital erinnerte daran, dass Phillipsburg schon wegen ähnlicher Pannen negativ aufgefallen sei. Jetzt müsse man über eine früher als geplante Abschaltung nachdenken.

Am Abend wurde bekannt, dass auch im hessischen AKW Biblis wenige Kilometer nördlich von Mannheim 2014 und 2015 Sicherheitsprüfungen an Messgeräten nur vorgetäuscht worden sind. Da die Dokumentation aber so auffällig war, hätten Kraftwerkbetreiber RWE und das Umweltministerium aufdecken können. Der Fall sei nach der AKW-Stilllegung 2011 erfolgt. Eine Gefährdung konnte laut Ministerium ausgeschlossen werden. Dem Mitarbeiter sei nach dem Aufdecken mit sofortiger Wirkung der Zutritt zu dem Kraftwerk verwehrt worden. Er sei entlassen worden.

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15.04.2016, 06:00 Uhr

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