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Ministerpräsident in Tübingen

Mappus macht Stippvisite auf dem Campus

Der „MAPBUS“ rollte am Donnerstag gegen 9.50 Uhr vor. Sofort war Stefan Mappus, Baden-Württembergs Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender, umringt. Es war die erste Visite des Regierungschefs in der Universitätsstadt.

03.09.2010
  • Ute Kaiser

Tübingen. Ab 9.30 Uhr harrten zehn Stuttgart 21-Gegner mit Protesttafeln vor der Neuen Aula auf die Ankunft des Gastes. Stefan Mappus ist auf „Sommertour“ durchs Ländle. Fast 60 Termine hat der 44-jährige Pforzheimer vorgesehen. In Tübingen blieben ihm knapp 45 Minuten für den Gang, der mehr einer Hatz glich, über den „Campus der Zukunft“. Schon um 11.15 Uhr wurde der Ministerpräsident auf dem Marktplatz in Rottenburg erwartet.

Neuer Campus und S-21-Protest: Mappus besuchte Tübinger Uni

© Ziehe 02:44 min

Der CDU-Kreisvorstand hatte in seiner Pressemitteilung „viele Gelegenheiten zu einer persönlichen Begegnung und einem persönlichen Gespräch“ angekündigt. Sie waren in Tübingen eher spärlich. Denn der Tross aus Vertretern der Universität, der CDU, Personenschützern, Presse, Protestierenden gegen das milliardenteure Bahnprojekt in der Landeshauptstadt und der Bürgerinitiative Wilhelmvorstadt / Universitätsviertel eilte von einem Ort zum anderen – von der Neuen Aula zum historischen Lesesaal im Bonatzbau, dort kurz auf den Balkon, von dort zur Mensa, hinüber zur Alten Physik, weiter Richtung Kupferbau und wieder zurück zur Neuen Aula.

Kanzler Andreas Rothfuß und Bernd Selbmann, der Leiter des Staatlichen Vermögensamts, hatten eine Präsentation der Planungen ausgedruckt, die sie dem Gast in die Hand drückten. In Stichworten erläuterten sie dem Ministerpräsidenten Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie, die im Herbst samt der Ergebnisse der Planungswerkstatt zur Wilhelmsvorstadt vorgestellt werden soll. Ein zentrales Ergebnis auch aus Sicht der Bürgerinitiative: „Die Baumgarten-Mensa kann als Gebäude erhalten werden“, wie Selbmann sagte. Allerdings müsse wegen des Brandschutzes „sehr massiv“ in das Gebäude eingegriffen werden, weshalb es seinen Status als Denkmal verlieren könne.

Verschiedene Szenarien für Zukunft der Mensa

Die externen Gutachter, die in Regensburg und Erlangen Großmensen sanieren, haben für die Studie verschiedene Szenarien durchgespielt – beispielsweise eine weitere Nutzung als Mensa oder als Institutsgebäude. Die Antwort ist offen. Die Unispitze will die Ergebnisse erst „noch bewerten“, wie Selbmann nach Mappus’ Abfahrt im Gespräch mit Pressevertretern und Volker Renner von der Bürgerinitiative (BI) sagte. Der Leiter des Staatlichen Vermögensamts bezifferte die – von den Gutachtern bestätigten – Kosten für die Sanierung und die Auslagerung über zwei Jahre auf 22 bis 24 Millionen Euro für die Mensa. Bei einem reinen Institutsgebäude reichten 13 bis 15 Millionen.

Mappus macht Stippvisite auf dem Campus
Ministerpräsident Stefan Mappus ( vorn Mitte) besuchte gestern die Tübinger Uni. Bernd Selbmann, der Leiter des Staatlichen Vermögensamts (links mit Papierrolle), Kanzler Andreas Rothfuß (Zweiter von rechts) und Vizerektor Heinz-Dieter Assmann (rechts) führten den Gast zu einigen Brennpunkten auf dem Campus. Bild: Sommer

Die Mensa könne auch danach nicht zu einer großen Versammlungsstätte werden – etwa für Konzerte, wie Henning Zierock von der Gesellschaft „Kultur des Friedens“ Mappus als Wunsch mit auf den Weg gegeben hatte. Probleme bereiten auch zu enge Durchgänge – etwa wenn es brennt. Das sei „ein bisschen wie die Situation in Duisburg“, sagte Selbmann zu Mappus.

„Es ist verheerend, wenn das Land Gebäude verkommen lässt, um sie abzureißen“, mahnte Volker Renner den Ministerpräsidenten. „Wir greifen es auf und prüfen es“, beschied der den Vertreter der BI. Ein dreiseitiges Papier mit ihren Vorstellungen, das die BI dem Regierungschef gemailt, der aber nicht gelesen hatte, werde er ans Staatsministerium weitergeben. Das leitet Hubert Wicker, ehemals Regierungspräsident in der Unistadt, also „mit Bezug zu Tübingen“, so Mappus abschließend.

Die Ministerien, mit denen die Universität „im Gespräch ist“, so Kanzler Andreas Rothfuß, werden noch einige harte Nüsse zu knacken haben. Denn die Defizite bei den Bauten und deren Ausstattung drückten das Niveau der Uni, die sich zu den „Top Ten“ der Forschungsuniversitäten in Deutschland zählt. Den Sanierungsstau bezifferte der Uni-Kanzler auf mehr als 450 Millionen Euro. Für ihn ist daher das zentrale Anliegen, „rasch zu einer baulichen Lösung zu kommen, die die Weiterentwicklung von Forschung und Lehre befördern kann“.

Die Fachleute in den Ministerien werden sich auch Gedanken über die mehr als 180 teils kleinen über die ganze Stadt verstreuten Gebäude machen müssen. Beispielsweise wegen der hohen Betriebskosten. Oliver Schill, der Chef des Studentenwerks, machte beim Nachgespräch zu der Mappus-Visite deutlich, dass er allergrößtes Interesse daran hat, diese Kosten drastisch zu reduzieren. Denn während sie, so Rothfuß, „explodieren“, sei der Landeszuschuss seit 1997 gleich geblieben.

Kanzler hofft auf konstruktive Lösungen

Was bleibt vom Kurzbesuch? Der Uni-Kanzler hofft, dass die Sensibilisierung des Regierungschefs für die verzwickte Situation in Tübingen „zu konstruktiven Lösungen“ führen wird. Allein die Baukosten für die bis 2015 geplanten Großprojekte im Tal und auf dem Berg werden auf weit über 160 Millionen Euro geschätzt.

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03.09.2010, 12:00 Uhr

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