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Bob: Bäuchlings im Eiskanal

Marius Broening erlebt im Europacup alle Höhen und Tiefen des neuen Metiers

Bobfahren ist ein rasanter Sport – am Wochenende hat Ex-Sprinter Marius Broening gleich mal alle Höhen und Tiefen seines neuen Metiers erlebt. Nach seinem ersten Europacup-Sieg am Königssee machte der 30-Jährige im zweiten Lauf einen unfreiwilligen Abgang.

17.12.2014
  • Hansjörg Lösel

Königssee. Sekundenbruchteile entscheiden, und wenn du als Anschieber erst mal den Anschluss verpasst hast, ist eh alles zu spät: Ein kleiner Stolperer beim Start reichte, schon war der Bob unwiderruflich verschwunden – und Broening rutschte bäuchlings den Eiskanal hinunter. „Der Bob hat halt beim Anschieben sofort eine irre Geschwindigkeit, ich konnte den einen Meter Rückstand nicht mehr aufholen – für die Leute muss es göttlich ausgesehen haben, als ich wie eine Robbe oder ein Pinguin da runtergerutscht bin“, sagt der Ex-Sprinter, der über sein Missgeschick aber längst wieder lachen kann. „Das gehört einfach dazu, und das ist auch schon ganz anderen passiert.“

Seit diesem Winter versucht sich der gebürtige Tübinger als Anschieber im Bobfahren (wir berichteten), und eine Lektion in seiner neuen Sportart hat Broening schon jetzt gelernt: „Du kannst im Bob alles erleben – am Wochenende saßen Leute falsch rum im Bob, weil sie noch irgendwie reinhechteten, es gibt einfach alles.“

Trotzdem ärgerte sich Broening natürlich über sein Missgeschick – vor allem tat es ihm leid für seinen Piloten Manuel Machata. „Der hatte am Samstag stundenlang am Bob herumgetüftelt, wollte noch mal was probieren – aber er kam hinterher gleich zu mir und hat mich aufgebaut“, sagt Broening. Machata steuerte den Bob zwar ohne Bremser ins Ziel, das Trio wurde aber disqualifiziert – im Viererbob müssen eben auch alle vier unten ankommen.

Der Teamgeist stimmt in der Crew des neu gegründeten Bob-Clubs Solitude Stuttgart – tags zuvor hatten Machata und Broening mit den Kollegen Gino Gerhardi und Tino Paasche auch noch die Sonnenseiten des Kufensports erlebt. Im ersten Lauf zum Europacup am Königssee gewann der Vierer mit drei Zehntelsekunden Vorsprung vor dem Österreicher Benjamin Maier und dem Niederländer Edwin van Calker auf dem dritten Platz – damit feierte Broening gleich in seiner ersten Saison auf neuem Terrain einen internationalen Erfolg. „Für mich als Bob-Frischling war das natürlich super“, sagt der 30-Jährige, der mitlerweile in München lebt.

Das Rennen am Königssee war praktisch das Heimrennen für Broening – auch die Mama war eigens aus Tübingen angereist und drückte dem Sohnemann die Daumen. Der Zuschauerplatz direkt am Eiskanal ist aber nichts für schwache Nerven. „Sie konnte kaum hinschauen“, sagt Broening – schließlich rasen die Bobs mit fast 130 Sachen zu Tal. Als vierter Mann, im Heck kauernd, sieht er davon zwar nichts, bekommt aber jede Unebenheit zu spüren. „Da tut es manchmal schon gewaltige Schläge.“

Eine Woche zuvor hatte Broening seinen ersten Europacup im französischen La Plagne absolviert, mit Platz sieben war die Machata-Crew aber nicht ganz zufrieden. „Wir hatten am Start einen Fehler, der Bob stellte sich quer und wir sind in die Bande gekracht“, sagt Broening. Er nutzt jedes Rennen, jedes Training, um Erfahrung zu sammeln: „Ich lerne jeden Tag etwas Neues.“

Marius Broening erlebt im Europacup alle Höhen und Tiefen des neuen Metiers
Bobfahrer Marius Broening am Königssee: „Für die Leute muss es göttlich ausgesehen haben, als ich wie ein Pinguin da runtergerutscht bin.“Privatbild

Die Weihnachts-Feiertage verbringt der Wahl-Münchener Marius Broening mit seiner Familie in Tübingen, am 26. Dezember geht es dann ab ins Sauerland: Am 31. Dezember startet der 30-Jährige in Winterberg bei der deutschen Meisterschaft. Ob er dann zur Crew von Manuel Machata oder Johannes Lochner (alle vom Bob-Club Solitude Stuttgart) zählen wird, weiß der Tübinger derzeit selbst noch nicht. Und macht sich darüber auch keinen Kopf: „Ich fahre bei beiden sehr gerne.“ Machata, der Weltmeister von 2011, hofft noch auf die WM-Qualifikation. Sein Anschieber Christian Poser fehlte beim Europacup am Königssee verletzt.

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17.12.2014, 12:00 Uhr

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