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Ironischer Auftakt der Diskussion zwischen Händlern und OB

Marktplatz war Parkplatz

Reger Verkehr herrschte am Montag Abend für kurze Zeit in Tübingens guter Stube: 15 Autos stellten den Marktplatz zu. Die Satire der Aktionsgruppe ZAK fanden manche Passanten gut, andere gar nicht witzig.

12.06.2012
  • Sabine Lohr

Tübingen. „Parken ist Menschenrecht! Stützt unsere Händler! Freie Fahrt für freie Kunden!“ Ein kleines Häuflein Autofahrer machte am Montag auf dem Marktplatz eine knappe halbe Stunde lang mordsmäßig Krach. Nicht nur durch skandierende Parolen, sondern vor allem durch aufheulende Motoren und Gehupe. „Isch des immer ein Krach da hobe!“, schimpfte eine ältere Altstadtbewohnerin, die im weißen Kittelschurz die Minidemo beobachtete.

Marktplatz war Parkplatz
So sah der Marktplatz gestern Abend aus: Zugeparkt von der Aktionsgruppe ZAK, die sich als „Unterstützerkreis für die Initiative der Altstadthändler/Freiheit für die Autos“ ausgab. Bild: Metz

Dabei ging es der Gruppe eben darum, diesen Krach auch künftig zu vermeiden. Die Aktionsgruppe ZAK nahm mit der Parkplatzdemo die rund 170 Altstadthändler auf die Schippe, die seit Wochen mit gelben Plakaten gegen ihrer Meinung nach zu hohe Parkplatzgebühren und gegen die City-Maut protestieren.

Sie sind für Dienstag Abend um 20 Uhr ins Rathaus zu einem Dialog mit Oberbürgermeister Boris Palmer eingeladen und veranstalten davor eine Kundgebung auf dem Marktplatz, um ihre Forderungen zu unterstreichen. Dann wird auch ZAK wieder dabei sein – diesmal aber ernsthaft.

Der Markt-Parkplatz jedenfalls sorgte unter den wenigen Passanten für reichlich Diskussion. „Das ist doch keine Satire, das erkennt man ja gar nicht“, kritisierte einer. „Völlig überspitzt“ fand ein anderer die Aktion. Der fraktionslose Stadtrat Jürgen Steinhilber sagte, in Tübingen gebe es ja „ohnehin keine richtige Fußgängerzone“ und machte das an den erhöhten Gehsteigen auf dem Marktplatz fest. Den Platz müsse man ganz anders gestalten, fand er. „Aber da hat sich Tübingen ja nie drum gekümmert.“ Währenddessen forderten die Demonstranten „Parkgebühren – weg mit denen!“

Bruno Gebhardt-Pietzsch, Grünen-Stadtrat und selber Altstadthändler, unterstützte die Aktion. Dabei hat auch er früher sein Auto auf dem Marktplatz abgestellt. „Unser WG-Auto hat da immer geparkt. Wir haben da sogar Ölwechsel gemacht.“

Händler waren gegen autofreie Innenstadt

Marktplatz war Parkplatz
Und so sah der Marktplatz 1970 aus. Ganz ähnlich.Archivbild: Grohe

Tatsächlich durfte bis 1972 auf dem Marktplatz geparkt werden. Der Verkehr floss bis dahin durch die gesamte Innenstadt, und zwar vor allem auf der Suche nach einem Parkplatz. Als dann die Stadtverwaltung Teile der Innenstadt zur Fußgängerzone umwidmen wollte, gab es große Bedenken von Geschäftsleuten, die hohe Umsatzeinbrüche befürchteten.

Zu denen kam es dann aber doch nicht: Nach einer ersten versuchsweisen Sperrung einiger Innenstadtgassen für den Individualverkehr stellten selbst die ehemaligen Gegner der Fußgängerzone fest, dass zwar die Zahl der Kunden gesunken sei, nicht aber die Höhe der Umsätze.

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12.06.2012, 12:00 Uhr

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