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Marvin hilft Marvin
Roboter-Marvin schenkt Mensch-Marvin ein Glas Wasser ein. Alleine könnte der Rollstuhlfahrer, der im Körperbehindertenzentrum Oberschwaben in Weingarten wohnt, das nicht machen. Foto: dpa
Technik

Marvin hilft Marvin

Körperbehinderte haben Assistenzroboter getestet, die ihnen den Alltag erleichtern. Auch sonst werden die intelligenten Helfer immer häufiger eingesetzt.

06.12.2016
  • LSW

Weingarten. Marvin und Marvin verstehen sich schon richtig gut. Der eine ist 18 Jahre alt, körperlich behindert, sitzt im Rollstuhl und ist auf Hilfe angewiesen. Der andere ist ein Roboter, der von der Hochschule Ravensburg-Weingarten in Baden-Württemberg entwickelt wurde – und der für den Menschen Marvin Thurner eine echte Unterstützung im Alltag und Haushalt werden könnte.

Thurner lebt im Internat des Körperbehindertenzentrums Oberschwaben (KBZO) in Weingarten (Kreis Ravensburg). Er hat eine sogenannte Infantile Zerebralparese und Tetraspastik. Zusammen mit anderen Schülern testete er den Prototypen des Assistenzroboters. So kann Roboter-Marvin dem Mensch-Marvin ein Glas Wasser einschenken oder auch einen Apfel reichen.„Marvin, hol mir Chips aus der Küche und bringe sie mir“, sagt Dusan Zagorac. „Du möchtest, dass ich dir Chips bringe, ist das korrekt?“, fragt Marvin nach – ein wenig förmlich. „Okay, ich hole das Objekt Chips und bringe es dir.“ Dusan Zagorac ist von Geburt an körperlich eingeschränkt. Er lebt wie Marvin Thurner im KBZO-Internat und ist von dem Assistenzroboter begeistert. „Marvin ist eine super Sache“, sagt der 16-Jährige. Etwas aus einem Regal oder einem Schrank zu holen oder wieder einzuräumen sei für ihn alleine nicht möglich. Nur mit der Flaschenöffnungsfunktion hapere es beim Roboter noch etwas, sagt er. „Aber Marvin ist ja erst der Anfang.“

Entwickelt wurde Roboter Marvin am Institut für Künstliche Intelligenz der Hochschule. Gerade mit Blick auf Marvins Alltagstauglichkeit stecke der Teufel aber im Detail, sagt der Instituts-Leiter Wolfgang Ertel.

So sei es für einen Computer einfacher, jemanden im Schach zu besiegen, als etwa ein Fenster an der Wand zu erkennen oder die Tür im Raum zu finden. „Uns mit Roboterprogrammierung zu beschäftigen, ist unser Beruf, unsere Leidenschaft“, sagt Wolfgang Ertel. „Aber hier haben wir die Möglichkeit, den Menschen direkt in ihrem Alltag behilflich zu sein. Das ist für uns eine ganz andere Dimension.“

Dass der Bedarf da sei, das steht auch für Projektmitarbeiterin Barbara Weber-Fiori außer Frage. „Für Menschen mit körperlichen Behinderungen geht es um den Wunsch nach Selbstbestimmung, nach Autonomie, auch um das Gefühl der Sicherheit“, sagt die Wissenschaftlerin der Hochschulfakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege.

2017 wollen die wissenschaftlichen Mitarbeiter Benjamin Stähle und Steffen Pfiffner mit Marvin beim „Robocup“, einem der weltweit bedeutendsten Technologieevents, antreten. „Marvin ist aber noch nicht fertig“, sagt Ertel. dpa

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06.12.2016, 06:00 Uhr

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