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Doppelagent für den Klimaschutz

Martin Heer will Horb zur „klimaneutralen Kommune“ machen / Öffentlichkeitsarbeit im

Mitte Oktober hat Martin Heer seine Arbeit als Klimaschutzmanager der Stadt Horb und als Geschäftsführer der Energieagentur in Horb angetreten. Der Geograf will Horb zur „klimaneutralen Kommune“ machen – keine leichte Aufgabe.

04.12.2012

Von Claudia Salden

Horb. Als eine Art Doppelagent ist Martin Heer in Horb auf Klimaschutz-Mission: Der 32-Jährige ist zwar zu 100 Prozent bei der Stadtverwaltung angestellt, aber nur zur Hälfte städtischer Klimaschutzmanager. Die anderen 50 Prozent seiner Arbeitskraft stellt die Stadt der Energieagentur in Horb in Rechnung, für die Heer neben Eckhardt Huber als Geschäftsführer tätig ist. Wegen der sich überschneidenden Aufgaben sollen beide Einrichtungen von dieser Konstruktion profitieren. „Da ich nicht nur in den Diensten der Stadt stehe, kann ich auch fachlich überzeugen und so eine Vermittlerrolle zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern einnehmen?, erklärt Martin Heer ? zum Beispiel in der Diskussion um einen Windpark, der für die „klimaneutrale Kommune? bis zum Jahr 2050 „unabdingbar? sei.

Der 32-Jährige, der den Klimaschutz in Horb voranbringen soll, stammt aus Herrenberg und hat in Tübingen Geografie studiert, eine thematisch besonders breit gefächerte Disziplin: „Als Geograf ist man Universaldilettant?, sagt Heer, den vor allem das Zusammenwirken von Räumen und der dort lebenden Bevölkerung interessiert. Vier Jahre hat Martin Heer als Projektmanager in der Solarbranche gearbeitet und für Firmen in Herrenberg und Tübingen Projekte in den Bereichen Photovoltaik und Solarthermie betreut. Neben einer Tätigkeit im öffentlichen Dienst haben ihn in Horb vor allem die Vielfalt der Aufgaben und der Umgang mit vielen unterschiedlichen Akteuren angesprochen, erzählt der Vater einer kleinen Tochter.

In Horb hat Martin Heer gute Voraussetzungen angetroffen: „Die Stadt hat schon einiges unternommen, was zum Beispiel die Sanierung städtischer Liegenschaften angeht?, lobt Heer. Angegliedert ist sein Job als Klimaschutzmanager im Fachbereich „Technische Betriebe?. Die Unterstützung durch die Stadt sei groß ? ebenso wie seine Gestaltungsmöglichkeiten. Das ist nicht überall so, hat Heer in seiner ersten Woche bei einem Vernetzungstreffen von 50 kommunalen Klimaschutzmanagern aus ganz Deutschland erfahren.

Als Klimaschutzmanager ist es seine dringlichste Aufgabe, Horb bis 2050 zur klimaneutralen Kommune zu machen. Bis 2020 sollen in einem ersten Schritt 40 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen eingespart werden. „Dafür müssen wir die private Sanierungsquote von derzeit 0,7 auf zwei Prozent anheben und den Anteil der erneuerbaren Energien steigern?, sagt Heer, dessen Stelle für bis zu drei Jahre mit Bundesmitteln gefördert wird. Er will unter anderem die Klimaschutzkonferenzen fortführen und städtische Klimaschutz-Projekte begleiten. Angedacht sind zudem ein Runder Tisch zum Klimaschutz und Kooperationen mit Hochschulen, beispielsweise im Studiengang Bioenergie an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. „Davon können beide Seiten profitieren?, hofft Heer.

Die Information und Beratung von Verbrauchern aus dem ganzen Landkreis sind die wichtigsten Aufgaben der Energieagentur in Horb, zu deren Gesellschaftern derzeit Horb, Empfingen und Eutingen sowie die Kreissparkasse Freudenstadt, die Volksbank Horb-Freudenstadt und die Raiffeisenbank Horb zählen. Die Geschäftsführer Eckhardt Huber und Martin Heer werden von der Energiemanagerin Anna Neumann (80 Prozent) und der Geschäftsstellenleiterin Elke Zöhler (50 Prozent) unterstützt.

„Bei der Energieagentur stehen die Bewusstseinsbildung und die Öffentlichkeitsarbeit im Vordergrund?, erklärt Martin Heer. Angedacht sind unter anderem ein Energiemanagement-System für öffentliche Liegenschaften, Hausmeisterschulungen, Fördermittelberatungen für Bürger und Kommunen sowie die Veröffentlichung eines Klimaschutzmagazins. Auch Kinder und Jugendliche gehören zur Zielgruppe: „Das sind die Häuslebauer von morgen?, betont Martin Heer. Die Schüler wollen er und die Energiemanagerin Anna Neumann über Schulprojekte und neue Medien erreichen.

Bereits seit 2009 und nun unter dem Dach der Energieagentur bietet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Horb unabhängige Energieberatungen für Privatverbraucher und Immobilienbesitzer an. Ein Gespräch dauert 30 bis 45 Minuten und kostet fünf Euro. Weitere Beratungen ? zum Beispiel ein Gespräch vor Ort, Hilfe bei der Ausarbeitung eines Sanierungsplans oder die Thermografie eines Gebäudes, die Schwachstellen in der Isolierung aufdeckt ? können vereinbart werden.

Als Klimaschutzmanager und Geschäftsführer der Energieagentur in Horb ist Martin Heer eine Schnittstelle zwischen Verwaltung, Politik, Industrie, Interessengemeinschaften und Bürgern. Kommunikation liegt ihm auch in seiner Freizeit am Herzen: Als ehemaliger DJ und Plattenverkäufer moderiert der 32-Jährige alle zwei Wochen die Sendung „B-Sides? beim Freien Radio „Wüste Welle? in Tübingen. Der Schwerpunkt liegt auf elektronischer Musik.

Info Die Energieagentur in der Neckarstraße 13 ist montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 12 Uhr geöffnet und telefonisch unter 0 74 51/5 52 99 79 sowie per E-Mail erreichbar:

info@energieagentur-in-horb.de

Alten Fenstern und anderen Energiefressern hat Martin Heer den Kampf angesagt. Bild: cls

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Erstellt:
4. Dezember 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Dezember 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Dezember 2012, 12:00 Uhr

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