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Delle in der Erfolgsgeschichte

Manz AG reagiert mit Stellenabbau auf die anhaltende Krise der Solarbranche

Nachdenkliche Mienen gestern bei den Verantwortlichen der Manz AG: Nach vielen Diskussionen und langem Sträuben habe sich das Unternehmen zum Stellenabbau entschlossen, sagte Firmengründer Dieter Manz.

30.11.2012
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Der Schritt sei sehr schwer gefallen, sich erstmals von einer großen Anzahl von Mitarbeitern zu trennen, betonte Manz sichtlich geknickt, als er die Kündigung von 62 Beschäftigten in Deutschland bekannt gab (siehe dazu Lokalseite eins). Aber seit 2011 habe das Unternehmen im Solarbereich fast keinen Umsatz mehr gemacht. „Es ist tragisch und paradox: Wir machen Weltklimagipfel und diskutieren das CO2-Problem – und gleichzeitig bricht der Solarmarkt weg“, sagte Manz und verwies auf die Überkapazitäten vor allem in China. Dort würden Solarunternehmen künstlich am Leben gehalten.

Noch am 15. Juni war Manz von ministeriellem Lob überhäuft worden. „Wir feiern eine großartige Erfolgsgeschichte, weil Manz schon in den 80er-Jahren das Potenzial der Fotovoltaik erkannt hat“, lobte Wirtschafts- und Finanzminister Minister Nils Schmid damals beim 25. Firmenjubiläum. Umweltminister Franz Untersteller betonte, die Firma habe sich dank Flachbildschirmen und Lithium-Ionen-Batterien trotz Krise der Solarenergie behauptet. „Der Erfolg der Solarenergie wird schneller zurückkommen als manche glauben“, sagte er. Für die Manz AG dauert es trotzdem zu lange.

Das Reutlinger Unternehmen steht nach eigenen Angaben von allen Solarmaschinenbauern noch am besten da. Firmenchef Manz geht auch fest davon aus, dass der Solarmarkt sich nach einer Konsolidierung wieder kräftig erhole. „Wir bleiben von der Fotovoltaik überzeugt.“

Trotzdem sei Kurzarbeit jetzt keine Option gewesen. „Denn es wird auch Strukturveränderungen geben“, erklärte Manz und sprach von einer dramatischen Herausforderungen für den deutschen Maschinenbau in diesem Bereich. „Das hat es noch nie gegeben, dass eine Industrie innerhalb von drei Jahren ihren Preis drittelt.“

Deshalb werde auch nicht mehr die gesamte Produktion am Standort Reutlingen gehalten. „Einfachere Maschinen werden wir in China machen, nur die höherwertigen und effizienteren in Reutlingen“, betonte er. Auch ein Teil der Batterie-Herstellung werde von Tübingen nach Reutlingen verlagert. „Es wird nicht mehr so kommen, wie es war“, sagte Manz. Das börsennotierte Unternehmen, das gestern mit 17,26 Euro erstmals deutlich unter dem Emissionspreis von 19 Euro (2206) lag, hatte zu Spitzenzeiten 60 bis 70 Prozent der Umsätze im Solarbereich gemacht. Heute trägt dieser Bereich nur noch zu zehn Prozent zum Umsatz bei, Display-Technologie (60 Prozent) und Batterieherstellung (15 Prozent) sind – auf kleinerem Niveau – die Wachstumssparten, die zuletzt um mehr als 50 Prozent zulegten. „Was diese Bereiche betrifft, gehen wir relativ optimistisch ins neue Jahr“, erklärte Manz.

In einer Betriebsversammlung um 11.30 Uhr hat die Manz-Belegschaft gestern vom Stellenabbau erfahren. „Wir haben alles getan, um die Kündigungen verträglich zu machen, denn Entlassungen sind nicht unsere Kultur“, sagt Firmenchef Dieter Manz. So seien die Kündigungen mit dem Arbeitsamt abgesprochen und den betroffenen Mitarbeitern Abfindungsangebote unterbreitet worden. Vertreter des Arbeitsamts sind heute bei der Manz AG im Haus, um mit den Betroffenen zu sprechen. „Wir haben auch Kontakte zu Ingenieurdienstleistern und Zeitarbeiterfirmen aufgenommen und gehen davon aus, dass dort einige ehemalige Mitarbeiter unterkommen werden“, erklärt Manz. Er rechnet nicht mit vielen Klagen gegen die Kündigungen. Stellen wurden hauptsächlich im Bereich Verwaltung, aber auch in der Entwicklung und zu einem geringeren Anteil in der Produktion gestrichen.

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30.11.2012, 12:00 Uhr

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