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Maradonas Gegenentwurf
Rekordtorjäger Miroslav Klose, der seine Spielerkarriere beendet hat, gehört jetzt zum Trainerstab der Nationalmannschaft. Foto: dpa
Nationalelf

Maradonas Gegenentwurf

Warum Miroslav Klose alle Voraussetzungen hat, ein guter Trainer zu werden und weshalb er sich auf die Audienz beim Papst freut.

11.11.2016
  • GEROLD KNEHR

Eigentlich war es so wie immer. Miroslav Klose drängte sich nicht nach vorne. Das hatte er schon als Stürmer ungern getan, obwohl er, als einer der besten Angreifer in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes und Rekordtorjäger mit 71 Treffern im Nationaltrikot allen Grund dazu gehabt hätte. Und er tut es schon gar nicht als Trainer-Praktikant. Gestern beim Abschlusstraining vor dem EM-Qualifikationsspiel in Serravalle gegen San Marino (20.45 Uhr/RTL) gab sich der Trainer-Azubi, wetterfest verpackt in einer dunklen Jacke, als interessierter Beobachter und nicht als ein Hauptakteur.

„Ich bin froh und glücklich, die Möglichkeit bekommen zu haben. Der Gedanke ist länger gereift, ich habe mich entschlossen, mal die andere Seite zu sehen. Die Möglichkeit, an der Seite eines Weltmeister-Trainers einzusteigen, bekommen nicht viele. Ich will alles aufsaugen und mitnehmen für die weitere Ausbildung. Ich wurde von der ersten Sitzung an mit integriert, das ist alles eine große Ehre“, sagte er gestern über seine neue Rolle.

Eine Motivation für seine angestrebte Trainer-Karriere mag sein, dass er selbst als Junge von den damaligen Verbands- und Jugendcoaches übersehen worden war. Der gebürtige Pole, der mit acht Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland kam, spielte nie in einer Jugend-Auswahl. Das mag auch an seiner Schüchternheit gelegen haben, aber wesentlich am fehlenden Gespür der Trainer.

Klose will es später einmal besser machen. Und niemand zweifelt daran, dass er dazu in der Lage ist. Als Diego Maradona, der exzentrische Argentinier, im WM-Viertelfinale 1986 beim 2:1 gegen England einen irregulären Treffer mit der Hand erzielte, brüstete er sich mit dem Satz, das sei „Maradonas Kopf und die Hand Gottes gewesen“. Klose hatte im Trikot seines letzten Vereins Lazio Rom im Spiel gegen den SSC Neapel eine ähnliche Szene. Doch er beichtete dem Schiedsrichter, ein Tor mit der Hand erzielt zu haben und verzichtete auf die 1:0-Führung seines Teams, das sich am Ende mit 0:3 geschlagen geben musste. Fußballer seien ein Vorbild für die Jugend, begründete er sein Verhalten.

Klose, der Anti-Maradona. Kein Großmaul, sondern ein Leisetreter. Als er in der ewigen DFB-Torjägerliste den bis dahin führenden Gerd Müller (68 Tore) überholte, schien ihm das fast peinlich zu sein. „Der Gerd brauchte dafür nur 62 Spiele“, betonte er. Als er beim WM-Halbfinale 2014 den bisherigen WM-Torrekord des Brasilianers Ronaldo (15 Treffer) vor dessen Augen knackte und sein 16. WM-Tor erzielte, war er froh, dass der Jubel um das unglaubliche 7:1 gegen Brasilien alles überstrahlte. Wenige Tage später wurde Deutschland Weltmeister. Klose war gegen den Siegtorschützen Mario Götze ausgewechselt worden. Auch im größten Moment seiner Karriere überließ er die Schlagzeilen einem anderen.

Wer mag bezweifeln, dass aus diesem Klose ein richtig guter Trainer werden kann? „Im Fußball spielt die Spezialisierung in den einzelnen Mannschaftsteilen eine große Rolle. Ich denke, dass wir sehr von ihm profitieren können“, sagte Joachim Löw über Kloses Aufgabe, die Offensivkräfte zu schulen. Sein einziges Handicap könnte wiederum seine zurückhaltende, leise Art sein. „Ich kann aber auch laut. Als Spieler bin ich intern schon auch mal laut geworden“, bekennt der 38-Jährige. Bei der Mannschaft kommt Klose gut an. „Er war schon immer eine Respektsperson und ein Vorbild. Für die jungen Spieler und die Offensivspieler ist er ein wahnsinniger Gewinn“, sagt Sami Khedira.

Genauso wie auf seine erste Trainer-Erfahrung dürfte sich Katholik Klose auf die Privataudienz bei Papst Franziskus freuen. Für ihn, seine Ehefrau Sylvia und die Zwillinge Noah und Luan ist es nicht die erste Erfahrung dieser Art. Vor vier Jahren wurde er bereits von Benedikt XVI empfangen. „Für mich als gläubigen Christ war das ein unglaubliches Erlebnis.“

Was passiert aber, sollten die Offensivkräfte nicht so treffen wie ihr neuer Lehrmeister? „Kleiner Hinweis: Der Miro ist immer noch spielberechtigt“, beliebte Joachim Löw gestern zu scherzen.

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11.11.2016, 06:00 Uhr

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