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Lob vom Ministerpräsidenten

Mappus weiht neues Joma-Polytec-Firmengebäude ein

Einen Gewinn für Bodelshausen und die Region nannte Ministerpräsident Stefan Mappus gestern den 13 Millionen Euro teuren Joma-Polytec-Firmenneubau. Das expandierende Unternehmen stellt Kunststoffteile für die Bauwirtschaft, Automobilindustrie und Medizintechnik her.

18.09.2010
  • Ulrich eisele

Bodelshausen. Im 10 000 Quadratmeter großen Neubau an der Markungsgrenze zwischen Bodelshausen und Hechingen sind bisher verstreut liegende Abteilungen zusammengefasst, um Kosten und Wege zu sparen: Verwaltung, Werkzeugbau, Spritzerei, Montage, Logistik. Gleichzeitig wurde im alten Werk Robert-Bosch-Straße Platz für die Joma-Tochter Hydromechanik geschaffen, die Öl- und Vakuumpumpen herstellt.

Zwei Jahre dauerte der Bau des neuen Werkes, mit dem „in der größten Krise“ begonnen wurde, so Firmenchef Alexander Maute. Die Zeiten seien aber heute weder besser noch schlechter als früher. Als seine Eltern Hans und Katharina Maute 1958 die Joma Plastik gegründet hätten, habe es auch schon Strukturwandel, Rezession und Arbeitslosigkeit gegeben.

Mehrfach habe sich seine Familie gegen den Rat von Unternehmensberatern für einen eigenen Weg entscheiden: in den sechziger Jahren mit Dia-Rahmen und Produkten für die Möbelindustrie und Landwirtschaft, in den Achtzigern mit Zulieferprodukten für die Automobilindustrie, in den Neunzigern rechtzeitig den Absprung von der Computerindustrie geschafft; und nun mit Produkten für drei unterschiedliche Branchen.

Die Diversifikation sei hilfreich dabei gewesen, das Unternehmen ohne Entlassung durch die Krise zu steuern – trotz deutlichen Umsatzrückgangs auf 54 Millionen Euro im Jahr 2009. Jetzt peilt Joma mit 330 Mitarbeitern schon wieder einen Umsatz von 60 Millionen Euro an.

Ministerpräsident Mappus, der sich für den Besuch zwei Stunden Zeit nahm, nannte Joma „ein typisches Beispiel schwäbischen Unternehmergeistes“. Als Familienbetrieb – seit 2002 ist die BWK Stuttgart Minderheits-Investor – unterscheide sich Joma von börsennotierten Aktiengesellschaften. Mappus zollte auch den Firmengründern Hans und Katharina Maute Anerkennung: „Was Sie aufgebaut haben, ist für den Standort Baden-Württemberg eine Leistung.“

Der CDU-Ministerpräsident streifte aktuelle Themen: Er nannte das „dreigliedrige Banken-System“ einen Stabilitäts-Garanten, lobte Deutschland als „Wachstumsmotor in Europa“, hob Baden-Württembergs besondere Leistungsbilanz unter den deutschen Ländern hervor, wollte sich auch „unser Bildungssystem“ von „bestimmten Leuten“ nicht „schlecht reden“ lassen und pries „Anpassungsbereitschaft und Innovation“ in höchsten Tönen.

Auch Stuttgart 21- und Kernkraft-Gegner bekamen ihr Fett ab: 30 000 oder 40 000 Demonstranten seien „kein Grund für ein Zurückdrehen der Reformen“, sagte Mappus. Die Verlängerung der Atommeiler-Laufzeiten nannte er eine „notwendige Brücke“ beim Umsteigen auf erneuerbare Energien. Er meinte aber auch, dass man die Stadtwerke unterstützen müsse, die voll auf Erneuerbare gesetzt hätten.

Grußworte sprachen Bürgermeister Uwe Ganzenmüller, IHK-Präsident Christian Erbe und Johannes Abrahams, Senior Manager der Daimler Benz AG, für die „Premium-Kunden“ von Joma-Polytec. Danach schilderte Firmenchef Hans-Ernst Maute im Zeitraffer den Neubau („eine Zangengeburt über Kreisgrenzen hinweg“) und die jüngsten betrieblichen Entwicklungen: Umzug des Lagers und der schweren Maschinen mit eigenen Kräften unter laufender Produktion, keinen Umsatzrückgang, den Werkzeugbau verdoppelt, die Reinraumproduktion verdreifacht, Extrusions-Abteilung schon wieder am Limit – und die Überlegung, ein Joint Venture in China aufzubauen.

Danach ging es im Stechschritt durch den Neubau: das Fertigwarenlager, in dem Joma-Polytec ganze Tagesproduktionen für Automobilkonzerne vorhalten muss; die selbst entwickelten Montage-Roboter; die „Schmelzkerntechnologie“, ein aufwändiges Gießverfahren, das es sonst nur noch an drei Standorten in der Bundesrepublik gibt. In einem Pausenraum trug sich Ministerpräsident Stefan Mappus schnell ins Goldene Buch der Gemeinde Bodelshausen ein.

Auch energietechnisch setzt der Joma-Polytech-Neubau Maßstäbe: Es sei ein „industrieller Zweckbau ohne übertriebenen repräsentativen Aufwand“, pries ihn Hans-Ernst Maute. Ein „Energiesparbau“, in dem die gesamte Wärme und sogar die Klimatisierung der Räume im Sommer aus der Maschinen-Abwärme erzeugt wird. Es gibt nirgendwo einen Heizkörper.

Auch auf Brandschutz-Wände wurde verzichtet, stattdessen eine Sprinkleranlage installiert.

Auf dem Dach des Gebäudes befindet sich eine 4000 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage, aus der 270 Kilowatt Peak Strom ins Netz eingespeist werden.

Das neue Firmengebäude – ein „Energiesparbau“

Mappus weiht neues Joma-Polytec-Firmengebäude ein
In der Lehrlingsabteilung erhielt Ministerpräsident Stefan Mappus von den Auszubildenden einen selbst entwickelten Multifunktions-Flaschenöffner-Korkenzieher (vorne, von links): Abdullah Yagbasan, Hans Ernst Maute, Stefan Mappus, CDU-Landtagskandidatin Lisa Federle und CDU-Landtagsabgeordnete Monika Bormann Bild: Rippmann

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18.09.2010, 12:00 Uhr

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